Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1861)
- Date
- 1861-08-13
- Page
- Seite 476 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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476 lichent Gutachten sind die Verletzungen, die er dabei erlitten, ganz ungefährlich, und' kann sich auch Jedermann in Sigrot's Wohnung überzeugen, daß derselbe wieder seinen Geschäften nachgeht: Inzwischen hatte der erwähnte Streit einen Zusammenlauf vieler Menschen auf dem Altstädter Ringe vor dem Rathhause zur Folge, welche ungeachtet des Regens den Vorfall, der bald vielfach entstellt wiedererzählt wurde, besprachen. Der Menschenhaufe wurde in den späteren Abendstunden immer stärker, und als dann die Arbeiter und Lehrjungen denselben vermehrten, begaben sich dichte Scharen derselben in die Josephstadt, Drohungen und Verwünschungen gegen die Juden ausstoßend. Die Polizeiorgane bemühten sich, die dichten Massen zum Auseinandergehen zu bewegen, was jedoch nur schwer und erst nach Verhaftung der ärgsten Tumultuanten und der sich der Aufforderung zum Auseinandergehen Widersetzenden gelang. Der Tumult nahm indeß, ^a die falsche Nachricht, der Beschädigte sei an seinen Wunden gestorben oder sogleich zu Tode geschlagen worden, mit Hartnäckigkeit m Umlauf gesetzt wurde, in der Nacht immer mehr überhand, so daß bei der immerwährenden Zunahme der Menschenscharen, welche die Straßen durchzogen, gegen 10 Uhr Militär zur Aufrechterhaltung der Ordnung herbeigezogen und theils in der Josephstadt, theils auf dem Ringplatze aufgestellt wurde. Der dann eintretende starke Regenguß machte übrigens mit Einem Male dem ganzen Tumult ein Ende und trieb die wogende Menschenmenge zum Nachhausegehen. Prag, 31. Juli. lPrivatmitth.) Unsere Gemeindeverhältnisse find in eine neue Phase getreten. Die Mitglieder der Cultusrepräsentanz, welche durch mehr als zehn Jahre ohne Neuwahl in unserm Rathhause getagt, wurden einer Neuwahl unterzogen und nur zwölf Mitglieder von den alten wieder gewählt und sechs neue, von diesen zwölfen aber resignirten zwei auf diese Ehrenstelle, und so werden acht neue und zehn der früheren das Corpus der hiesigen Cultusrepräsentanz bilden. Unter Denjenigen, welche auf diese Stelle resignirten, befindet sich auch Herr Prof. Wessely. Der Umstand, daß das große Werk der vorigen Repräsentanz, der Anschluß der Judenstadt an die Stadtgemeinde mit Aufopferung der Schule vor sich ging, die vom Jahre 1870 an statt einer confesfionellen eine Stadtschule werden wird, welche die Großgemeinde nach Belieben auch in eine katholische verwandeln kann — dieser Umstand hat der vorigen Repräsentanz sehr viele Feinde zugezogen, und da Herr Prost'Wessely auch in der Repräsentanz war, so glaubte man anfangs ihn dieser Sache theilhaftig, bis es sich später herausstellte, daß er gegen die Aufopferung der Josephstädter Hauptschule gestimmt, und daß er die Neuwahl nicht angenommen, weil er nicht mehr unter jenen Männern sitzen will, von denen der größte Theil gegen seine Ansicht in einer so hochwichtigen Sache gewesen. — Um auf die Gemeindeverhältnisse wieder zurückzukommen, so muß lobend hervorgehoben werden, daß in der ersten Sitzung, welche die neue Repräsentanz abhalten wird, beschlossen werden soll, die Verhandlungen in Zukunft, wie es bei der Großgemeinde geschieht, öffentlich abzuhalten, das Budget zu veröffentlichen u. s. w, kürz, Neuerungen vorzünehmen, welche dem Geiste der Zeit und den Anforderungen der Cültusgemeindeglieder entsprechen. De praeteritis nil nisi bene —I es soll daher von dem Vergangnenen nicht mehr berichtet werden, und es soll uns freuen, so wie heute auch in Zukunft von dm Verhältnissen unserer Gemeinde stets nur Erfreuliches zu berichten. Gr. Beeökerek, 25. Juli. (Privatmitth.) Die ungarische Frage, die die europäische Presse seit so länge beschäftigt, ist jetzt in ein neues Stadium getteten, seitdem das lange erwartete königliche Rescript als Antwort auf die Adresse veröffentlicht würde. Der Landtag in Pesth hat seine Sitzungen auf einige Tage ausgesetzt, um sich zu der großen entscheidenden Debatte über das königl. Rescript vorzubereiten. Wir benutzen diese kleine Pause, um einen flüchtigen Rückblick auf die bisherige Thätigkeit des Landtages in Beziehung auf die Judenftage, die wohl keine europäische, aber immerhin eine Frage des Rechtes und der Menschheit ist, zu werfen. Wir übergehen füglich die bei der Adreßdebatte hier und da vorgekommenen Aeußerzmgen und Reden, die größtenteils auch in diesen Blättern zu lesen und als einzelne Stimmen von sehr geringem Erfolge waren. Weit wichtiger und bedeutungsvoller ist der Commissionsanträg, welcher vor der zur Tertirung der in der Adresse nicht aufgenommenen Punkte des Beschluß-Entwurfes eingesetzten Commission dem Unterhause am 10. d. M. vorgelegt wurde, da gewöhnlich dergleichen Commisstonsanträge immerhin als Ausdruck einer bedeutenden Fraction oder gar der Majorität des Hauses zu bettachten sind. Die bezügliche Stelle lautet: „Was namentlich die Hebung der gei-