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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-09-03 · Heft 36 (3.9.1861) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 36 (3.9.1861)
Date
1861-09-03
Page
Seite 521 (sequence 11)
Language
German
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5L1 und hörte jüngst schöne Reden über die Erceffe in Prag; wie unschuldig, wie naiv sind sie gegen einen solchen Erceß des angeblich die katholische Kirche vertretenden Journals. Nicht dort auf den Straßen und. unter den Fenstereinwerfern suche man den Pöbel, sondern in den Spalten dieser Zeitungsblätter; dort ist ein Proletariat, das sich blos an Schmiedeeisen und Butter vergreift, hier ein Proletariat der Moral, der Cultur, der Gesittung. Dort kann die Polizei und das Militär die Staatsordnung und das Gesetz Herstellen, gegen diese Herzensverderbtheit, Gesinnungsrohheit, Gedankenfäulniß und Verstandesentartung, die sich unter der Maske eifervollen Glaubens verbirgt, giebt es keine solchen Schutzmächte. Welche Versunkenheit gehört dazu, auf eine Muthmaßung ohne irgend welche Jndicien, ohne irgend eine Spur des Thätersnicht etwa einen Mann, sondern eine Neligionsgenoffenschaft einer That schuldig zu sehen, und dann aus dieser einen That auf eine Secte hinzuweisen, die annoch! bestehe, als habe sie je anderswo als bei den Erstndern gewisser Märchen bestanden. Volksfreund und Genossen wundern sich, daß sie keine Leser haben, daß das Volk gegen sie sei! Ein größeres Wunder ist es, daß das Volk ungeachtet dieser und ähnlicher Provocationen ebenso leichtsinniger als böswilliger, jedenfalls sträflicher Art nur bei Fenstereinwerfen verbleibt. Solche verbrecherische Hetzereien zielen auf ganz andere Scenen los, die man für „unausbleiblich erklärt, und die besonders in den „glaubenseinheitlichen" Ländern Tyrol und Steiermark bald zum Ausbruch gelangen können. Welch' edler und gesunder Sinn muß in den Stämmen Oesterreichs als Schatz verborgen sein, daß solche „Volksfreunde," die in den Zeitungen, auf den Kanzeln und in den Volksschulen seit Jahrzehenden und Jahrhunderten unbeirrt das Wort führten, blos vereinzelte Kravalle und nicht ein allgemeines Blutbad erzeugen! Welcher Sieg der Cultur und Humanität, daß die Völker Oesterreichs sich sogar gegen diese „Volksfreunde" wenden und'sie ä la Goyon contra Merode mit moralischen Ohrfeigen tractirenl — Krakau, 10. Juli. (Verspätet). Unter diesem Datum lesen wir in Nr. 189 der „Presse" vom 13. Juli Folgendes: „Der „Tribüne" wird als authentisch berichtet: „Am 15. v. M. erschlug in Moschzksk, Przemysler Kreises ein Bauer den 45 jährigen Israeliten Macus Winter, Hausbesitzer daselbst und Vater von sechs Kindern, indem er ihn mit einem Stock auf den Kopf hieb. Der Jsraelite, der sogleich hinstürzte, konnte kaum noch die Worte röcheln: „tragt mich nach Hause, ich bin todt" und verschied. Unbegreiflicher Weise nahm das dortige Bezirksamt von dieser That,. -die das ganze Stävtchen in die gerechteste- Aufregung versetzte, insoweit keine Notiz, als der Bauer nicht festgenommen wurde. Erst auf dringende Vorstellungen seitens der dortigen Israeliten wurde der Mörder eingezogen, zur größten Entrüstung Aller aber, die an dem Schicksale ihres geachteten Mitbürgers Theil nahmen , nach einer Stunde wieder freigclassen. Was ich Ihnen erzähle, ist, ich wiederhole es, authentisch, so unbegreiflich es auch scheint. Nichts unbegreiflich kam es den Bauern von Moschzisk'vor, welche sogleich auf dem Markte zusammenkamen und aus der Freilassung ihres Genossen den höchst logischen Schluß zogen: daß es erlaubt sei, einen Juden todt zu sch lagen. Der Vorstand der dortigen israelitischen Gemeinde eilte nun zum Bezirksrichter, um Aufklärung seines sonderbaren Verfahrens zu erhalten; dieser aber entschuldigte sich damit, daß ihm bei derartig schweren Verbrechen nicht zustehe, irgend welche Schritte gegen denThäter zu machen, und daß man warten müsse, bis die Untersuchungs-Commission von Przemysl eintreffe n werde. .Der Beamte ließ sich trotz aller Vorstellungen des Gemeindevorstandes in seinem einmal gefällten Spruche nicht beirren; er erklärte, daß er mit einem Morde nichts zu thun habe, und ließ den Bauer auf freiem Fuße, bis die Commission aus Przemysl eintraf. Diese ließ die. Leiche des Israeliten der gerichtlichen Obduction unterziehen, und verordnete, nachdem sie die Ueberzeugung gewonnen, daß dessen Tod durch, den mörderischen Schlag des Bauers herbeigcführt worden sei, die Verhaftung des Mörders. Ein solcher Vorgang bedarf wahrlich keines Kommentars; wenn man aber die-Schwierigkeit bedenkt, mit der solche Dinge an die Oeffentlichkeit dringen, kann man sich der wenig tröstlichen Betrachtung kaum entziehen, daß Fälle, wie der vorliegende, nicht zu den einzigen ihrer Art in den kleinen Landstädtchen Galiziens gehören dürften." Aus Galizien, im August. (Privatmitth.) Das größte Uebel, woran wir in Galizien leiden und das 36**

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