Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1861)
- Date
- 1861-08-13
- Page
- Seite 475 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitungsnachrichten. Deutschland. Weimar, 27. Juli. (Allg. Pr. Ztg.) Der in der sächsischen zweiten Kammer mit einigen Modificationen en bloc angenommene Entwurf eines bürgerlichen G e se tz b u ch s ist bekanntlich gemeinsam mit Vertretern der thüringischen Regierungen bcrathen worden. Die Voraussetzung, daß die zuständigen Factorcn in Thüringen eine en KI00-Annahme wählen würden, hatte besonders die Juden im diesseitigen Gebiete beunruhigt, weil sie fürchteten, den Vollgenuß ihrer politischen und bürgerlichen Gleichstellung durch die. Bestimmung beeinträchtigt zu sehen, daß Juden nicht befähigt sein sollten, eine Vormundschaft über Christen verwalten zu können. Sämmtliche jüdische Gemeinden des Großherzogthums haben darum in einer Petition an das Staatsministerium um Beseitigung jener Bestimmung gebeten, obwohl es, wie wir wissen, schon früher in den Intentionen der Regierung gelegen, die von der diesseitigen Gesetzgebung bezüglich wohlerworbener Rechte divergirenden Punkte des Entwurfs zu modificiren oder zu beseitigen. Die sächsische zweite Kammer hat zwar das Verbot rücksichtlich der Vormundschaften abgelehnt, andererseits jedoch in die Aufhebung des Verbots gemischter Ehen zwischen Christen und Juden nicht gewilligt, während hier zu Lande diese Mischehen nicht allein gesetzlich zulässig sind, sondern bereits auch in mehrfachen Beispielen zu Recht bestehen. Sonach wird auch für diesen Punkt in der diesseitigen Gesetzgebung eine Abweichung von der sächsischen eintreten. Preußen. Altwasser in Schlesien, 24. Juli. (Privatmitth.) Aus Anlaß der wunderbaren Errettung Sr. Majestät unseres Königs veranstalteten die jüdischen Badegäste in Salzbrunn — Preußen und Nichtpreußen — Sonnabend den 20. Juli e. einen besonderen Dankgottesdienst. Da das provisorische Betlocal die Theilnehmer der Feier «nicht zu fassen vermochte, so versammelte sich das zahlreiche Publikum Vormittags 9 Uhr in dem zu diesem Zwecke decorirten Saale zur „Sonne". Der zur Zeit, in Salzbrunn anwesende Herr vr. Perl es aus Breslau, obzwar kein Preuße, übernahm auf Auffor- 473 derung des Vorstandes die Leitung der Feier und hielt eine dem Tage angemessene Festrede, welche mit ungetheiltem Beifall ausgenommen worden ist. An demselben Tage Nachmittags hielt ein zweiter Ausländer, der wegen seiner talmudischen Gelehrsamkeit nicht minder, als wegen seines wissenschaftlichen Strebens und seines regen Sinnes für Bildung und Aufklärung vor den meisten polnischen Rabbinen sich rühmlichst auszeichnende Rabbiner aus Czenstochau, Herr Jsaac Rabbinowicz, einen inhaltlich wie formell die Zuhörerschaft in hohem Grade befriedigenden deutschen Vortrag. Ich lege hierauf ein besonderes Gewicht, weil die ganze Erscheinung und das Wesen des Herrn Rabbinowicz in erfreulicher Weise zeigt, daß die deutsche Bildung auch in Polen mächtig anregend zu wirken begonnen hat, und hoffentlich in größerem Maße fortwirken wird. Zehn solche Männer würden ein bedeutendes Gegengewicht gegenüber dem tiefeingewurzelten Chassidismus abgeben.'— Im Anschluß an die Sonnabend abgehaltene Dankfeier vertheilte der Herr Hofagent Landau aus Breslau an dem darauf folgenden Sonntage an zwanzig arme Veteranen die Summe von hundert Thalern. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 2. August. Die telegraphischen Depeschen berichten von hier unter dem Olsten August: Gestern Nachts fand im Judenviertel eine Straßendemonstration statt in Folge eines Gerüchtes, ein Jude habe wegen eines Diebstahls einen Hausknecht erschlagen. Es rückten Truppen zur Unterstützung der Polizei aus; mehrere Personen wurden arretirt. Vom 2ten August: Gestern Nachts fanden im Judenviertel neue Unruhen statt. Häuser und-Synagogen wurden beschädigt, ,Menschen verwundet, Eigenthum angegriffen. Es wurden 45 Personen verhaftet. Prag, 2. August. Ueber den Tumult am ersten Tage berichtet die amtliche „Prager Zeitung": Die Josephstadt und die ihr zunächst liegenden Stadttheile waren gestern (31. Juli) Abends der Schauplatz unruhiger Scenen. Ueber die Veranlassung hierzu erfahren wir, daß ein Hausknecht, Namens Karl Sigrot, in einem Streite, in den er nicht ohne sein Verschulden gerieth, von einem in der Breitengaffe der Josephstadt befindlichen israelitischen Höckler verletzt wurde. Nach ärzt-