Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1861)
- Date
- 1861-08-20
- Page
- Seite 485 (sequence 3)
- Language
- German
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fluffes gestatten, um (er Besetzung der Eomitatsämter einen Candidaten weniger gegen sich zu haben, und in den Congregationsberathungen die willenlose, politisch ungebildete Volksmasse wie bisher beherrschen und leiten zu können. — Wir haben schon damals, als die Wortführer unserer Angelegenheit im Taumel' der Magyar-Manie das Zweifeln an unserer Gleichstellung für ein Verbrechen hielten und das Ueberreichen einer Petition an den Reichstag als Beleidigung desselben erklärten — unsere Befürchtungen vor dem Scheinliberalismus dieser Adelspartei unverhohlen in diesen Blättern ausgesprochen; wir gehören daher jetzt keineswegs zu den Getäuschten. Aber auch damals dachten wir an offen ausgesprochene Anfeindungen, an Gegner a la Török im Hirnök und Consorten. Daß jedoch die Commission des Reichstages, in der auch der Präses der Akademie und der präsnmtirte ungarische Finanzminister ihren Sitz hatten, auf solche Weise die Judenfrage abfertigen würden, ließen auch wir uns nicht beikommen. — Man muß ein Paar Jahrhunderte zurückdatiren; man muß die verrotteten Paragraphe. mittelalterlicher Judenordnungen aus dem Actcnstaube hervorsuchen; man muß die tyrannischen Machtsprüche eines autokraten Nero, Antiochus, Pharao rücksichtlich der Juden zum Studium machen, um Analogien zu diesem von den Vertretern eines constitutionellen Landes gemachten Gesetzvorschlage zu finden. —- Es nehmen diese Männer in ihren Reden einen Anlauf, als sollte Europa ihren Worten lauschen; in jedem dritten Worte pochen sie auf den. Freimuth ihrer Verfassung, welche auf den Principien der Rechtsgleichheit gegründet ist, und dennoch wagen sie es, der öffentlichen Meinung Europas so ins Gesicht zu schlagen. — Wenn nicht der Freimuth, ist der Muth dieser Männer allenfalls zu bewundern. Deren edle Landsleute im Auslande, ein Klapka, Pulsky, Horn u. A., können auf die Wirkung und Befolgung ihrer wiederholentlich so unumwunden ertheilten Rathschläge allenfalls stolz sein. — Oder vielmehr: diese Edlen sind doppelt verbannt, wenn sie in der Ferne ihres Heimathslandcs „sich schämen" müssen. — *) *) Die Mitglieder der in der Sitzung vom 17ten Juni aus den 9 Abthcilungen der Deputaten erwählten Commission, welche auch jenen Beschluß abfaßten, waren (Pesli Naplö '9to. 138): Horvath Balthasar, Deputirter von Steinamanger, Madach Emerich von Boläs Myarmath —; Szuplonezy Josef von Marmarosch; Bo- „Keine Emancipation Mehr! " drucken mit gesperrten Lettern, bei der Mittheilung dieses Commissions-Antrages sämmtliche im Lande erscheinenden Blätter; einige mit Schmerz und Bedauern (Sajto und Magyarorszäg), andere mit Triumph. „Keine Emancipation mehr! Die Juden sind zu reich, zu rührig, zu unterrichtet, zu zahlreich im Lande, sie würden sonst demselben gefährlich" re. druckt sogar der amtliche Siirgöny, der es den Juden auch zum Verbrechen anrechnet, daß sie so unverhältnißmaßig viel Schulen errichten, und in den Gymnasien deren Kinder den christlichen Studenten den Rang ablaufen.- Die berüchtigte Conferenz beim Herrn Grafen Kärolyi im Mai d. I. war daher trotz der nachträglichen Dementis und ofsiciellen Widerrufe kein bloßer balon d’essai; wir sehen dieselbe vielmehr hier bereits in die Paragraphe eines Gesetzvorschlages verkörpert. Die dort als Bedingungen der Emancipation gestellten Forderungen waren blos die vorausgeschickten Fühlhörner des fratzenhaften Ungethüms, das nunmehr in der Gestalt des erwähnten Commissions-Antrages mit seinem giftigen Hauche die Zukunft und die Rechtsstellung so vieler Tausende fleißiger Familienväter zu vernichten droht. — Der Schrei des Entsetzens, der damals die gesummte europäische' Presse' durchzitterte, verhallte ungehört vor den Ohren jener Männer, die in Sehnsucht nach ihren einstigen Privilegien -und Prärogativen diese wenigstens dem Juden gegenüber behaupten und ausgeübt wissen wollen.' Wer sich übrigens davon überzeugen will, wie diese gegenwärtig in der Praris wirklich angewendet werden, besuche nur die erste beste- Gerichtsftube. — Dem Juden gegenüber spielt jeder Einzelne den unumschränkten Comitats-Souverän. —- Man führt das große Wort der Rechtsgleichheit im Munde, um die compacten, kampfgerüsteten fremden Nationalitäten und Confessionen — Kroaten, Serben, Slaven, Rumänen rc., ins Garn zu locken. Gegenüber der zerstreut wohnenden und daher wehrlosen jüdischen Bevölkerung wirst man jedoch die Maske ab und läßt diese mit so großem Pomp ausgesprochenen Principien der Rechtsgleichheit als hohle, phrasenhafte Seifenblasen über den Häuptern der Unglücklichen zerplatzen. — Man will vor der Regelung der Judensache erst ein nis Samuel von Szabalts; Graf Deseffi Emil von Preßburg; K.alauz Pal von Sohl; Jambor Pal von Bäts- Kula; Misits Johann von Temes-Lippe; Lünyai Menyhard, Berichterstatter der Commission, von Beregszäß. Es ist oft auch gut,! sich die Namen seiner Gegner zu merken. 3b*