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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-08-06 · Heft 32 (6.8.1861) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 32 (6.8.1861)
Date
1861-08-06
Page
Seite 456 (sequence 2)
Language
German
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456 Urals hat daS Judenthum, sei es durch Proselytenmacherei, sei es durch heftige polemische Angriffe der kathS^ lisches Kirchk eine Schädigung bekursachen wollen oder zu verursachen versucht. Aber um so nachdrücklicher muß jetzt darauf gehalten und darnach gestrebt werden, das Judenthum durch die staatlichen Gesetze und deren nachdrückliche Handhabung vor den maßlosen Ungerechtigkeiten zu schützen, welche noch immer aus dem Schoße der genannten Kirche gegen das Judenthum verübt werden. Allerdings haben sämmtlich e aus dem Zudenthume hervorgegangenen Religionen und Kirchen gegen dasselbe sofort einen heftigen Krieg, unternommen, indem sie in der Fortcristenz des Judenthums eine stillschweigende Opposttion gegen sich erblickten; aber sie alle haben nach und nach ihren Frieden mit dem Judenthume geschlossen, selbst der Islam durch die bekannten Hattischerifs der letzten Sultane; ausgenommen die katholische Kirche. Sie alle haben ihre Ausschließlichkeit aufgegeben, den Grundsatz der Gewissensfreiheit anerkannt, und daher dem Judenthume die Berechtigung seiner Eristenz zugestanden, ausgenommen die. katholische Kirche. In der Wirklichkeit haben sogenannte katholische Staaten, d. h. Staaten, in denen die Mehrheit ihrer Bürger der katholischen Kirche angehört, den Juden die volle Gleichberechtigung und dem Judenthume die völlige Gleichstellung zum Theil früher und in vollerem Maße Äs protestantische Staaten gewahrt. Frankreich und. Belgien sind hierin allen festländischen Staaten vorangegangen, und noch jetzt ist außer diesen keiner vorhanden, der so bedeutende Staatsmittel auf die Erhaltung des jüdischen Cultus verwendet, und der neue italienische Staat folgt diesem Beispiele. . Aber ganz anders die katholische Kirche, welche, nachdem alle Schrecken der Inquisition und ihrer Scheiterhaufen, alle Arten der Ausschließung, alle Künste des Druckes erfolglos über die Juden gebracht worden, ihre feindlichen Gesetze noch heute aufrecht erhält, ihre feindliche Gesinnung noch heute bethatigt, ihre feindlichen Vorurtheile noch' heute proclamirt. Wir schreiben dies mit tiefer Betrübniß nieder, da durchaus keine Gehässigkeit unsere Feder führt, da es der Friede, nicht der Kampf ist, der uns als Ziel unseres Strebens vorschwebt, da die katholische Kirche nächst dem Judenthume die älteste bestehende Confession ist, und da es uns durchaus nicht zusagt, nur aus. der Schwächung des Einflusses der katholischen Kirche unseren Schutz und unsere Sicherheit erwarten zu müssen. Zu keiner Zeit, wie in den letzten Jahren (zuletzt in No. 30), haben wir so viele Fälle zu bemelden gehabt, in welchen durch Diener'der katholischen Kirche jüdischen Eltern ihre Kinder geraubt, diese widergesetzlich getatßst, einest solche Tauß'MkEWHebbE erklärt und; unter chem Porwande der kathoÜschett Erziehung diese Kinder ihren Etterrn dauernd vorenthalten wurden. Solches geschah nicht blos im Kirchenstaate, sondern auch in Frankreich und in Rußland. In dem ersteren wurde der Vorgang von der höchsten katholischen Stelle aus sanctionirt; in .Frankreich, wo dergleichen vom staatlichen Gesetze bestraft wird, übt man tausendfältige Jntrigue und Täuschungen aller Art, um zum Ziele zu kommen; in Rußland hofft man, daß das Staatsgesetz die Schuldigen nicht erreiche, weil es im Schoße des katholischen Polens nicht vollkräftige Werkzeuge finde. Noch heute also wird von der katholischen Kirche es als ein Recht constatirtmit den Kindern der Juden nach Belieben, selbst der untergeordnetsten Menschen, wie Dienstmädchen, Ammen vl dgl., zu verfahren, und gegen die Eltern die schreiendste Gewaltthätigkeit zu verüben. Es ist dies eine Anklage, die nicht wir erheben, nicht wir formuliren, sondern die von den bedeutendsten Geistlichen der katholischen Kirche als wirkliches kanonisches Gesetz in der jüngsten Zeit ausgesprochen und bethätigt worden. Gewiß giebt es keine Censur und kein Preßgesetz — es sei denn im Kirchenstaate selbst — welche uns verhindern würden, über solche Vorgänge und über solche Grundsätze in den schärfsten und schroffesten Ausdrücken den Stab zu brechen, und im Namen Gottes, der Religion und der Menschheit, im Namen aller Gesetze, die Gott in uns hineingelegt, und die er uns verkündet hat, Verwahrung dagegen einzulegen. Aber wir wollen uns mäßigen; wir wollen dies als die letzten Ausläufer eines schroffen, klippen- und kantenreichen Felsgebirges betrachten, über dessen Rücken wir mühsam und voll Anstrengungen geklommen, so daß wir muthig und zuversichtlich auch über diese letzten Höhen zur weiten, segenbefruchteten Ebene der Gerechtigkeit und des Friedens schreiten. Wir wollen nicht einmal die Vernunft und einfache Logik anrusen, denn diesen erkennen ja unsere Gegner keine Berechtigung zu; auch die Heiligkeit der Familie, der elterlichen und kindlichen Gefühle wollen wir nicht als unfern Schild und unsere Abwehr gegen ein solches Verfahren erheben, denn da die katholischen Geistlichen keine Familie haben und also keine Vatergefühle hegen dürfen, so müssen ihnen gegenüber jene eine'stumpfe Waffe sein. Aber dafür mögen sie doch offene Augen haben, daß sie ihrer eigenen Kirche damit die tiefsten Wunden schlagen, Wenn man einem sechszehnjährio>en Dienstmädchen odep

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