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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-08-13 · Heft 33 (13.8.1861) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 33 (13.8.1861)
Date
1861-08-13
Page
Seite 473 (sequence 5)
Language
German
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473 eine bestimmte große Idee repräsentirt, die Idee der Toleranz, der Gleichberechtigung aller Menschen, der unbedingten Gewissensfreiheit. Auch Schiller und Goethe waren die ächten Jünger der Humanität, auch in ihnen waltet die reine Menschlichkeit, die Freiheit von allem Vorurtheil, allem Menschen- und Glaubenshaß. Während aber Goethe und Schiller diese nur theoretisch und allgemein zur Aussprache bringen., hat sie Lessing mit der ganzen Kraft seines Genies, mit allem Feuer seiner edlen Seele concret gemacht und verkörpert. Sein Name vertritt daher die Idee jener Freiheit ganz und gar, und jede Huldigung, die ihm gebracht wird, ist zugleich eine solche für die Idee der Duldsamkeit, der Glaubensfreiheit, der ächten Menschlichkeit. Und dies ist es wiederum, . was vorzugsweise uns Juden an Lessing fesselt, und weshalb wir seine Verdienste als ganz besonders um uns erworben anzusehen haben. Es ist unserer Ansicht nach von großer Wichtigkeit, daß gerade in Berlin Lessing neben Schiller und Goethe ein Standbild errichtet, und so seinem Andenken die feierlichste Anerkennung bereitet wird. In Berlin hat er mit Moses. Mendelssohn zusammengelebt, und dieser, ihm das Urbild seines Weisen dargeboten; in Berlin ist es, wo die von Lessing und Mendelssohn repräsentirte Idee ihrer Zeit den geringsten Anklang und später und noch bis heute einen großen Widerspruch fand. Wir rechnen darauf, daß die Berliner Juden bei dieser Gelegenheit ihre Freigebigkeit in würdigster Weise bethätigen; aber auch anders woher mag hierfür gewirkt werden, damit Lessing und die Sache, die er auf immer vertritt, einen neuen Triumph erleben. Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. d. Oder, 21. Juli. Von Seiten des Dichters Hoffmann von Fallersleben, dessen dritte Sammlung „Kinderlieber" nunmehr in einer neuen, vermehrten Auflage erscheint, ist an den Herrn Emil Breslaur in Cottbus der ehrende Antrag zur musikalischen Mitarbeiterschaft an dieser, so wie zur Revision der ersten Auflage gestellt worden. Wie wir hören, hat Herr Breslaur diesen Doppelantrag angenommen, und daß derselbe seiner Aufgabe zur allseititigen Zufriedenheit sich werde zu entledigen wissen, darf wohl um so gewisser angenommen werden, als er— wie seine jüngst erschienenen „Tonmärchen" (Cottbus bei Albert Heine) zur Genüge darthun, — ganz besonders es versteht, „in die Welt des Kindergemütbs sich zu versenken und Klänge anzuschlagen, die jedem Kinderherzen verständlich genug sind, um dasselbe auf die Dauer zu erregen und zu erwärmen." — Hoffmann von Fallersleben, gleich bekannt als Dichter wie als gründlicher Forscher auf literar-historischem Gebiete, lebt gegenwärtig'^ als fürstlicher Hofbibliothekar zu Corvey bei Hörter in Westphalen. Da wir uns aber gerade mit Herrn Breslaur beschäftigen, so gestatten Sie uns wohl, auf dessen jüngsten Artikel: „Zwei Notenseiten, oder bescheidene Wünsche zur Veredlung der Synagogenmusik" (siehe No. 29 d. Z.) zurückzukommen. Jenen durchgängig so trefflich geschriebenen und des Wahren, Schönen und Nützlichen so sehr viel enthaltenden Artikel beginnt Herr Br. mit folgenden Worten: „Eine Recension über irgend ein Werk der Wissenschaft oder Kunst kann nur dann wahrhaft nutzenbringend sein, wenn der Leser das beurtheilte Werk auch kennt und seine Ansichten darüber mit den in der Recension ausgesprochenen vergleichen kann." — Diesen Satz können wir unsererseits n i ch t unterschreiben, sondern müssen uns vielmehr ganz entschieden gegen denselben aussprechen. Wie kann verlangt werden, daß Alles, was auf den literarischen Markt kommt, auch in jeden Bücherschrank, auch auf jedes Lesepult komme? Und soll die Kritik schweigen, so lange nicht erwiesen, daß Das, was ihr unterworfen werden soll, dem ganzen Leserkreis, für den sie berechnet, aus eigener Anschauung bekannt geworden? — Alsdann würde die Kritik, — von welcher aber auch Herr Br. zugeben muß, daß sie selber eine bildende Wissenschaft, ja daß sie, gerecht geübt, eine der „eigenen Erfahrung" ebenbürtige Lehrerin ist, — wenig, nur sehr wenig zu thun haben. — Wahr ist es allerdings , man liest , eine Recension mit größerem Interesse, wenn man vorher das recensirte Werk gelesen. Aber nicht minder wahr, meinen wir, ist und bleibt es, daß eine Recension „sehr nutzenbringend" sein kann auch d a n n , wenn der Leser, das beurtheilte Werk vorher..gar nicht gekannt, sondern dasselbe durch bie Recension eben erst kennen lernt. Versteht sich von selbst, muß die Recension von der Art sein,- daß der Leser in ihr wie ins einem klaren Spiegel das besprochene Werk gewissermaßen selbst sieht, indem sie ihm von demselben ein ^rnöglichst treues und vollständiges Bild liefert und Alles, was sie lobt oder tadelt, auch in der b estimmteften Weise thut. Wir brauchen beispielsweise nur auf die trefflichen eingeh enden

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