Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1861)
- Date
- 1861-09-10
- Page
- Seite 530 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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denkwürdiger Gestalten entgegen; Mlsgezeichnete Geschäfts¬ und Staatsmänner, Schriftsteller und- Dichter, heben sie das Ansehen ihres Volks, dem religiösen Fanatismus ihrer christlichen Umgebung zum Trotz, . zeitweise auf eine wahrhaft überraschende Höhe, aber fteilich nur, um dann ebenso plötzlich wieder herabzustürzen und in ihrem persönlichen Fall zugleich aüch das Schicksal ihrer Glaubensgenossen mit sich in den Abgrund zu reißen. Dies ist es überhaupt, was der Geschichte des Judenthums im Mittelalter, wenigstens in den Gegenden,' wo dasselbe nicht, wie dies. z. B. in Deutschland der Fall war, unter einem fortwährend gleichmäßigen Druck schmachtete, einen so eigeNthümlichen Reiz verleiht, dieser rastlose .Schicksalswechsel, bald auf der Höhe des Reichthums und der Bildung, im Rath der Könige, allgemein angeftaunt und beneidet, und bald wieder im tiefsten Elend, im Kerker, auf dem Scheiterhaufen, der blinden Wuth rachgieriger Verfolger Preis gegeben.. Es war eine harte, eine furchtbare, aber bei alledem eine Schule des Charakters, des Talents, so wie überhaupt, der gesummten Persönlichkeit- und darf es« uns daher nicht Wunder nehmen, gerade, hier, auf dieser für das Judenthum so verhängnisvollen Erde, inmitten desselben so viel interessante und großartige Erscheinungen anzutreffen. Das Buch, das in klarer und einfacher Sprache abgefaßt ist und dem zahlreiche quellenmäßige Nachweise, theils in Form von Anmerkungen, theils in einem eigenen Anhang, zur besondern Zierde gereichen, zerfällt in drei Abschnitte, von denen der erste und umfangreichste. die Juden in Navarra, der zweite die Juden in den Baskenländern und zwar Beides sowohl in dem spanischen, wie in.dem französischen Antheil, der dritte und letzte die Juden auf den Balearen behandelt. Der Schluß ist freilich überall derselbe, nämlich Austreibungen/Hinrichtungen, gewaltsame Taufen und wie die Waffen weiter heißen, mit denen der Fanatismus der alleinseligmachenden Kirche die Juden Jahrhunderte hindurch auszurotten strebte. Aber so traurig die Geschichte dieser Verfolgungen. auch ist, und so viele Gräuel darin verzeichnet stehen, so hat sie bei alledem doch etwas Erhebendes, nämlich wegen, der Ausdauer, mit welcher die Juden allen Angriffen Trotz boten, , so wie wegen der geistigen Energie und Behendigkeit, mit der. sie sich immer wieder aus dem Sturz emporzuraffen wußten. Für jüdische Leser muß das Buch noch dadurch von vorzüglichem Interessesein, daß darin die früheste Geschichte zahlreicher, berühmter Judenfamilien, die zum Theil noch heute in Blüthe stehen, mehr oder minder ausführlich erzählt wird; eine Geschichte, die nur ällzuhäufig; mit-Blut ge-. schrieben ist, auf welche die Nachkommen aber doch'mit gutem Grund ebenso stolz, und sogar noch stolzer sein dürfen, als unsere christlichen Junker auf ihre mittelalterlichen Wappen und Stammbäume.—" —, Wir können heute nachträglich bemerken, daß die in No. 36 angezeigte Schrift des Herrn M. Dreifuß in Endingen „zur Beförderung der Emancipation in der Schweiz" 1 Fr. 50 Cent. oder.42 Kr., d. i. 12 Ngr. kosten wird. Mögen sich recht viele Förderer dieser Schrift finden. Wir nehmen, wie gesagt, Subscriptionen und'das betreffende Geld an. -— Zeitungsnachrichten. Deutschland. . Hamburg, im August. (Privatmitth.) Die Registraturen unseres! Gemeindewesens vom Jahre 1860 geben einige Data an die Hand, um diehiesige jüdische Population ziemlich genau zu berechnen, obgleich bekanntlich die Menschenstatistik hier sehr vernachlässigt und die Juden separat zu zählen gar keine Möglichkeit, wie auch keine Veranlassung ist. Demnach gäbe es hier etwa 12,500 deutsche (und etwa 300 portugiesische) Juden,, von denen gegen 2000 contribuirende Mitglieder der Gemeinde, etwa 100 beitragsfreie Beamte, Lehrer rc., etwa 800 Mitglieder, die wenig, oder nichts contribuiren können, und 261 Nummern eingezeichneter Arme. Der sich hier in festen Verhältnissen aufhaltenden Fremden giebt es 1500, und außerdem durchschnittlich 500 bis 1000 durchpassirende Fremde, von denen die Gemeinde keine Kenntniß hat. Dies Alles giebt schon ein artiges jüdisches'Publikum, zu dem auch noch das Altonaische von etwa 4000 Seelen zu zahlen wäre. Die Zahl der Armen,. 261 Nummern, ist um 46 kleiner, als 1817, wo die Gemeinde nur etwa halb so zahlreich war, als jetzt. Dieses gute Resultat haben wir unfern Schulen, unfern Vorschuß- Anstalten und dem allmähligen Verschwinden der altfränkisch-orthodoxen Lebensweise zu verdanken. Das Ausgaben-Budget der Gemeindeverwaltung für Zinsen, Armenwesen, Cultusanstalten, Schulwesen s, geht auf mehr als 130,000 Mark Courant (52,000 Thaler), und außerdem haben dieselben Institute noch eigene Einkünfte aus ihren Kapitalien, aus ordentlichen und außerordentlichen Spenden rc. von zusammen circa 25,000