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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-09-10 · Heft 37 (10.9.1861) · p. Seite 533

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 37 (10.9.1861)
Date
1861-09-10
Page
Seite 533 (sequence 7)
Language
German
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„Den hiesigen Lesern der Kölnischen Zeitung und auch wohl vielen auswärtigen ist es. bekannt, daß die an der nämlichen Stelle vorhanden gewesene frühere Synagoge cheils durch ihren mangelhaften baulichen Zustand und theils durch die mit jedem Jahre stark anwachsende Seelenzahl der israelitischen Gemeinde für ihre Zwecke in dem Maße unzulänglich geworden war, daß die Gemeinde auf den Neubau eines Gotteshauses Bedacht nehmen mußte, und daß, als die Verhandlungen hierüber schwebten und ganz besonders die beschränkten Mittel der Gemeinde einem würdigen Neubau große Schwierigkeiten in den Weg stellten, der Geh. Eommercierirath Abraham Oppenheim von hier im Jahre 1858 dem Gemeinde-Vorstand erklärte, daß er es übernehmen wolle, eine neue Synagoge auf seine Kosten zu erbauen und solche der Gemeinde als Schenkung zu überweisem Zugleich bestimmte Herr Oppenheim für diesen Zweck eine sehr ansehnliche Summe, die sich inzwischen durch nachträgliche Zufügungen mehr wie verdoppelte. „Die Gemeinde nahm das edle Anerbieten mit dankerfülltem Herzen an. Von Seiten des Gefchenkgebers wurde der Dombaumeister, Geh. Regierungs- und Baurach Zwirner, ersucht, den Bauplan anzufertigen. Der von Herrn Zwirner im maurischen Style entworfene Plan ward zur Ausführung genehmigt und der Architekt A. Meder von hier mit der Leitung des Baues beauftragt. „Es wurde alsbald zum Werk geschritten. Die baufällige alte Synagoge verschwand und bereits im folgenden Jahre (1859wurde der Grundstein zum Neubau gelegt, welcher von da ab stetig fonschritt, im gegenwärtigen Sommer seine Vollendung erreichte und allen Beschauern als ein prächtiger, monumentaler, den übrigen ausgezeichneten Bauwerken Kölns würdig zur Seite stehender Bau erschien. Wir sind nicht ip der Lage, den Lesern dieses Blattes ein erschöpfendes Bild von der neuen Synagoge zu geben, wollen jedochversuchen, dieselbe in Kürze zu schildern. „Der im Großen und Ganzen, wie in allen, auch den kleinsten Einzelheiten, streng im maurischen Style durch geführte Bau mißt ohne Zurechnung der Vorhalle nach Länge und Breite 72 Fuß, bedeckt mithin außer der Vorhalle einen Flächenraum von 1584 Quadratfuß. Seine lichte Höhe beträgt vom Boden bis zum Mittelpunkt der Kuppel 448 Fuß. Die Umfassungsmauern erheben sich bis zu ansehnlicher Höhe. Von da ab steigt 35 Fuß hoch die die Kuppel tragende ringförmige Wand des Tambours empor und' über diesem wölbt sich die Kuppel, welche ' nicht, wie gewöhnlich, aus dem Quadrat, sondern aus einem Octogon (Achteck) construirt ist und deren Durchmesser 32 Fuß beträgt. Die innere Fläche der Kuppel ist gleich den Flächen der Seitengewölbe als blauer, , mit goldenen Sternen befaeter Grund gemalt. Den Mittelpunkt der Kuppel bildet eine Sonne. Außerhalb über der Kuppel steigt ein reich vergoldetes Minaret in die Höhe, über welchem der vergoldete Davidsftern glänzt. „Kehren wir in das Innere des Tempels zurück, so sehen wir an der Ostseite desselben die heilige Lade iBundeslade) angebracht, in welcher die Thoras lGesktzbücher), das Allerheiligste des israelitischen Cultuch aufbewahrt werden. .Nach Außen hin ist die Bundeslade aus carrarischem Marmor gefertigt. Auf jeder Seite derselben dient ihr eine schmuckreiche Säule zur Einfassung oder zum Abschluß. Die mit Schnitzwerk gezierte Thür der Bundeslade ist durch einen Vorhang verhüllt, der aus Atlas gefertigt und von dem Hof- Goldsticker H. I. Heimerdinger in Karlsruhe mit reichen Stickereien geschmückt ist. „An der südlichen, westlichen und nördlichen Seite des neuen Tempels sind über einander in zwei Etagen die Frauenlogen angebracht, die von schlanken Säulen aus Eisenguß getragen werden und nach vorn mit eisernen, in zierlichen Arabesken ausgeführten Brustlehnen versehen sind. Die Wölbungen über den Frauenlogen sind, wie der maurische Styl solches vorschreibt, in Hufeisenform construirt. Die Fenster anlangend, so sind dieselben aus farbenprächtigem Glase in dem Atelier des Glasmalers P. Graß von hier gefertigt worden und zwar an der Südseite in Rosettenform. In den vier Ecken der Synagoge sind da, wo die Gewölbe beginnen, Medaillons angebracht, auf deren Goldgrund sich hebräische Inschriften befinden. Die innern Wandflächen des Tempels sind mit reichen, von Jos. Hartzheim Hierselbst angefertigten Stückarbeiten und außerdem mit arabeskenartigen Malereien verziert. Dergleichen Malereien bedecken überhaupt alle Bautheile im Jn-? nern: Pfeiler, Träger, Geländer u. s. w. Sie sind von; der Hand des Dekorationsmalers Friedr. Petrr aus Gießen mit höchster Mannigfaltigkeit und Eleganz ausge- , führt, dergestalt, daß dieselben trotz des außerordentlichen Farbenreichthums durchaus harmonisch wirken.: Die Dielung der Synagoge besteht aus Parquetböden, deren Her-! stellung dem Fabrikanten Bernbe zu Ehrenfeld übertragen

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