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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-08-13 · Heft 33 (13.8.1861) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 33 (13.8.1861)
Date
1861-08-13
Page
Seite 474 (sequence 6)
Language
German
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m Recensio nett, welche dieses Matt gar nicht selten von der Feder seines Redacteurs bringt, zu verweisen, und Jeder wird Das, was wir oben gesagt, wohl genügend bestätigt finden. — Aber noch Eins. Herr Br. will Das, was er eben will, nicht blos von Werken der Wissenschaft, sondern auch von denen der Kunst, wie Musik, Skulptur, Malerei u. s. w. — Zugegeben auch, daß die Leser eines Blattes, wie die A. Z. d. I., durchgängig wissenschaftlich gebildet: kann verlangt werden, daß dieselben aÜe auch musikalisch re. gebildet seien? Und weil sie dieses eben nicht sind, sollte das Blatt darum alle eingehenden Besprechungen über Werke der Kunst ängstlich meiden? — Von dem In - und Gehalte der beiden Notenblätter (von Mayer und Staab)- die Herr Br. recenfirt) hat gewiß nur ein kleiner Bruch-' theil der Leser dieser Zeitung gehörige Kenntniß genommen, während gewiß alle Leser dieser' Zeitung den Br.'- schen Aufsatz mit wahrem Interesse gelesen und aus demselben so Manches gelernt haben. Möge daher Herr Br. in Zukunft weniger ängstlich sein, möge er aus den Grenzen allzu großer Bescheidenheit heraustreten und uns fernerhin öfter seine Ansichten und Urtheile über die neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der liturgischen Musik vernehmen lassen. Es werden ihm dies auch Nichtmusiker Dank wissen. — Vollkommen Recht aber hat Herr Br. — und Alle müssen ihm darin beipflichtcn, — wenn er, von gewissen profanen Melodien sprechend, sich so bitter darüber beklagt, daß dergleichen Sachen „uns nicht allein von alten Vorsängern, sondern leider auch in vielen neuen Sammlungen als Synagogenmusik aufgetischt werden." Man hat früher über die Mazurkas, Polkas re. der alten Chasanim Zeter geschrien, während man jetzt — bei, wir man's nennt, „zeitgemäß eingerichtetem Gottesdienste^- bei Notengesang und Chorbegleitung, — nicht Minder recht vielProfanes noch zu hören bekommt. Denw Wan schreibt (die bekannten hervorragenden Ausnahmen abgerechnet) nicht Musik für den heiligen Tert, sondern wählt irgend ein schönes Musikstück (aus Oper, Oratorium re.) und legt Ihm (Nachdem man's mehr oder weniger und oft auch gar nicht abgeändert) den Tert unt er. Was muß sich aber hierbei der heilige Tert nicht AllesL gefallen lassen! Da geht's ihm nicht selten, wie in dem eisernen Gastbette der Sodomiter, von welchem die bekannte Sage geht, daß Jeder Hineinpassen mußte, ob apch die Glieder des Langen noch so sehr zusammengepreßt, und ob auch die des Kurzen noch so sehr auseinandergezerrt werden sollten. Und bei solcher Behandlung des Tertes, — die, weil er den Noten über ihm doch nun einmal accommodirt werden muß, unerläßlich ist, — wie kann da auf den Zusammenhang/ resp. auf ri'ibyn wie kann da auf die die gebührende Rücksicht genommen werden? — Das sind Dinge, denen auf die schnödeste Weise Hohn gesprochen wird, und-nichts ist häufiger, als daß das Ohr des Beters sich beleidigt fühlt ob Dem, was zu hören es gezwungen ist. Wahrlich! wir hatten oft keine Worte für den Zwang, den wir in bcregter Weise dem heiligen Terte anthun sahen, resp. anthun hörten. — Man sucht auch da und dort, — wie dies auf der Bühne allzumeift geschieht und geschehen muß, — den Tert mit der Melodie zu decken.' Ist solches aber in der Synagoge zulässig? Kommen wir in diese mehr, um Noten, oder mehr, um Worte zu Hören und uns an ihnen zu erbauen und zu stärken? — Ist in der Synagoge — wie anderswo — der Tert um der Noten willen, oder sind nicht vielmehr die Noten um des Tertes willen da? Der Tert, er ist der Körper mit den herrlichsten, vollendeten Formen, — die Musik, sie ist das schöne Gewünd nur, welches jenem um die Glieder geschlagen wird, — nicht „um seine Blößen zu. decken", sondern nur um seine herrlichen, Vollendeten Formen desto schöner und herrlicher hervortreten zu lassen. Darum weg in der Synagoge mit aller Musik, unter welcher der heilige Tert nur irgendwie leidet! — ' Und wenn endlich Herr Br. in seinem Aufsatze mehrmals fragt: „Wie kann man predigen wollen, wenn man nicht einmal richtig zu sprechen im Stande ist?" so rächen wir ihm nur, sich einmal in unfern Tempeln umzusehen, und er wird finden, wie man nicht nur predigen will, sondern auch wirklich predigt — und gerade recht viel und recht laut predigt, — ohne es im „richtigen Sprechen" auch nur bis zur Mittelmäßigkeit gebracht zu haben; wie man uns mit Reden aufwartet, die an Allem, was zu einem guten Aufsatze gehört, oft noch weit hinter den Leistungen eines Untertertianers Zurückbleiben, und wie man endlich, um „populär" zu sein, bis zur Trivialität herabsteigt und Ausdrücke gebraucht, die für alle Situationen eher, als für eine Erbauungsstunde und für jeden Ort eher, als für die Kanzel sich eignen. — Doch wir kommen auf diesen Punkt ein andermal zurück. L o u i s Wey l.

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