Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1861)
- Date
- 1861-08-13
- Page
- Seite 472 (sequence 4)
- Language
- German
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47$ das Avancement ihnen eröffnet ward; die Petitionen um Besserstellung der jüdischen Schulen sielen schon im Abgeordnetenhause, hingegen die schmachvollen Formen des Eides more juäaieo Hielt das Herrenhaus, dem Ministerium und dem Abgeordnetenhause zuwider, aufrecht. Man sieht hieraus, daß, ohne unzufrieden zu sein, wir uns doch wenig befriedigt fühlen können. Es ist daher dringend geboten, nicht stille zu stehen, sondern auf die endliche Durchführung zu dringen. Bleibt die Sache wie sie ist, so kann mit jedem Ministerwechscl eine andere Behandlungsweise unserer Verhältnisse eintreten. Auch aus diesem Grunde ist es die Pflicht jedes Israeliten, seine Bürgerpflicht zu üben und bei den Wahlen, so viel es an ihm ist, thätig mitzuwirken. Was Preußen bedarf, ist: entschiedene Männer im Abgeordnetenhause zu haben, Männer, die nicht blos vor den Wählern, sondern auch im Angesichte des Ministeriums und der Parteien einen festen Willen durch Wort und Abstimmung bethätigen. Nur durch solche wird es möglich sein, die Minister zu einer vollständigen Verwirklichung der Verfassung zu bringen, und das Herrenhaus mit solchen Elementen zu füllen, daß dasselbe ein lebendiger Factor der Verfassung werde und aufhöre, sein Veto auf alle Gesetzentwürfe, die die Forderungen des preußischen Volkes befriedigen, auszurufen. So lange das Herrenhaus bleibt, wie es jetzt ist, wird nicht allein jedes Gesetz, das den Juden günstig ist, verworfen werden, sondern auch das Ministerium so gestellt sein, daß es mit halben Maßregeln sich begnügt, ja Persönlichkeiten in seine Mitte zieht, welche unsere Lage wieder verschlimmern. Abgeordnete, die sich nicht mit einem Quentchen absinden lassen, wo ein ganzes Pfund nöthig ist, die eben so energisch einzugreifen und Widerstand zu leisten verstehen, wie es bis jetzt die Herren thaten, Abgeordnete, welche so lange drängen, bis das Ministerium sich entscheidet und das Herrenhaus durch die ihm gesetzlich zustehenden Mittel umgestaltet, nämlich durch Creirung einer so großen Zahl liberaler Pairs, daß die Regierung die Majorität im Herrenhause besitzt, und durch ein Gesetz das ganze Herrenhaus umzugestalten vermag, solche Abgeordnete brauchen wir. Es versteht sich von selbst, daß, falls cs an einem oder dem andern Orte den Juden möglich ist, einen Glaubensgenossen zum Abgeordneten wählen zu lassen, dies principiell und materiell von großer Bedeutung wäre, vorausgesetzt, daß der zu wählende Israelit die genügenden Eigenschaften und einen solchen Charakter besitzt, wie wir ihn oben gezeichnet haben. Er muß unsere Sache im Parlamente energisch vertreten, sonst freilich schadet er uns mehrmals er uns nützt. Die Statue Leasings in Aerlin. Nachdem zum hundertjährigen Geburtstage Schillers in Berlin der Beschluß gefaßt worden, ihm daselbst vor dem Schauspielhause eine Statue aufzustellen, späterhin sich ein Comite gebildet, um jener eine Bildsäule Goethes hinzuzugesellen, dann aber sich die Unzukömmlichkeit erwies, daß die Standsäule Schillers nicht den Platz einnehmen können würde, welcher an jenem Tage hierzu eingeweiht wurde, so ist jüngst der Gedanke ausgesprochen worden, auch Lessing an demselben Platze eine Statue zu widmen, so daß Schiller an der anfänglich bestimmten Stelle zwischen Goethe und Lessing zu stehen käme, Das Goethe-Comitä hat diesen Plan adoptirt, und es ist eine desfallsige Bekanntmachung, resp. Aufforderung zu Beiträgen baldigst zu erwarten. Wir halten es für unsere Pflicht, an dieser Stelle unsere Glaubensgenossen hierauf aufmerksam zu machen und aufs Nachdrücklichste zu Beiträgen für die Lessingsbildsäule aufzufordern. ch Wir sind weit davon entfernt, den beiden Geistesheroen, Schiller und Goethe den Platz schmälern zu wollen, welchen sie in der Geschichte des deutschen Volkes, ja der ganzen Menschheit einnehmen, und die Anerkennung ihres Werthes und ihrer Verdienste irgendwie zu verringern; auch lieben wir es nicht, Vergleiche anzustellen zwischen den verschiedenen Größen auf dem Gebiete Der Kunst, denn die Größe besteht eben in der Verschiedenheit und Eigenthürnlichkeit jedes Einzelnen. Um so mehr gerade freuen wir uns aber, daß endliche die Ebenbürtigkeit Lessings^ mit Jenen anerkannt wird, und die Mächtigkeit dieses Genius und seines Einflusses zur richtigen Würdigung kommt. Denn wenn auch Lessing auf die dichterische Größe und Vollendung Schillers und Goethes keinen Anspruch hat, so ragt er hingegen als Mann der Wissenschaft und Kritik weit über sie hinaus, und hat das unmeßbare Verdienst, die deutsche Nation von den Fesseln der Geschmacklosigkeit und Barbarei auf vielen Gebieten, besonders aber auf dem der Dichtkunst, befreit zu haben, für die deutsche Sprache ein zweiter Luther gewesen zu sein und allen seinen Nachfolgern! die Bahn gebrochen zu haben. Wichtig aber ist es noch, daß Lessing mitten in seinen vielfachen Leistungen auch