Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1861)
- Date
- 1861-07-30
- Page
- Seite 442 (sequence 4)
- Language
- German
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reits Beim Beginn des Mittelalters keinen Grund und Boden in Deutschland besitzen dürfen, durchweg falsch ist. Das gegen die Israeliten in den meisten Ländern erlassenem Verbot, sich anzukaufen, ist eine zum Schutze des kleinen Grundbesitzers ergriffene Maßregel aus einer Zeitals schon die Juden nicht mehr den levantinischen Handel in Deutschland und Frankreich besorgten, als sie vielmehr bereits, und . meistens blos durch die äußere Gewalt/ von Groß-Kaufherren zu feilschenden Detailverschleißern geworden-waren. Dagegen ist es eine ausgemachte Thatsache, daß: sie sich in der Mehrzahl von vorn herein nicht angekauft haben. Der Grund dieser Erscheinung ist ein doppelter. In erster Linie gestattete ihnen der in ihren Händen liegende ausländische Verkehr nicht, feste Wohnsitze zu gründen und so nebenbei Ackerbau zu treiben. Der Handel der früheren Zeit erforderte ein fortwährendes Hin - und Herreisen; eine Nothwendigkeit, die es sattsam darthut, warum die seßhaften germanischen Stämme nicht sogleich in die commercielle Periode übergehen. Und zweitens war in dem Feudalverbaüde des Mittelalters, selbst noch unter den Hohenstaufen, sehr wenig Land zu Kauf feil. Wie konnte cs auch einem freien Grundbesitzer damals einfallen, sein Allod, von dem er lebte, gegen Geld zu veräußern, für das es ja nichtwie gegenwärtig, Zinsen tragende Anlagen gab? Es wäre demnach für die Juden nur übrig gewesen, als Lehnsleute der Adeligen einzutreten, woran sie aber, wenn sie nicht Leibeigene werden wollten, der auf das Evangelium zu leistende feudale Huldigungseid verhinderte. Später, als sie in Deutschland Reichskammerknechte, d. h. nicht an die Scholle gebundene Leibeigene des Kaisers geworden waren, konnten sie auch sich Niemandem anders mehr zu eigen geben, um dadurch festen Fuß auf dem Acker zu. gewinnen. Mithin blieben sie an Abstammung, Bekenntniß und Geschäft zugleich Fremdlinge in den Ackerbauländern; in welcher Eigenschaft sie dann unterlagen, als die Geschlechter der Städte und die mit dem Christenthume eng verwebten Zünfte und Innungen der Handwerker den Verkehr des beweglichen Eigenthums an sich zu reißen begannen. Verloren aber auch dergestalt die Israeliten, die Schälet der alten Phönizier, den Weltwaarenhandel an das Bürgerthum Europas, das sie doch erst hervorgerufen hatten, so war damit ihre handelsgeschichtliche Mission noch keineswegs beendet. Wie in der körperlichen Welt die Natur bei ihren Schöpfungen in jeder Hinsicht sparsam und haushälterisch zu Werke geht, wie sie fast immer die Stoffe absterbender Gebilde zu neuen Organisationen, still schaffend, zu benutzen weiß, so scheint 'sie auch Menschheitsgeschichte keinen einmal ausgesponnenesi und verwebten Faden je ganz verloren geben, sondern stets aufs Neue, obschon in veränderter Weise, benutzen zu wollen ein geheimnißvolles, gesellschaftliches Walten, das bisher die Aufmerksamkeit der Historiker viel zu wenig auf sich gezogen hat. Aus den Gewerben der Städte theilweise ver^- drängt, geht der Jude aufs Land hinaus und bildet wiederum für die von dem Handel noch unberührten Gegenden das System der Capillarcanäle, welches den in den Hauptadern pulsenden Strom des Güterlebens in die entlegensten Theile des Organismus führt. Als Hamster des ökonomischen Getriebes sammelt er die nebenEkMHden Staub getretenen Fruchtkörner der allgemeinen ErnIMuf; um mit dem so gewonnenen Capitale, ein Vorläufer "Ger nachfolgenden größeren Geschäftsverbindungen, den Hirten und den Bauern in das über den ganzen Erdball verbreitete Netz des Austausches von Rohprodukt und Fabrikat hineinzuziehen. Das Auge auf den gesummten, in allen seinen einzelnen Theilen ineinander greifenden Bau der europäischen Gesellschaft gerichtet; muß man sich eingestehen, daß der Jude am Anfang des Mittelalters eine wirthschaftliche Nothwendigkeit war und in den reinen Ackerbauendem auch gegenwärtig noch nicht entbehrt werden kann. „Wo dagegen die Israeliten sich in den Städten zu halten wußten, nehmen sie fortan den Geldhandel vorwiegend in ihre Hand; auch ein Erbtheil ihrer phönizischen Vorfahren, mit welchem die jungen Völker Europas noch nicht umzugehen wußten — sie legen daselbst den Grund zu dem Banquierthum unserer Tage." tSchluß folgt.) Krotoschin, im Juli. Die Gegner. Sie haben Recht, Herr RedacteUr, wenn Sie den Verketzerungen und persönlichen Schmähungen Ihrer jesuitischen Gegner, die den Namen „Orthodox" so sehr compromittiren, daß man sich, dieser Bezeichnung nachgerade schämen muß, beharrlich eine Nichtbeachtung entgegensetzen, welche freilich! die Wuth solcher nichtigen Menschen nur immerfort mehrt. Ein Blatt, wie die „A. Zeit. d. Jud."> würde sich wenig ehren, wollte es derartige Scribler als sich ebenbürtig betrachten. Das wäre ein schlimmes Zich das es nach fünfundzwanzigjährigem Bestände erreicht hätte.