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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-08-20 · Heft 34 (20.8.1861) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 34 (20.8.1861)
Date
1861-08-20
Page
Seite 487 (sequence 5)
Language
German
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487 liEnnt diesen Worten, uNd ist's Euch nicht nur um die Heimführung irgend eines reichen Judenmädchens zum Aufbeffern der Finanzen, sondern ernstlich um sociale Annäherung im geselligen Verkehr aus Hur^anitätsgründen zu thun, nun, so bethätigt diese auch im Leben! — Rückt nicht zusammen, wenn in öffentlichen Localen oder sonst wo ein Jude in Euern Kreis geräth, als hätte Euch eine Tarantel gestochen. — Der Jude macht sich's gewiß zur Ehre, mit Christen an einem Tische solche Speisen zu essen, bei deren Genüsse er seine rituellen Vorschriften nicht zu verletzen braucht. — Ihr aber sagt noch heute gleich den Aegyptern: „Es ist uns ein Gräuel, nur einen Bissen Brot mit diesen Hebräern an einem Tische zu essen." (l B. M. 43, 32.) — Es ist noch gar nicht lange, wo eine Gesellschaft Adeliger, von denen vielleicht mancher im Repräsentanlenhause sitzt, in der Restauration eines Badeortes den Speisesaal verließ, weil ein achtbarer Jude, der in Rußland zu den Kausteutcn erster Gilde zählen würde, an der Table d’höte Platz nahm. Es ist noch gar nicht lange, wo in eben diesem Badeorte der Träger eines hvchadeligen Namens in dem Speisesaale eine Pistole zog, und die. Geschirre, aus denen ein Jude sein Frühstück genommen hatte, zu Scherben schoß.*) — Ihr schlaget den Juden die Thüren Eurer Casinos und Lesezirkel vor der Nase zu, errichtet eigene Christenbäder, um nicht mit denselben zusammen baden zu müssen, und redet iwch von socialer Verschmelzung!**) Oder ist dies auch ein Zeichen brüderlicher Annäherung , wenn in verschiedenen Comitaten die konstitutionellen Stuhlrichter sich die Parole gaben, in Pässen und amtlichen Befehlen an Juden die Vorsetzung des Wörtchens „Herr" zu verbieten, und in allen Documenten, selbst auf Briefen, die aus der Post anlangen, jede Titulatur derselben zu streichen?***) — Ist es ein Versuch socialer Verschmelzung, wenn man in Curentationen, welche Juden betreffen, sich eines Styles befleißigt, der dem Pharaonischen Befehle: „alle neugeborenen jüdischen *) Der Name dieses Badeortes ist Kovetnitz im Liptauer Comitate, und machte diese cause scantlaieuse seiner Zeit durch alle öffentlichen Blätter die Runde. **) Ein Eingesandt des Pcsther Lloyd vom 10. dieses aus Baja enthält hierüber manches eclatante Factum. ***) DaS wackere slavische Volksblatt eerno kimrnik machte dieses erst jüngst zum Gegenstände humoristischer Geißelhiebe. Knaben werft ins Wasser" auf ein Haar ähnlich ist?*) Ist es ein Zeichen gegenseitiger brüderlicher Achtung, wenn man den geistlichen Führer, den Oberrabbiner eines ganzen Comitates, nicht für würdig hält, seinem Namen das Wörtchen „Herr" vorzusetzen, während die Titulaturen an Geistliche anderer Confessionen ganze Spalten füllen? — Ihr »Herr Correspondent aus Szegedin, No. 25 dieses Blattes, stellt meine früher gemachte Behauptung, daß wir bereits materielle Beschränkungen erlitten, ganz in Abrede. Nun, ich wünsche diesem wackern Herrn Glück zu seinem Optimismus. — Wenn man, dem Strauße gleich, den Kopf in Sand vergrabt, sieht man freilich den Feind nicht. — Schreiber Dieses könnte jedoch Ort, Tag und Stunde angeben, wo bei einer öffentlichen Versteigerung eines Grundstückes ein Jude zurückgewiesen wurde, weil er nach dem ungarischen Gesetze nicht possessionsfähig sei. — Ein ähnlicher Fall war erst jüngst in allen Blättern in einer Corrrspondenz aus Erlau zu lesen, wo das stuhlrichterliche Urtheil hierin auch von der höher» Instanz bestätigt wurde. — Sagt es doch auch erst ein Artikel des amtlichen Sörgöny neuesten Datums, daß bis zur Errichtung einer Boden-Credit-Anstalt den Juden der Ankauf von Grundstücken verwehrt bleiben müsse, damit nicht dieselben durch wucherisches Treiben allen Grund und Boden an sich bringen. — Zum Schlüsse noch eine Illustration unserer Zustände aus dem Kreise meiner nächsten Umgebung. — Die slavischen Volksblätter erwähnten jüngst erst rührend, wie ein Jude dieser Gegend, Herr Leopold Popper aus Hlinik, einigen armen Psarrgemeinden zum Kirchenbau und Ankauf voii Glocken zinsfrei Geld vorgestreckt hätte. — Ebenso berichten dieselben, wie die Herren Schulz und Pollak in Szutsan zur Linderung der Hungersnoth bedeutende Quantitäten Getreide an die christlichen Armen der Umgegend vertheilen ließen. Der wackere slavische eerno knarnik ist vorurtheilsfrei genug, diesen Männern dafür aus vollem Herzen ein „slaval“ auszubringen. — Soll ich Ihnen nunmehr ein anderes Tableau als Gegenstück aufrollen? — Nach dem Bekanntwerden des Commissions-Antrages in der Judenfrage brachte als Zeichen brüderlicher Annäherung und socialer Verschmelzung der in dem Badeorte Stuben anwesende Ad^l den jüdischen *) Das betreffende Original kann auf Verlangen ge-- dem hieran Zweifelnden mitgetheilt. werden. ..

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