Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1861)
- Date
- 1861-08-20
- Page
- Seite 492 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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4SL Familie an. Dieser hatte-die^ Auszeichnung, den- Leicht nam des verbtichenen.Ministers Cävour zu dessen Familiengruft zu.begleiten, und war von Amtswegen damit betraut, die beim verewigten Minister Vorgefundenen, die wichtigsten Staatsgeheimnisse enthaltenen Documente Sr. Majestät dem Könige eigenhändig zu überbringen. Mit schmerzlichem Bedauern vernahmen wir auch hier vom frühzeitigen Ableben des Herrn Dr. B. Beer. Aus seinen öfteren Reisen in Italien hatte ich ein Paar Mal Gelegenheit, den ehrenwerthen, vortrefflichen Mann zu .sprechen, und angenehme Stunden in seiner Gesellschaft zugebracht. Wo er sich auch nur vorübergehend aufhielt, ließ er Spuren seiner Milde und Freigebigkeit zurück. Wer Gelegenheit hatte, ihn kennen zu lernen, wird seiner nicht vergessen. Friede seiner Asche, und himmlischer Trost seiner würdigen, achtbaren Lebensgefährtin. — - . Herr Graziadio I. Ascoli von Görz, Verfasser verschiedener werthvoller Arbeiten über' Sprachstudien, ist im Januar d. I. zum Professor des Sanscrit und der vergleichenden Grammatik an der k. Akademie der Wissenschaften zu Mailand ernannt worden, und wird seinen Posten mit Beginn des kommenden Schuljahres antreten. Es ist dies ein in jeder Beziehung höchst achtbarer junger Mann. Neapel, im Juli. In Neapel waren bis jetzt ungefähr fünfzehn israelitische Familien, meist deutscher Abkunft, ansässig. Dieselben haben auf dem Paustlippo ein Grundstück zum Friedhof erworben. Holland. > Amsterdam, 30. Juli. (Privatmitth.) Ich theile Ihnen hiermit mit, daß ich es mir seit vergangenem Januar angelegen sein lasse, religiöse Gesänge in unsere Synagoge einzuführen. Am letzten Freitag und Sonnabend "2 hat der erste Gottesdienst mit Ehorgesang (ein vollständiges Männerchor) unter meiner Leitung unter allgemeiner Theilnahme und großem Enthusiasmus stattgefunden. Wir führen sowohl meine Compositionen, als die von Weintraub und I a - p h e t auf. Vielleicht interessirt diese Angelegenheit manchen Ihrer Leser. A. Be r ly n, Musikdirector. Rußland. -Tilsit, 31. Juli. Die hiesige Zeitung erzähltsFolgendes : Aus dem in der Nähe der preußischen Grenze belegenen russischen Städtchen Georgenburg (Nurburg) wird nachstehender edle Zug gemeldet: Es liegt daselbst ein russisches Infanterie-Regiment, Prinz Albert von Sachsen, in Garnison, bei welchem auch, viele Juden stehen. Diese Letztem wollten sich für die von ihren Glaubensgenossen — von welchen das Städtchen fast ausschließlich bewohnt ist — erfahrene Gastfreundschaft dadurch revanchiren, daß sie eine Thora schreiben ließen, und dieselbe der dortigen Synagoge widmeten. ' Die Feier der Uebergabe einer Thora an das Gotteshaus wird gewöhnlich auf solenne Weise durch einen festlichen Zug und eine großartige Mahlzeit der ganzen Gemeinde begangen; und um dieses zu ermöglichen, baten die jüdischen Soldaten des Regimentes bei ihrem Obersten, Herrn von Sorokin, um einen zweitägigen Urlaub. — Der Oberst ersuchte sie erst, die Sache um etwa zehn Tage auszusetzen, da er eine kleine Reise vorhatte, und sich gern dabei betheiligen möchte. Nach seiner Rückkehr wurde dann die Feier arrangirt. An der Spitze des Zuges marschirte die Regimentsmusik, welche der brave Oberst unaufgefordert dazu commandirt hatte; dann kam dieser Ehrenmann selbst, in seinen Armen die neue Thora tragend, und unter einem Baldachin (Chuppa) herschreitend, hierauf die jüdischen Soldaten, die übrige Gemeinde-u. s. w. An der Synagoge ängekommen, übergab der Oberst die Thora an den Rabbiner, und verweilte noch während der ganzen religiösen Feier. Zu dem hierauf folgenden Festmahle hatte der Herr Oberst ein ansehnliches Geldgeschenk gespendet, und die Theilnehmer blieben lange beisammen, manches Glas auf das Wohl des. erhabenen Kaisers Alerander, des menschenfreundlichen und gütigen Landesvaters, so wie des wackerm Obersten leerend! — ‘ Bei solchen Vorgängen muß man sich in der That fragen: wo denn eigentlich wahrhafte Religiosität, Nächste n l i e b e, H um a n i t ä t 'gesucht werden müssen?! . : Während die Glaubenseiferer nur Unduldsamkeit predigen, und gar gern wieder Ketzergerichte und Scheiterhaufen errichten möchten, übt hier ein schlichter Krieger, ein Mann des rauhen Handwerkes, die höchsten Tu-