Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1861)
- Date
- 1861-09-03
- Page
- Seite 514 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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514 Juden, die es seit vierhundert Jahren inne haben, verloren gehen?. Das Schicksal des türkischen Reiches wird noch in diesem Jahrhundert entschieden und Palästina der Civilisation zugänglich werdem Sollten dann die Juden — während alle Secten der christlichen Kirche immer mehr Besitzlhum erwerben — die einzigen Besitzlosen, die „Tolerirten" sein, in der Stadt, wo ihre Könige herrschten? „Mit diesen Anforderungen verbindet sich noch eine dritte:, ein Pilgerhaus, oder vielmehr ein großes Wohnhaus für arme Juden in Jerusalem zu bauen. Auch zu diesem Zwecke hat Se. Majestät der Kaiser Franz Josef allergnädigft eine nicht ohne.Erfolg begonnene Sammlung in Oesterreich gestattet. „Neben diesen Sendboten für drei gleich wichtige Angelegenheiten sowohl in religiöser, als in humaner und politischer Beziehung begrüßen uns aber fort und fort solche, die für einzelne Städte, für den momentanen Bedarf sammeln, so Herr Bechor Cohen für Hebron, Herr Motro für Jerusalem u. s. w. „Wie soll da nach allen Richtungen und vom Grunde auf geholfen werden? „Es scheint uns der Rath, den 0?. L. A. Frankl in seinem viel gelesenen und wegen der in demselben enthüllten Wahrheiten viel angefeindeten Werke: „Nach Jerusalem!" gegeben hat, der heilsamste, daß sich in Europa — London, Paris, Wien, Amsterdam— ein Comitö bilde, welches sich der Angelegenheiten der Glaubensgenossen in Palästina energisch annimmt, das aus Männern des vollsten Vertrauens besteht, das die Mißbräuche abstellt und die Hülfe organisirt zur Ehre der Humanität, zur Ehre eines glorreichen Judenthumes. „Ein solches Comits findet sich aber nicht plötzlich über Nacht zusammen, die Hülfe kann nicht und sollte doch — drängend wie die Noth ist — über Nacht kommen. „Wir fragen: Wo ist des Amerikaners Turo Vermächtniß von 100,000 Dllrs. für Jerusalem auf Zinsen hinterlegt? Turo starb, wenn wir nicht irren, schon im Jahre 1.854. Geübte Rechner werden bald herausbringen, um wie viel dieses seit sechs Jahren anliegende Capital, Zinsen zu Zinsen gelegt, sich gesteigert hat. Warum fordern es die Jerusalemiter nicht in der großen Noth, in der sie sich eben befinden? „Würde dieses so bedeutende Capital nicht ein ansehnlicher, ja großartiger Beginn für die Thätigkeit des vorgeschlagenen Comitüs sein? „Wir fragen noch einmal: Wo ist Turos Vermächtniß? So weit das Jahrbuch. Wir haben hinzuzufügen, daß außer den Obengenannten auch ein von Dr. Sotje'in Frankfurt a/O. gestifteter „Verein zur Colonisation in Palästina", der schon einige Erfolge gehabt, die öffentliche Mildthätigkeit anspricht. Der wesentlichste Uebelstand aber besteht in der Zwistigkeit, in dem giftigen Hader, der innerhab der in Palästina weilenden Juden obwaltet. Wir haben von den verschiedenen Sendlingen, von denen oben die Rede, Briefe erhalten, welche aufeinander die furchtbarsten Schmähungen enthalten, die bittersten Anklagen gegenseitig ausstoßen, und dadurch die allgemeine Wohlthätigkeit ein Jeder seiner Partei zuziehen will, ohne zu erwägen, daß dergleichen öffentliche Anschuldigungen die Hand der Barmherzigkeit für Alle verschließen. Wir hüteten uns daher wohl, diese Briefe nach dem Verlangen ihrer Verfasser abdrucken zu lassen. *) Diese Zwietracht, wenn auch stillschweigend, besteht nicht minder unter Denen in Europa, welche sich der palästinensischen Angelegenheiten angenommen. Hat sich doch Sir Moses Montefiore nicht einmal mit Herrn Albert Cohn, der deshalb persönlich nach London gereist war, verständigen können, wie andererseits das Amsterdamer Lehren'sche Comitä mit den gedachten Herren nichts zu thun hat. Es war daher leicht von Herrn vr. Frankl, ein europäisches Comitö vorzuschlagen, viel schwieriger, wenn überhaupt möglich, diesen Vorschlag zu verwirklichen. Wir haben aber das Gemälde noch zu vervollständigen. Aus dem westlichen Deutschland, im August. Kuständigüeit der Nabbmcn ju Gutachten in weltlichen oder Staatszwecken. Von einem jüdischen Rechtsgelehrten.' (Schluß.) Nichts desto weniger bin ich der Meinung, daß Nabbinen, wenigstens einzelne Rabbinen, oder aus sch ließl i ch Rabbinen eine p r i n c i p i e l l e Frage, wie die Eingangs erwähnte, anders, als auf Veranlassung c o n e r e t e r Fälle, oder direkter Gewissenszweifel eines oder einiger Religionsgenoffen beantworten oder lösen zu wollen weder berufen, noch verpflichtet sind.**) Es geht ihnen dazu eine *) Eine Ausnahme hiervon macht selbstverständlich der eben gedachte deutsche Verein zur Colonisation, der mit all diesen Zänkereien nichts zu thun hat. **) Eine solche Veranlassung könnte aber leicht herbeigeführt werden) wird aber andererseits der Herr Vers.