Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1861)
- Date
- 1861-08-06
- Page
- Seite 460 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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460 geordnet und ihrem geistigen Inhalte nach tiefer erfaßt unwissenschaftlich bearbeitet werden. Wir freuen uns, heute ein Werk anzeigen zu können, daß gerade nach dieser Richtung hin einen Schritt vorwärts führt. Wir haben hier die italienische Uebersetzung einer außerordentlich großen Sammlung von Parabeln, Legenden und Denksprüchen aus dem Talmud vor uns;- aber abgesehen von der Reichhaltigkeit dieser Sammlung hat ste den Vorzug, genau nach den religiösen und ethischen Rubriken abgetheitt ungeordnet zu sein. Das Werk übertrifft daher aus. diesem Gesichtspunkte die Arbeiten von Fürstenthal und Dukes bei Weitem, nicht allein dadurch, daß es über die Grenzen der Sprüchwörter weit hinausgeht, sondern, was-noch wichtiger ist, nicht nach dem Alphabet die Sentenzen an einander reiht, wie zufällig die Anfangsworte der Sprüche ergeben, sondern nach systematischem Entwürfe ordnet. Dies geschieht in 22 Büchern. Das erste Buch bringt Aphorismen über die Attribute Gottes, das zweite hat zum Inhalt die Schöpfung, das dritte die Offenbarung, das vierte bis sechste; die religiöse Theorie, das siebente spricht sich hber supranaturalistische Gegenstände aus, so wie das achte über Dämonologie, das neunte handelt von der religiösen Tugend, das zehnte über den Ascetismus, das eilfte über die Liturgie, so wie das zwölfte und dreizehnte über die moralischen Tugenden, das vierzehnte insonders über die Duldsamkeit, das fünfzehnte Buch handelt von den bürgerlichen Tugenden, das sechszehnte über Handel und Gewerbe, das siebzehnte über nationale Gebräuche und Empfindungen, das neunzehnte über den Fall Jerusalems, das zwanzigste Buch bringt historisch poetische Traditionen, so wie das einundzwanzigste poetische Skizzen. Hierzu fügt der Vers, im zweiundzwanzigsten Buche einen humoristischen Thetl hinzu. Diese Uebersicht wird genügen, dem geschätzten Leser über die Reichhaltigkeit des Inhalts), so wie über die Umsicht, mit welcher der Vers, das große Material zu überwältigen verstanden, eine günstige Meinung zu verschaffen, und wir halten es daher einer so tüchtigen Arbeit gegenüber für überflüssig, Ausstellungen am -Einzelnen zu machen. Allerdings können wir nicht verhehlen, daß der Herr Verfasser einen nicht ganz unparteiischest Standpunkt eingenommen, daß er daher vielmehr nur solche Parabeln, Legenden und Aussprüche' ausgenommen, rvelche einem geläuterten religiösen und ethischen Geiste entflossen und der Richtung und dem Geschmack unserer Zeit näher stehenhingegen -alles Anstoßerregendr oder Zweifelhaftere vermieden hat. Es hat' dies feine gute Seiten aber'einer streng wissenschaftlichen Behandlung und dem Ernste, welcher die talmudischen Lehrer selbst beseelte, entspricht es nicht. Geschichtstreue Und Wissenschaft erfordern, daß in Werken, welche talmudische Gegenstände behandeln und nicht gerade lediglich zur anregenden Lectüre oder zum Unterrichte der Jugend dienen sollen, unparreiisch verfahren und das Thema von a l l e n Seiten behandelt werde. Dies wird zuletzt eine viel erfolgreichere Rechtfertigung des Talmuds erwirken, als wenn man immer nur das Schöne und Lichtvolle hervorhebt. Gerade deshalb sind einige Partien, z. B. die eigentliche Lehre von Gott, die Dämonologie, das Transeendentale schwächer vertreten, als wünschenswerth. Jedenfalls verdient der Verfasser den besten Dank und sein Werk eine weitere Verbreitung, als ihm die Sprache, in dem es versaßt ist, verbürgt. Zeitungsnachrichten. Preußen. Aus dem Posenschen, im Juli. (Privatmitth.) Die — in Folge des Abgangs vr. Landsbergers nach Darmstadt — nun beinahe schon zwei Jahre vacante Predigerstelle in der Brüdergemeinde zu Posen, — welche im vorigen Jahre der Schuldirector I)r. Freund aus G-leiwitz schon -ganz bestimmt hätte erhalten sollen — ist bis auf den heutigen Tag noch nicht besetzt. Auch in Jnowraclaw ist die Rabbiner-Amts-Wiederbesetzungs-Angelegenheit, — ein Stück, das dort nun schon über sieben Jahre spielt — noch nicht zum Abschluß gekommen, da Seitens des Herrn Dr. Lazarus in Prenzlow, den zuletzt die Wahl getroffen, dieselbe nicht acceptirt worden. In Gratz, wo bekanntlich im Elementarunterricht die jüdischen Kinder mit den christlichen in einer Anstalt eombrnirt sind, soll nun endlich eine besondere jüdische Elementarschule— vorläufig mit zwei Lehrern •— errichtet werden. Wir wünschen nur, daß in Plesch en dieses Beispiel recht bald Nachahmung fände. Wo die Confessionsschule mögl i ch, wird jetzt wohl Niemand mehr der Simultanschule das Wort reden. Wir sagen „j e tzt", weil so n st, d. h. am Ende der Vierziger Jahre, in dieser Hinsicht ganz anders gedacht, gesprochen und geschrieben worden. Die Gemeinde Ostrowo hat in ihrem vor Kurzem plötzlich verstorbenen Rabbiner M. S tö sse l einen äußerst, herben Verlust erlitten. Der Verewigte,; ein Mann