Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1861)
- Date
- 1861-07-30
- Page
- Seite 441 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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nomisch-sociLles -Element -mit, unverändertem Inhalte und unverändcrter/Form aus dem altasiatischen Dasein zu Lheil geworden^ Die. große Wichtigkeitdesselben für dasneu beginnende- Wirthschaftsleben des Mittelalters wird indessen erst dann Mit . voller Klarheit hervortreten, wenn wir die gesellschaftlich-staatliche Rückwirkung des Geldumlaufs innerhalb der -Ackerbauverhältnisse auf der weiten Fläche auseinandergclegt haben. An dieser Stelle genüge zum Schluß die Bemerkung, daß,, falls nicht während des Zusammenbruches der römischen Herrschaft die jüdischen, im Welthandel beschäftigten Kaufleute die Verbindungsglieder zwischen Asien und Europa gebildet und somit als TrägW'Ads beweglichen Eigcnthums den ersten socialen Gärungsstoff in das agricole Dasein von Mitteleuropa gebracht hätten, daselbst das.Bürgerthum mit seinen Städten und, der aus ihm sich losringenden Staatsentwicklung schwerlich so früh auf dem Schauplatze erschienen wäre. Den auf ihren Gehöften hinlebenden Adeligen und Bauern konnte .es nicht einfallen, mit den ihnen völlig unbekannten asiatischen Handelsplätzen Geschäftsbeziehungen anzuknüpfen. Der neue, binneneuropäische Völkerhaushalt bedurfte demnach einer ökonomisch-socialen Beimischung, welche ihn mit der Außenwelt in Berührung setzte. Das ist am Ausgange des Alterthums und am, Anfänge des Mittelalters die Ausgabe der heimathlosen, ewig beweglichen, Juden, von denen Augustin erwähnt, „daß sie oft als junge Männer ihre jungen Frauen verließen und erst als Greise zu den Greisinnen zurückkehrten .... " Die Weltgeschichte umfaßt manche gcheimnißvoll waltenden Kräfte!" . Welches. Moment die Juden aus dieser großartigen Position verdrängte,.: und wie sie selbst dann noch ein wichtiges Mittelglied im Verkehre blieben, stellt der Verf. S. 43 folgendermaßen dar: „Das deutsche Bürgerthum, welches König Heinrich „mit reichen Vorrechten beschenkte", wurzelt in wirthschaftlicher Hinsicht recht eigentlich an der Donau und haterst, von dort aus die Adelsgeschlechter in den Städten, des Westeys, ökonomisch wie politisch zu zersetzen begonnen. Aus demselben Boden entspringt aber auch der im zehnten Jahrhunderte in der Mitte von Europa zuerst sich ■ einstellende Gegensatz, der einheimischen Bevölkerung zu den fremden Juden. An den. Küsten des mittelländischen Meeres, in Spanien,, im südlichen Frankreich und in Genua, wo die von Aegypten kommenden israelitischen Kaufleute, noch die Reste römischer Einwohnerschaft im auswärtigen Verkehre thätig fanden, also die wirthschaftliche Vermittlung der Hebräer im Handel mit dem Auslande weniger nothwendig war, hatten sie sich von vorn herein keinersonderlich freundlichen Aufnahme zu erfreuen gehabt. Gerade wegen der Strenge/ mit welcher die Westgothen gegen -die Juden -in Betreff ihres Wuchers verfuhren, sollen diese dem Eindringen der Araber in die pyrenäische Halbinsel, allen möglichen Vorschub geleistet haben. Am zahlreichsten waren sie noch im Süden von Gallien. Hier trieben sie einen sehr ausgebreiteten Händel, indem sie ihre Maaren aus der Levante erhielten, von Narbonne, Toulouse, Marseille und Ayde aus mit Zeugen, Parfümerien, Juwelen, Gold- und Silberarbeiten die Märkte bezogen und bei einer zahlreichen Flotte eine Zeit lang fast den ganzen gallischen Seehandel in ihren Händen hatten. Aber schon das Pariser Concilium vom Jahre 615 unter Chlotar dem Zweiten verschloß' den Juden jedes staatliche Amt. Weitere Bedrückungen fotzten nadj, so daß sie 848, gleichfalls aus Rache, die Stadt Bordeaux an die Normannen verriethen. In Deutschland dagegen, welches die Israeliten lange in hohen Ehren hielt, und wo sie, zu großen Reichthümern gelangt waren, wurden sie erst nach völligem Erblühen des Donauhandels, den sie namentlich in Regensburg gleichfalls an sich zu reißen suchten, von dem selbstständiger werdenden deutschen Bürgerthum allmählig bei Seite gedrängt, da nun nicht mehr, wie noch unter den Ludolfingern, Jude und Kaufmann gleichbedeutend war. Bis dahin hatte Karl der Große den Juden nur verboten gehabt, Frucht- und Weinhandel, d. h. Handel mit einheimischen Produkten zu treiben, und sie gelegentlich gestraft, wenn sie goldene und silberne Kirchengcräthe an sich'brachten, -welche die Geistlichen an sie verkauften. Je mehr dann aber im elften Jahrhunderte -die westlichen-Städte des deutschen Kaiserreiches in die Höhe kamen, um so wilder wurde der Haß derselben gegen die Juden, welche bis dahin als Kauflcute dieselben Rechte, wie die übrigen Bürger, besessen hatten. Durch den Wettbewerb der zum Handel übergehenden Städter auf dem nationalen Boden, den der Verkehr in ganz Europa mit der weiteren Entwickelung des Bürgerthums anzustreben begann, wurde der israelitische Fremdling immer weiter aus dem Betriebe des großen zwischenländischen Austausches verjagt und fortan einzig auf den'Schacher und Wucher hingewiesem Denn Fremdling war der Jude trotz der seit seinem ersten Auftreten verflossenen Jahrhunderte in dem agricolen Europa geblieben. Es läßt sich zwar urkundlich Nachweisen, daß die gewöhnliche herrschende Ansicht/ der Hebräer habe be- 31*