Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1861)
- Date
- 1861-08-06
- Page
- Seite 457 (sequence 3)
- Language
- German
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einer treulosen Amme und ähnlichen Subjecten einräumt, die höchsten Functionen eines geweihten Priesters auszuüben und ihrem Wort und ihrem Thun die volle Heilig-- feit des Sakraments zugesteht, wird da die Würde der Kirche nicht in den Staub gezogen? Ferner, wenn man der ganzen civilistrten Welt den Fehdehandschuh hinwirft, indem man ein Verfahren als kanonisches Gesetz aufrecht erhält, welches alle denkenden und fühlenden Menschen empört und mit wahrhaftem Entsetzen erfüllt, opfert man da nicht die Kirche selbst, nur um die Ausgeburten der finstersten Zeit des Mittelalters zu conserviren? Natürlich daß wir diese Argumente nicht aus purer Zärtlichkeit für Diejenigen anführen, welche sich als unsere, unverbesserlichen Gegner, als unsere wahrhaften Hasser geriren, sondern damit sie beitragen, diese zu bestimmen, uns endlich in Rühe zu lassen. Wir bemerkten oben, daß die katholische Kirche beflissen sei, auch die gehässigsten Vorurtheile gegen die Juden immer wieder aufzufrischen und zu proclamiren. Hierfür ein Beweis. Die „Voss. Zeit." berichtet aus Brüssel vom 21. Juli Folgendes: „Eine Feierlichkeit, welche heute in der Kathedrale St. Gudula unter dem Vorsitze des Cardinal-Erzbischofs von Mecheln gehalten worden, ist die Wiedereinsetzung der andächtigen Brüderschaft von den wunderbaren Hostien. Wie Sanderus in seinem Werke: Brabantia sacra und andere Autoren erzählen, hätten die Juden aus der hiesigen Katharinenkirche ein Ciborium mit Hostien stehlen lassen, wo sie dann am Pfingsttage des Jahres 1370 in der Synagoge znsammenkamen, diese Hostien schmähten und mit Dolchen durchstießen, worauf aber klares Blut aus den Hostien geflossen sei, worüber die Juden sich so entsetzten, daß sie eine Frau mietheteu, um die blutigen Hostien nach Köln zu tragen. Die Sache wurde jedoch ruchbar, und Herzog Wenzel von Brabant ließ die Juden ergreifen , auf die Folter bringen , und sie dann lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Und dir Erinnerung an diese abscheuliche Geschichte, wobei es sich nur um das Geld der unglücklichen Schlachtopfer handelte, wird, im Jahre 1861 aufgefrischt und durch eine Brüderschaft v e r e w i g t, von welcher der Herzog von Aremberg der Prevot ist, während man sogar die Stelle der Prevotin der Herzogin von Brabant zugedacht hatte, nur daß sie anzunehmen der hohen Dame von dem Könige versagt worden ist." — So weit die „Voss. Zeitg." Glaubt man wirklich, der jetzigen Zeit noch einreden zu können, daß die Juden jemals Hostien gestohlen, um sich andiesen für die Gräuelthaten zu rächen, die man an ihnen verübte? Wähnt man wirklich, der Welt noch heute glauben zu machen, daß aus zerstochenen Hostien Blut geflossen? und meint man in der That, daß die Welt jemals annehmen werde, der Herzog von Brabant habe aus purer Glaubensinnigkeit die wehrlosen, aber begüterten Juden gefoltert und verbrannt? Daß man noch immer einige blinde Werkzeuge für dergleichen Wahngebilde findet, möge - nicht zu der Meinung verleiten, daß die Welt jemals wieder zu solchem Aberglauben zurückkehren, oder dieser sich nur durch einen großen Theil der Menschheit wieder verbreiten lassen werde! . Wir hatten nicht in der Absicht, auf eine Erörterung der Lehren und Gesetze des Judenthums und der katholischen Kirche, worin diese sich schnurstracks widerstreiten und worin sie übereinstimmen, näher einzugehen) nichts liegt' uns ferner, als eine Glaubensfehde. Aber einen Blick auf das Grenzgebiet beider wollten wir werfen, und mit Nachdruck den Männern jener Kirche verwehren, in die Grenzen unseres Glaubens gewaltthätig einzufallen, da von unserer Seite solche Angriffe zu keiner Zeit unternommen wurden, die vielmehr unsere Religion aufs Strengste verbietet. Im Uebrigen ermahnen wir allesinsere Glaubensgenossen, vorkommenden Falles mit vereinter Kraft die Landesgesetze gegen solche Uebergriffe anzurufen, und wo diese nicht für ausreichend befunden wer-* den, eine größere Genauigkeit und Verschärfung derselben zu erstreben — jedenfalls aber sich aller Gehässigkeit zu enthalten. Die industrielle Mission der Juden. (Schluß.)' Mit den letzten Worten hat Kieffelbach selbst angedeutet, daß die industrielle Mission der Juden weder mit der Trägerschaft des großen Weltverkehrs zum Beginne des Mittelalters, noch mit der Vermittelung des Loeal- und Kleinhandels, nachdem sie durch das erclusive christliche Bürgerthum aus jener "ersten Position verdrängt worden, abgeschlossen war , vielmehr daß sie an der Pforte der neuesten Zeit mit einer ganz neuen industriellen Idee standen, welche er mit dem Worte „das BäncsüterthrkM" bezeichnet. Wir hätten gewünscht, er hätte dies Mit der Meisterschaft, mit welcher er in kurzen Zügen große geschichtliche Erscheinungen zu zeichnen versteht, näher aus- 32*