Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1861)
- Date
- 1861-08-20
- Page
- Seite 490 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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490 ein wirkliches Resultat erzielt werden, so werde ich darüber gern in der Allg.Ztg. d. Judenth. referiren. Für bloße Entwürfe halte ich das nicht rathsam, man zerstört dadurch Manches im Keim. In politischer Hinsicht bemerken die badischen Israeliten recht gut, daß wir ein freisinniges Ministerium haben, bisher zwar nur in speciellen Bescheiden sich kundgebend. Mit der beim nächsten Landtage zur Berathung kommenden Einführung der Gewerbefreiheit hoffen wir das bisher noch fehlende wichtige Recht der Freizügigkeit zu erlangen, womit in gesetzlicher Hinsicht die Gleichstellung so ziemlich fertig wäre. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 4. August. Ueber die Ercesse in der Josephstadt tragen wir aus öffentlichen Blättern der Vollständigkeit wegen noch nach: Am Isten d. M. Nachmittags waren Tausende von Personen aus den untern Claffen der Bevölkerung auf dem Altstädter Ringe vor dem Rathhause und vor den Zugängen zur Judenstadt versammelt, um gleichsam der Dinge zu harren, die da kommen sollten. Eine Bekanntmachung der Polizeidirection, daß der Hausknecht, welcher für todt ausgegeben wurde und um den der Spektakel ausbrach, blos eine unbedeutende Verletzung erlitten habe, beruhigte allerdings die Menge in einem gewissen Grade. Aber gegen Abend zogen Scharen von Tagarbeitern, Gesellen und Lehrjungen unter Schimpfworten und Drohreden gegen die Juden nach der Josephstadt, wo sich indessen Polizeiabtheilungen befanden. Natürlich wurden in den Häusern der Straßen, gegen welche sich der Zug bewegte, die Thüren und Läden geschlossen. Mehrere nach der Josephstadt zurückkehrende Juden wurden gemißhandelt, auch ein Polizeisoldat soll verletzt worden sein. Gegen 9 Uhr Abends war der Tumult am heftigsten. Unter Heulen und Schreien wurden in den von Juden bewohnten Häusern die Fenster eingeworfen, und zwar zum Theil mit großen Pflastersteinen, so daß hierbei selbst Dachrinnen zertrümmert wurden. Aus einigen Häusern sollen auf die Patrouillen Steine geschleudert worden sein, und man spricht von der Verwundung eines österreichischen Officiers. In der Langergasse und in der Nähe des Tummelplatzes war der Tumult am ärgsten, und dort wurden zahllose Scheiben zertrümmert. Während des Tages war behauptet worden, aus einem von Juden bewohnten Haust seien brennende Holzstückchen auf einige Arbeiter herab geworfen worden: Die Nachricht erwies sich als eine tendenziöse Erfindung. Erft nach 10 Uhr Abends gelang es der Polizei, die mit großer Umsicht und Mäßigung verfuhr, die Ruhe herzustellen. Am Morgen des 2. d. M. wiederholten sich die Erceffe in der Langengaffe, und gegen Mittag wurde von einigen Burschen versucht, auf dem sogenannten Tandelmarkt und dem Kohlmarkt einen Krawall hervorzurufen, was jedoch mißlang. Es sind über 50 Personen'verhaftet worden, die sich theils der Polizei widersetzten, theils an der Zerstörung der Fenster Theil nahmen. Nachts durchziehen starke Polizei- und Militärpatrouillen die zunächst der Judenstadt gelegenen Stadttheile. Die österreichischen Blätter, mit Ausnahme der klerikalen, sprechen sich sämmtlich dahin aus, daß. diesen Erceffen weniger noch eine specifische Gehässigkeit gegen die Juden, als vielmehr die politische Unruhe und Aufwiegelung , die in der ganzen czechischen Bevölkerung herrscht, zu.Grunde liegen. Prag, 8. August. Von den am 31. Juli und 1. August aus Anlaß des stattgefundenen Judenkrawalls in Prag verhafteten Individuen wurden 24 theils wegen körperlicher Beschädigung, theils wegen Auflaufes, Aufreizung, öffentlicher Gewaltthätigkeit, wegen Wachebeleidigung und Einmegung bei Arretirungen den betreffenden Strafgerichten zur Behandlung übergeben; 82 Personen wurden wegen boshafter Beschädigung fremden Eigenthums, wegen Erceffe, Widersetzlichkeit, Nichtfolgeleistung u. s. w. bei der Sicherheitsbehörde behandelt. Die Ercesse gegen die Juden in Prag haben leider Nachahmung gefunden. Kaum war die Kunde vom dortigen Judenkrawall in die Gegend von Winterberg gedrungen, als sich auch die unterste Volksclasse dieser Stadt und des nahe liegenden Ortes Ckyn zusammenrottete. Der Winterberger Pöbel kühlte sein Müthchen an den Fensterscheiben, insultirte mehrere Israeliten, besudelte bei eintretender Dunkelheit die Firmatafeln jüdischer Kaufleute, oder übertünchte sie mit Kalk. Dem energischen Auftreten des Bezirksvorstehers ist eS zu danken, daß einerseits der Pöbel in Winterberg nicht weiter ausartete und daß andererseits der in Ckyn beabsichtigte Erceß gar nicht zur Ausführung gelangte.