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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-23 · Heft 30 (23.7.1861) · p. Seite 432

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 30 (23.7.1861)
Date
1861-07-23
Page
Seite 432 (sequence 10)
Language
German
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432. Dagegen soll in Ausnahmefällen dem Minister die Berufung eines Katholiken - oder- Juden empfohlen werden.,; Für; die Zulassung von Juden aber gegen die der Katholiken sprach besonders der hegelianische Philosoph Rosenkranz, .weil der Katholik die. Wissenschaft seinem kirchlichen Dogma unterordnen müsse.— Dagegen schreibt.!man neuerdings:Am 2. Juli hat die hiesige Universität die Schlußsitzung über die Frage der Aufhebung ihres specifisch protestantischen Charakters gehalten. Der Antrag, den Passus des §.105: „Der-ursprünglichen Stiftung gemäß dürfen an der Königsberger Universität nur Evangelische als Lehrer zugelassen und angestellt werden," völlig zu streichen, ist mit einer Majorität von 46 gegen 15 Stimmen angenommen worden. Damit waren diejenigen Vermittlungsanträge erledigt, die sich mit einer Modifikation dieses Passus •> unter verschiedenen Vorbehalten besonderer Llualification bestimmter Stellen und Ehrenämter begnügen wollten. Der jetzige siotus guo hat außerordentlich wenig Fürsprecher gehabt, die Zahl dieser dürfte sich,- wie die schriftliche Abstimmung der Minorität ergeben wird, vielleicht auf 4 oder 5 belaufen. Bei der Abstimmung handelte es sich also nur darum, ob andere Confessionen bloße Zulassung oder Gleichberechtigung erlangen sollten. Nachdem die Universtität Königsberg ihr Votum für das volle Princip der Verfassung: „Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre" abgegeben , werden ihr hoffentlich Halle, Greifswalde und Bonn, die trotz unseres Staatsgrundgesetzes ebenfalls noch ähnliche ausschließende Bestimmungen in ihren Statuten haben, bald folgen. Der Beschluß geht nunmehr an die Regierung zur Bestätigung. Oesterreichischer Kaiserstaat. Krakau, im Juni. In Krakau hatder neue Rabbiner seine Amtsthätigkeit damit begonnen, daß er allen jüdischen Frauen verbot — Crinolinen zu tragen, und zugleich die Weisung ergehen ließ, Frauen in diesem Aufzuge , in den Synagogen nicht zuzulassen!. — (Und diese Weisung wird beobachtet? Und von der Wahl dieses Mannes haben auch die sogenannten Gebildeten in Krakau so viel Lärmens gemacht?) Nikolöburg, 7. Juli. (Privatmitth.) Die Ansprüche, die. das Leben und das Judenthum an die Bolsschulens stellen, sind so groß und mannigfach, daß jedes Bemühen, ihnen zu entsprechen, schon von hinlänglicher Wichtigkeit istum der Veröffentlichung übergeben zu werdem Die glänzenden Erfolge, welche an unserer vierelassigen Hauptschule durch den von unserm h ochverehrten Direktor vr. M.. .Eisler gleich bei feinem Antritte eingeführten Unterrichtsplan erzielt worden, veranlaßt mich, etwas näher in den erwähnten Unterrichtsplan einzugehen. Schon in der Isten Claffe werden die Kleinen, die in der Kinderbewahranstalt fertig lesen lernten, beim Bibelunterrichte auf die Conjugation des Verbum aufmerksam gemacht; in der 2ten Claffe, wo sie die zwei ersten Bücher des Pentateuch lernen, nehmen sie zugleich das ganze Verbum (vollständige, mangelhafte und ruhende), so daß die Schüler der 3ten Claffe, wo die Biegung des Nomen und das 3te und 4te Buch Mosis nebst den Büchern Josua und Richter genommen wird, schon imUebersetzenleichter Bibelstellen, sich selbst helfen könnem Die Schüler dieser Claffe fangen schon an, bei dem eigens angestellten Talmudlehrer in das Lesen der Mischna eingeführt zu werden. Auch lesen sie ein ausgewähltes Stück aus dem rnmin “mra. Die Schüler der 4ten Claffe, welche wegen des ausgebreiteten hebräischen Unterrichtes aus zwei Jahrgängen besteht,: tragen das 3te Buch Mosis nach, wiederholen den jedesmaligen Wochenabschnitt; die erftjährigen, die täglich eine Stunde Talmud lernen, nehmen den ersten Theil der Psalmen und die Bücher Samuel; die zweitjährigen haben täglich einen zweistündigen Talmudunterricht, lernen den 2ten Theil der Psalmen und die Bücher der Könige. Außerdem werden sie fleißig im Uebersetzen aus dem Hebräischen ins Deutsche und aus dem Deutschen ins Hebräische geübt. Dieser ausgebreitete jüdische Unterricht wird aber keineswegs auf Kosten der deutschen Lehrgegenstände betrieben.. Dafür spricht schon der Umstand, daß bei der neulich stattgefundenen Visitation des k.. k. mährisch-schlesischen Statthaltereirathes, eines Mannes, des Fortschrittes, sich derselbe höchst günstig über den Stand der Schule äußerte und sie zu den besten Schulen zählte, die er auf seiner Inspektionsreise getroffen.. Auch wird an der Schule nach > Kräften dem ästhetischen Gefühle Rechnung getragen, so daß zu dem schon längst eingeführten Gesangunterrichte im heurigen Schuljahre der Instrumentalmusik-Unterricht hinzugekommen und durch das, rastlose Streben des für alles - Schöne und Gute

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