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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-30 · Heft 31 (30.7.1861) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 31 (30.7.1861)
Date
1861-07-30
Page
Seite 443 (sequence 5)
Language
German
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443 Wenn irgend Etwas die Hochachtung, die wir für Sie und Ihren Charakter empfinden, vermehren könnte, so war und ist es das Schweigen, mit welchem Sie für sich und Ihre Gesinnungsgenossen die erbärmlichen Schmähungen — Angriffe kann man sie so wenig, wie etwa die Ergüsse eines Eckenstehers nennen — beantworten. Allein es ist doch Pflicht der Presse, von Zeit zu Zeit, nicht auf die Jnvectiven eines Lehmann und feiner Helfershelfer einzugehen, wohl aber das Publikum vor diesen zu warnen, und dieselben vor ihm zu. kennzeichnen, damit die weniger Kundigen nicht irre gehen. Es liegt jetzt ein Jahrgang jenes Mainzer Blattes vor, und wer nur einen Einblick darein thut, muß vor dem Abgrunde von Bösartigkeit zurückschaudern, der sich darin öffnet. Ist das ein Erzeugniß der modernen Cultur— dann muß man die Zeiten des „taitsch Chummesch" zurückwünschen! Das wollen „Religiöse" sein?- Diese bezeichnen fich als die „guten Juden"? Das soll „Orthodor" sein? Wie? ist denn Religion und Gemeinheit identisch? Ist ein „guter Jüd" mit Schimpfen, Verleumden, Verdrehen u. dgl. einerlei? heißt „orthodox" roh und niedrig? Fürwahr, noch niemals sind Orthodoxie und Religion ärger an den Pranger gestellt worden. Da ist es denn die Pflicht jedes ächten Juden, ja jedes Mannes, der ein sittliches Gefühl im Herzen trägt, solchem Treiben entgegenzutreten, und unseren Glaubensgenossen zuzurufen; hütet Euch, Ihr thuet Euch nach innen und außen den größten Schaden, wenn Ihr ein solches Blatt nur anrührt, wenn Ihr zu seinem Bestehenbleiben nur einen Pfennig beitraget! Ihr machet das Judenthum lächerlich und verächtlich bei allen Gebildeten außerhalb desselben, gebet unfern Feinden eine mächtige und günstige Handhabe, und bringe: die Orthodoxie in den schlimmsten Geruch bei den Bekennern des Judenthums selbst! Erwäget dies wohl und handelt danach! In der That könnte Niemand Etwas dagegen haben, wenn diese Mainzer und Frankfurter Herren auch ihre Ansichten durch die Presse vertreten haben wollten. Die Thora wird auf tih Weisen ausgelegt — wenn es Jenen eben nur darum zu thun wäre, sich ebenfalls auszusprechen. So lange sie dies auf angemessene und würdige Weise thäten, wäre es Sache Derer, die sie vernehmen wollen, und sie selbst würden gerechtfertigt sein. Ja selbst eine anständige Polemik ist nur vorteilhaft, denn durch solche wird die ganze Wahrheit gefördert. Wenn aber statt gründlicher Erörterung nur leere Phrase, oberflächliches Wortgepränge geboten, dieses aber mit der schändlichsten, lügnerischen Verleumdung und Verketzerung gewürzt- und dies für ächte Religiosität, wahres Judenthum ausgegeben wird, dann thut diese Jämmerlichkeit jedem warm fühlenden Juden wehe, und er ergrimmt darüber, daß solches Wesen unter uns nur möglich sei. Wie? beschränkt sich aber der „Israelit" darauf, nur unter den Juden Zwietracht zu säen? Will er nicht die Kluft zwischen den Juden und ihren christlichen Mitbürgern weiter und weiter machen, die Juden in das alte feindliche Verhältnis zurückbringen, und zwar so, daß es dem Judenthume zur Schmach gereicht, und den Christen rechtfertigt, wenn er den Juden verfolgt? Er macht den Juden aus jeder Höflichkeit, die sie den Christen bezeugen, ein Vergehen, aus jeder Annäherung ein religiöses Verbrechen — und dazu sollte man ganz schweigen? Wenn man den wahren religiösen Standpunkt zwischen der „A. Zeit. d. Jud." und jenem Mainzer Blatte erkennen will, braucht man nur die verschiedene Art und Weise zu beobachten, mit welcher die Verstorbenen und Todten behandelt werden. Wenn ein frommer, orthodoxer Rabbi stirbt, wie wird sein Name in der „A. Zeit, d. Jud." geehrt, sein Andenken gefeiert, sein Verdienst hervorgehoben. Und nun sehe man, wie dieser „Mainzer" auf die Gräber der verdientesten Männer tritt, wenn sie nicht zu seiner Clique gehörten, und dazu gehört ja von solchen .Niemand, wie er ihre Grabsteine mit Koth bewirft! Ihr sagt, sie seien im Jrrthum gewandelt? Nun, wir glauben, daß Jene auch im Jrrthum gewandelt. Aber „das Gericht ist Gottes", und wer aufrichtig und getreuen Herzens gewesen, der ist lobenswerth, mögen seine Ansichten auch nach unserer Anschauung irrig gewesen sein. Doch wozu solchen Menschen predigen. Die Hauptsache ist, daß dgs Publikum in entschiedener Weise sich davor wahre, daß falsche Nachgiebigkeit nicht dem Schlechten und Verderblichen Raum lasse, daß Jedermann sich verpflichtet fühle, Pech nicht anzufassen, weil er sich damit jedenfalls besudelt. W. Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. d. Oder, im Juli. Von M. Elkan's „Leitfaden beim Unterricht in der Geschichte der Israeliten" ist unlängst die fünfte Auflage erschienen, welche — außer einem kurzen Abriß der Geographie Palästinas — auch um eine bis zum Jahre 1858 hinabreichende Zeittafel vermehrt ist. Wie die letztere, so reicht auch der geschichtliche Leitfaden bis in die älte-

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