Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1861)
- Date
- 1861-08-27
- Page
- Seite 503 (sequence 7)
- Language
- German
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haben wollen,; ohne jedoch die nachteiligen Consequenzen dieses Manoeuvres zu berücksichtigen, wie auch, daß es ein schreiendes Unrecht sei, Menschen, die so lange an einer Anstalt functioniren, ohne hinreichenden Grund zu entfernen. So verfährt die Majorität unserer Gemeinderepräsentanten, welche gestern, bevor sie an der Spitze der Gemeinde waren, gegen die reaktionären Machinationen des damaligen Vorstandes so eifrig kämpften, den Stand der Lehrer bedauerten und wünschten, daß ihr Honorar vergrößert werde, und nun — mit leeren Entwürfen die Zeit vergeuden. Wenn aber der wahre Fortschritt und das Wohl der Gemeinde ihnen wirklich am Herzen liegt und sie nicht blos mit Intentionen, die theils nie realisirt werden, theils darin bestehen, das Vorhandene zu vernichten, paradiren wollen, so wäre ganz etwas Anderes in ünd für die Gemeinde zu wirken; besonders aber wäre es unumgänglich nothwendig, bei einigen der garantirenden Großmächten gegen den Ausnahmszustanv, in welchem sich leider unsere Religionsgenossen in diesen Ländern noch immer befinden, und besonders gegen den jüngsten mittelalterlichen Act der Intoleranz von Seiten des hiesigen Ministeriums energisch zu protestiren. Aufforderung an die Israeliten Ungarns. Die „Ungar. Corr." bringt folgende Nachricht: Die ungarische Tafel hat in ihrer jüngsten Sitzung beschlossenkeinen Israeliten zur AVvocaten-Prüfung zuzulassen; ferner den bereits bestehenden Advocaten jüdischen Glaubens, deren Ernennung noch unter dem früheren Regime erfolgte, die fernere Ausübung der Advocatur nicht zu gestatten. — Die öffentlichen Blätter machen hierzu folgende Bemerkung: „Angesichts solcher Thatsachen möchte die ganze geistige Kraftanstrengung Deak's durchaus nicht hinreichen, dem civilisirten Europa den Glauben beizubringen, daß der jetzige politische Kampf in Ungarn wirklich im Interesse wahrer Freiheit, Gerechtigkeit und Humanität geführt wird." Wir brauchen Dem nichts hinzuzufügen. Unsre schlimmsten Erwartüngen .find in Erfüllung gegangen. Aber solchen Thatsachen gegenüber muß die ganze alte Energie unserer Glaubensgenoffenschast erwachen, und sich jedes gesetzlichen Mittels bedienen, um die Folgen solchen inhumanen und widerrechtlichen Verfahrens zu beseitigen. Vor Allem im Augenblicke Folgendes. Wir wissen nicht, wie viele Personen durch diesen Beschluß der ungarischen Tafel in ihren unmittelbarsten Interessen betroffen werden. Daß eine Anzahl Israeliten davon schwer berührt werden, ist aber daraus zu folgern, daß die Tafel diesen Beschluß überhaupt gefaßt hat. Es ist nun Psiicht der 400,000 Israeliten Ungarns, diesen Männern eine Sicherstellung ihres Broterwerbes bis zu der Zeit zu gewähren, daß dieser Beschluß wieder außer Kraft und Geltung gesetzt werden wird, sei es, indem man ihnen eine anderweitige Berufstätigkeit, z. B. bei großen industriellen Unternehmungen, theils indem man ihnen eine genügende Unterstützung für ihre Eristenzmittel verschafft, auf daß erstens nicht der Eine und der Andere durch die Roth verleitet werde, seine Religion, weil ihm sein Lebensberuf abgeschnitten worden, zu verlassen, und zweitens unsere Gegner erkennen, daß;, um ihren Feindseligkeiten zu begegnen, die Israeliten Kraft und Mittel genug besitzen. Wir legen dies allen'hervorragenden Männern Ungarns, die unseres Glaubens sind, ans Herz. Die Männer und Jünglinge aber, welche hier abermals durch. Menschenhand ein grausames Geschick erfahren, mögen eingedenk sein, daß die Gotteshand über Alle ausgestreckt ist, und Diejenigen schlägt, welche schlagen, und Diejenigen heilt, welche verwundet worden. Was todt ist, geht schnell der Verwesung entgegen — wir aber wollen beweisen, daß wir noch leben! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Heidelberg- 11. August. Die Ernennung des Professors vr^ Weil, eines Israeliten zum Ordinarius der philosophischen Fakultät an unsrer Hochschule hat hier, wie der „Schw^ M." berichtet, allgemeine Zufriedenheit erregt und ist für die freisinnige Richtung des gegenwärtigen Ministeriums bezeichnend. Weil war seit einer Reihe von Jahren als zweiter Bibliothekar mit dem Titel eines Honorarprofessors an unsrer Universität verwendet, ohne daß es ihm seiner Religionseigenschast wegen gelingen konnte, die Stelle eines ordentlichen Professors und Mitgliedes der.philosophischen.Facultät zu erlangen. Er ist der erste Israelit, welcher eine ordentliche Professur an unsrer Hochschule bekleidet. In