Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1861)
- Date
- 1861-07-30
- Page
- Seite 444 (sequence 6)
- Language
- German
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444 sten Zeiten hinauf und, bis auf die neuesten Zeiten hinab, indem mit der „Schöpfung der Welt" begonnen und mit der „Zulassung der Juden ins englische Parlament" beschlossen wird. Der geschichtliche Leitfaden (S. 1—115) zerfällt in zwei Theile, deren erster die Epoche „von den frühesten Zeiten bis zur Zerstörung des zweiten Tempels", der andere hingegen die Epoche „von der Zerstörung des zweiten Tempels bis auf unsere Tage" behandelt. — Was uns betrifft, so wollen wir es in den folgenden Zeilen nur mit dem „ersten Theile", oder eigentlich nur mit dessen ersten sechs Abschnitten (S. 1—43), — als denjenigen, welche das „biblische Zeitalter" umfassen,— zu thun haben, und zwar aus dem Grunde, weil es uns einzig und allein darauf ankommt, nachzuweisen, wie Herr Elkan in dieser Partie eben gerade das, was er liefern sollte, nämlich die „biblische" Geschichte, am allerwenigsten geliefert hat. Was Herr E. bietet, ist nicht blos von dem Bibelterte zumeist stark differirend, sondern diesem sogar nicht selten schnurstracks entgegen laufend; die „Männer Gottes" treten nirgends als solche auf, indem uns Herr E. an ihnen statt der „göttlichen Sendung" immer nur ein freiwilliges, selbstständiges Handeln wahrnehmen läßt; die Jugend, — die ja doch aus dem Buche lernen, die dasselbe (nach dem Wunsche des Verfassers in seinem „Vorwort zur ersten Austage") zum „Memoriren und Wiederholen" benutzen soll, — sieht nirgends die „Hand Gottes" walten, und das jugendliche Gemüth wird, wo es gerade ganz besonders angeregt und erwärmt werden müßte, abgestoßen, oder wenigstens kalt und thcilnahmlos gelassen. —• Wenn der Unterricht in der Geschichte Israels, so weit sie die biblische Periode behandelt, nur dazu dienen soll, das Kind in das Buch der Bücher, in die Bibel selbst, und durch diese in die Religion Israels einzuführen, oder wenn — mit andern Worten — die biblische Geschichte in der israelitischen Schule, so weit sich dies thun läßt, bloß als Vorbereitungs-, resp. Hülfsmittel für den Bibel- und den Religionsunterricht betrachtet und gehandhabt werden soll, — dann, ja dann wird in wirklich israelitischen Schulen von dem E.'schen Leitfaden kein Gebrauch gemacht werden können.*) Denn Herr E. hat sich in seinem Buche nicht auf den Stand- *) Im Gegentheil: er würde daselbst sogar noch^ großen Schaden anrichten, und zwar vielfach größer», als. nur je von einem fremd geistlichen Schulin spector, oder auch einem Joel Nathan'schen Kinderfreunde zu befürchten wäre. Punkt der Bibel, nicht auf den Standpunkt des geoffenbarten Judcnthüms, sondern vielmehr auf dem der sogenannten „freien Forschung" — die bekanntlich All es zuläßt — gestellt; er ist durchweg ra ti on alistiftff zu Werke gegangen,- und hat nach Geschichtschreibern*) gearbeitet, ja diese— wie er selbst sagt — oft sogar ganz wörtlich abgeschrieben**), welche dem Standpunkte der Gläubigkeit ganz fern stehen. — Indessen wir würden zu diesem Allein kein Wort sägen, ginge Herr E. nicht so weit, seinen Leitfaden auf dessen Titelblatte ganz 8»n8 gfcne als ein Buch „für israelitische Schulen" zu bezeichnen. Das ist am Ende doch etwas zu stärk. Diese drei Worte hätte Herr E. von dem langen Titel immer weglassen können. Denn so viel Verdienstliches auch das Werkchen sonst haben mag***), — ein Buch „für israelitische Schulest' ist es am allerwenigsten. Einige Stellen werden genügen, dieses nachzuweisen.. Beginnen wir mit Abraham, als derjenigen hervorragenden Persönlichkeit, die dem israelitischen Kinde doch gewiß nur in einem solchen Lichte gezeigt werden sollte, daß es für dieselbe immer mehr eingenommen, daß er ihr nachzustreben, sie sich zum Vorbilde zu machen immer mehr angeregt werden sollte. Ucber Abraham sagt nun das Buch (§. 2) wörtlich; „Von seinen Söhnen erkannte er nur den von Sarah gezeugten, Isaak, als rechtmäßig an; Jsmael, seinen Sohn von der Hagar, verstieß er, und die mit seinem zweiten Kebsweibe Keturah gezeugten Söhne fand er mit reichlichen Geschenken ab."— Abra- *) Wie da sind: Jost, Capefigue, Depping, Winter rc., deren Werke Herr; E. benutzt haben will. Er wird aber zugeben, daß diese Autoren ihre Werke am allerwenigsten „für die Volksschule" geschrieben. Jost hat hieran gewiß ifte gedacht. **) Eher zum Schaden, als zum Nutzen des Buches, in welchem, da es doch ein Buch für die Jugend sein soll, auf einen diesem Kreise angemessenen Styl mehr Gewicht gelegt werden müßte. ***) Zu diesem Verdienstvollen zählen wir nicht blos die Fortführung des geschichtlichen »Fadens durch die nachbiblischen Zeiten bis auf unsere Tage, die palästinensische Geographie, den hiezu gehörigen Anhang : „Nachbarstaaten der Israeliten" und die den Schluß des Ganzen bildende „Zeittafel'', •— sondern mehr noch die so reichlich gegebenen (mit kleinerer Schrift gedruckten) literarischen und andern Notizen, ganz besonders aber das Methodische und Systematische in der.Anordnung des Ganzen , wie in der Gliederung der' einzelnen Theile des Buches. '