Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1861)
- Date
- 1861-08-20
- Page
- Seite 486 (sequence 4)
- Language
- German
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486 Jncolatgesetz schaffen; man versagt den im Lande wohnenden Juden die Rechte des letzten Tagelöhners aus Furcht vor den etwa noch einwandernden. — Nun, man muß gestehen: der Depntirte des Marmaroscher Comitats (Herr v. Szaplonezy) folgte hierin ganz den Instructionen seiner Wähler, denn diese faßten gleich nach Wiedererlangung der Comitats-Autonomie zu Anfang dieses Jahres den Congregations-Beschluß: alle während der. letzten l 2 Jahre eingewanderten Juden aus dem Lande wegzuschaffen. Eben so sprach Herr v. Kalauz, Deputirter aus Sohl,, gewiß nur im Sinne seiner Wähler, damit die bis zum Jahre 1848 in den Bergwörksdistricten nicht wohnhaften Juden auch fernerhin von dort verbannt bleiben sollen. — Daß aber der Vertreter der Wissenschaft, der Akademie-Präses, Graf Emil Deseffi, der Finanz-Statistiker Lünyäy, die Justiz-Autorität B. v. Horvath, der freisinnige Tablobirö aus der alten. Schule Samuel v. Bvnis rc., dem Anträge der Commission beipflichten konnten, gehört mit zu den Räthseln dieses an Anomalien so reichen Reichstages. Es ist der deutlichste Beweis, daß schon längst eine von der Majorität der Deputirten angenommene Parole über das Verhalten in der Judenfrage cursirt, und sind die in der Conferenz beim Grafen Kärolyi und in dem Commissions- Anträge gestellten Bedingungen nur als Vorwand und Ausflucht, zu betrachten, um die als dringend erklärte Judenfrage ad calendas graecas zu verschieben und dabei noch den Schein der Freisinnigkeit bewahren zu können. — Man will vor der Gleichstellung der Juden erst ein Jncolatgesetz schaffen. *Nun, auf den Landtagen 1840;— 1843 hatte diese Forderung unserer Gegner noch irgend welchen Sinn. Die in dem benachbarten Mähren und Galizien die Juden drückende Familiäntenordnung, Licht- und Fleischsteuer-, Recrutenstellung - und andere Ausnahmsgesetze drängten und lockten wohl damals manchen jungen Israeliten nach den Thälern des.steuer- und militärfreien, gesegneten Ungarn. Heute jedoch, wo unsere Glaubensgenossen in den genannten Ländern im Vollgenuffe aller politischen Rechte und bürgerlichen Freiheiten sind, heute, wo der Zug der Auswanderer nach den Donaustaaten, nach Amerika und überallhin, nur nicht nach Ungarn gelenkt ist, wo ganz andere Verhältnisse als ehedem obwalten, und dies nicht mehr zu den gesegneten und freien Ländern gehört: heute ist es blos taktischer Vorwand, sich erst vor den Einwanderungen fremder Juden schützen zu müssen. Es läßt sich vielmehr mit Ziffern Nachweisen, daß in der jüngsten Zeit die Zahl der auswandernden Juden die der einwändernden weit überstieg. — Doch auch zugegeben, daß das an Geld- und ^Arbeitskräften nicht überreiche, zu Bevölkerung seiner' Putzten auf den Zuzugvon Colonisten angewiesene Ungarn trotzdem sich vor dem Einwandern einiger armen Juden fürchtet, sollen dieserhalben die seit Jahrhunderten im Lande wohnenden Juden, welche täglich opferwillige Beweise ihrer Anhänglichkeit an dies ihr Geburtsland geben, eines solch nichtigen, einer edlen Nation unwürdigen Vorwandes wegen noch länger ihrer Menschenrechte verlustig erklärt werden? Sollen dieselben, welche bereits zu Tausenden auf so vielen Schlachtfeldern die Bluttaufe des Patriotismus wiederholentlich empfingen, noch immer in politischer Beziehung als Spielball der sich gegenüberstehenden Parteien im Lande herumgeworfen werden? — Den Juden gegenüber geht wahrlich die menschliche Denkkraft oft in die Brüche, und die Gesetze der Logik verlassend, verfolgt dieselbe, wie jetzt hier, eigenthümliche Wege. — Nichts ist jedoch possirlicher, als diese Herren von der Verschmelzung zwischen Juden und Christen reden zu hören. — Diese Degen - und Sporenklingende Repräsentantenverhandlung mit den entschiedenen Gesichtern und herausfordernden, pietätslosen Reden sich Plötzlich in eine psalmodirende, proselytensüchtige Missionsgescllschaft verwandeln zu sehen,— ist ein eigenthümliches, noch nie dagewesenes Schauspiel! — Ist es denn diesen Herren mit dem Ver^hmelzen, oder besser, dem Aufgehen des Judenthums ins Christenthum wirklich Ernst? Wollen dieselben denn wirklich blos aus christlicher Demuth und Liebe uns erst dann einen Platz neben sich auf der Erde gönnen, wenn wir erst auf den Glaubenssprossen der alleinseligmachenden'Kirche mit ihnen vereint in das Himmelreich zu ziehen uns entschließen? Nun, wir haben schon vor vielen Jahrhunderten, als wir blos zwischen Wasser und Feuer, nämlich zwischen dem Taufbecken der fanatischen Seelenjäger und den Scheiterhaufen der Inquisitions-Schergen die Wahl frei hatten, unser Veto gegen diese Beweise allerchristkicher Liebe so laut und unzweideutig ausgedrückt, daß wir von Denjenigen, an deren ernstgemeintem Christenthume wir zu zweifeln berechtigt sind", nunmehr um so eher mit erneuten Versuchen verschont bleiben könnten. — Versteht jedoch die Reichstags-Commission unter Verschmelzung zwischen Juden und Christen die Annäherung derselben im socialen Leben und geselligen Verkehr? — Nun, die Hand aufs Herz, Ihr Herren! meint Jhr's ehr--