Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1861)
- Date
- 1861-08-20
- Page
- Seite 491 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226256-3226291--19675-3248704- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m Die Schweiz. Bern, 2. August. Das Urtheil gegen die.Tumultuanten von Chaurdefonds, welches von den Gerichten in Neuenburg so eben gefällt worden, ist dem Anträge der Staatsanwaltschaft gemäß folgendes: der Franzose Biehler ist gu; 6 Monaten Gefängniß und 20 Jahren Verbannung aus der Schweiz verurtheilt. Wie die Untersuchung ergeben, hatte es dieser Mensch auf nichts mehr und nichts weniger als eine vollständige Plünderung und Brandschatzung der wohlhabenderen Leute abgesehen; seinen Genossen hatte er jedoch, um sie nicht zu erschrecken, nur gesagt, es gelte den Juden. Seine Speculation war so angelegt, daß, wenn dieselben den ersten Schritt gethan, alles Uebrige sich von selbst gegeben haben würde. Biehler ist ein Mensch von natürlichen Anlagen, dabei aber voll von Fanatismus und; kommunistischen Ideen. Sammtliche übrige Angeklagte erhielten bedeutend geringere Strafen, keiner aber über ein Jahr Gefängniß. Italien. Aus Oberitalien, 24. Juli. (Privatmitth.) Nach längerer Unterbrechung ist es mir nun endlich wieder gegönnt, Ihre geschätzte Zeitschrift zu lesen. Einen peinlichen Eindruck machte auf mich der wegen Frankels Hodegetik entzündete Streit. Der Ausgang dürfte wohl nicht zweifelhaft sein. Der eine Gegner ist mit Bannstrahl und Verketzerung bepanzert, der andere erscheint im Namen der Religion Israels und der Wissenschaft. —- Vielleicht kennen Sie das im Educatore Israeli ta im Juni d. I. erschienene Werkchen: Glaubensbekenntniß des Israeliten des neunzehnten Jahrhunderts, von Professor Giuseppe Levi. — Was würden die Kampfer des Jeschurun zu dieser Arbeit sagen, welche sich weniger mit theoretischen Erörterungen, aber desto mehr mit praktischen Deduktionen beschäftigt die, wenn nicht mehr — wenigstens überraschend genannt zu werden verdienen. Auch Italien hat seine orthodoren Rabbinen, vielleicht auch welche pom Schrote des Herrn Dr. R. Hirsch. Jenes Werkchen hat jedoch bis nun kein böses Blut gemacht. Wenigstens hörte ich nur von Einem, der eine Gegenschrift vorbereitet, und vielleicht genanntes Werk gar nicht erwähnen wird; ein Anderer schreibt und confutirt; hoffentlich wird er nicht schimpfen, verdächtigen und verketzern. — Da ich eben von literarischen Erscheinungen zu sprechen kam, so finde ich mich veranlaßt, Ihnen eine höchst werthvolle Veröffentlichung anzuzeigen. Herr Colombo Coen in Trieft hat die im Jahre 1859 begonnene Herausgabe des Pentateuchs sammt Haftarot und den fünf Megillot, correcten hebräischen Tert mit einer italienischen Uebersetzung von Prof. S. D. Luzzatto, beendigt. Druck und Format sind sehr gefällig, und das Bedürfniß nach einem solchen Werke war bei uns so fühlbar, daß die Ausgabe bereits vergriffen ist. Ich will nicht unerwähnt lassen, daß in dieser Ausgabe der Correctheit der Accent-Zeichen eine sehr große Aufmerksamkeit zugewendet wurde, und häufige Varianten nach correcten Manuscripten und Ausgaben als Randglossen angegeben sind. — Nach Reggios Uebersetzung des Pentateuchs hatten die italienischen Israeliten noch keine andere, und Luzzattos Arbeit ist eine höchst würdige Nachfolgerin der erstem. — Bei uns ist die Gleichstellung aller Bürger sowohl Seitens der Regierung, als der Gesellschaft eine volle Wahrheit. Den durch freiwillige Beiträge der Modenesen auf Anregung des.Herrn David Diena dem Könige Victor Emanuel gewidmeten prachtvollen Ehrendegen überreichten die von den Beittagenden aller Ctaffen hierzu eigens gewählten Abgeordneten. Von den drei Erwählten sind die Herren Cavaliere Israel Guastalla und David Diena Israeliten. Der Empfang dieser Deputation war huldreich und wohlwollend. — Ein Herr I. Levi aus Casale hat das Richteramt in Turin angetreten; Vorgesetzte sowohl als Untergebene, und nicht minder die Bevölkerung des Mändaments sind mit den Leistungen des neuen Richters zufrieden. Ueberhaupt ist die Anzahl der in allen Branchen der öffentlichen Verwaltung und des Staatsdienstes angestellten Israeliten ziemlich bedeutend; die meisten derselben sind von Hause aus wohlhabend, und widmen sich dem öffentlichen Dienste aus Vaterlandsliebe mit oft bewunderungswürdigem Eifer. Letzthin-habe ich einen jungen Mann kennen gelernt,'der dem Statthalter Ponza di San Martina in Neapel beigegeben war und mit ihm wieder zurückgekehrt ist. Dieser arbeitete nun in seinem Bureau unermüdet, oft auch des Nachts, mit einer.Anstrengung, die er für seine eigenen Angelegenheiten gewiß nicht angewendet hätte,, da er bei bedeutenden Einkünften ein sorgenfreies Leben führen könnte. Auch der nunmehrige Officier de la Legion.d’Hontieur, Herr I. Artom von Asti, ist sehr reich, und gehört einer höchst angesehenen 34