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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-09-03 · Heft 36 (3.9.1861) · p. Seite 519

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 36 (3.9.1861)
Date
1861-09-03
Page
Seite 519 (sequence 9)
Language
German
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SM lichen Sinne vorkonmiekann nicht behauptet werden-. Deut, 4, 37. ist es im eigentlichen Sittne gebraucht: mit seinem Angesichte ----- mit seinem eigenen Selbst vn222: iÄLr'2i, daher auch Onk. '■»Haaahat. Die Sept, übersetzen daher Deut. 25, 9. y.ül ifuizvoarai xara nqogiorioi> (xvtov: ins Angesicht) ebenso Rum. 12- 14. avenrvtjey tig tü nqoatonov. Vor Eine rn ausspeien heißt: xarunivtiv Tti>6g. Mendelssohn folgt ihnen auch an dieser Stelle, wahrend er im Deut. 25. der Tradition folgt. Auch ist cs dort, wie schon gesagt, angemessener an sich, zumal sprachlich nichts einzuwenden. Onkelos nun übersetzt d^b im eigentlichen Sinne stets mit pctt, dagegen im uneigentlichen Sinne mit Hosea 5, 5., wo i^B2 uneigentlich ist, giebt das Targum prn p2dri. Wollte nun Onkelos an unserer Stelle (Deut, 25, 9.) der Tttadition Rechnung tragen, warum übersetzte er nicht wie Jonathan und wie er selbst zu thun pflegt -niuip? Daß im Talmud häufig ^282 in-.der Bedeutung: vor ihm, vorkommt, ist aus unzähligen Stellen klar) aber darum ist die eigentliche Bedeutung: ins Angesicht, nicht ausgeschlossen, und könnte maü dies kaum anders ausdrückett. UM so ,-vvr ihm" zu übersetzen, ganz nach Gutdünken. Warum übergehen die'Herren 4 Mos. 12, 14.? Da übersetzt Mendelssohn: „ins Angesicht speien", aber 5 Ä?os. 27, 9. „vor ihm". Düs ist Willkür, ^öch mehr aber'übersehest die Herren die Pflicht und. das Amt des Uebcrsetzers und die Pflicht- und das Amt des Auslegers. Der Uebersctzer muß sich ein genaues Verständniß des Wortsinns verschaffen, und dann consequent danach übersetzen; der Ausleger hat die geschichtliche Auffassung der Worte zu ekUirett, ZU keftriren und zu besprechen. Wir Müssen daher uns gegen Herrn Rapopört ernstlich verwahren, wenn er sich geriet, als ob wir mit der Ucbersetzung jener Worte dem traditionellen Gebrauche hätten entgegentreten wollen. Hätten wir dies beabsichtigt, so hätten wir es, UNserM Charakter g'eMäß, Nicht durch dergleichen Winkelzüge, sonderst offen Methan, auch wahrlich! Uns nicht allein au dieses eine Wort gehalten. Solche Polemik lag aber unserM BibelcomMentar vollständig fern, Wir haben überall nach dem Worsinn des Schrifttertes übersetzt, in dem Commentar dann gewissenhaft über die traditionelle Auffassung berichtet. Wer hiermit Nicht überMMimt, wer den Tert nach den Modificätiv^. nen ddr Tradition übersetzen will, thue es, aln wenigsten mache er aber dann auf Kritik und Wissenschaftlichkeit Anspruch. Dies ist die schwache Seite gewisser, sonst sehr achtungswürdigcr Männer, daß sie Beides verbinden wollen Und dadurch am Cnde auf Beides verzichten müssen. Wir vermieden des wahren Friedens willen diese Bemerkung, bis wir sie an dieser Stelle nicht mehr unterdrücken könnten. Dr. L. Philippsom auffallender wäre es, daß Onkelos diese Zweideutigkeit j Nicht vermied und wie immer in solchem.Falle üstp setzte, wenn er det Tradition Rechnung trüge. Die Belege aus dem später» Gebrauch des ■HDtfa in der Ordnung der Chalizah besagen nichts, weil erDns das hinzugefügte ers-irr hv die Sache erklärt, und zweitens man sich auf die allbekannte Tradition verließ.*) — Beachten swerth für die Lericographke ist die S. 12 gegebene Bemerkung über die hebräischen Wurzeln, die mit b beginnen. Wir heben endlich noch aus manchen schönen Erläuterungen die S. 25 gegebene hervor, daß bav ^2 *=* aus Memel und die Motivirüng des Wortes Mentel als Ortsname. Gerade diese eingestreuten Bemerkungen, die Herr H. „Nippsächelchen" zu nennen beliebt, geben der Schrift ihren Werth, während der eigentliche Streitpunkt doch nimmermehr durch Worte zu erledigen sein wird. Die Einen hebt die Person und das Leben des Herrn Dr. Frankel über jeden Zweifel und über jede Wortklauberei, und Andere, die mißtrauisch suchenwerden überall finden, was sie hinein lesen. — . Mainlik Söd. Beleuchtung des Frankel'schen Werkes: „Hodegetik zur Mischnah in dogmatischer Beziehung von Prof. De, S. Kämpf- Prediger und Rabbiner in der Tcmpelgemeinde zu Pragj Prag 1861. Verlag von D. Ehrmann. Auch diese Schrift hat sich, wie ihr Titel besagt, die Widerlegung der Angriffe des Herrn Rabbiner Hirsch auf die Hodegetik und ihren Herrn Verfasser zum Ziele gesetzt. Sie behandelt ihren Gegenstand in hebr. Sprache mit Ausführlichkeit und Klarheit in besonnenem, würdigem Tone und in einem schönen Style, der oft durch witzige Anwendung und gewandte Einfügung rabbinischer Redensarten und Sprüche erfreut. Der Vers. geht aber auch auf die wichtigsten Punkte genau ein und trifft oft mit Rap. zusammen. Sie enthält auch manche recht beachtcnswerthe Bemerkungenwie unter Anderm (S. 22) die originelle Ansicht über das Vcrhältniß des Menachem und seiner Schulen zu Hillcl.. Dagegen ist die Erklärung (S. 13), daß das Kriterium des Maimonides : über eine könne nie Zweifel oder Streit obwalten, nur auf die Zeit sich beschränkt, da sie noch in Uebung waren, daß *) Achnlichcs hatten wir längst vor dem Erscheinen der Broschüre Herrn Rap. brieflich entgegengehalten, nachdem er uns mit einem desfallsigen Schreiben beehrlj hatte; er hielt es aber dennoch für nothwendig, seine Einwendungen drucken zu lassen. Nun immerhin, in unserer Zeit sucht . ein Jeder sich selbst ein Urtheil zu bilden. Dr. L. PH. - 36

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