Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1861)
- Date
- 1861-07-23
- Page
- Seite 431 (sequence 9)
- Language
- German
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431 Stadtverordneten vorzulegen und erwarten wir von denselben, daß sie durch offenen Beitritt zu unserem Proteste, resp. durch Enthaltung von dieser gesetzwidrig beschränkten Wahl das Recht der Stadt und deren Verordnete wahren werden, eventuell bit- . tenwir Ew. Wohlgeboren, diesen Protest dem Wahl- : Protokolle einzuverleiben und die höhere Entscheidung zu veranlassen." Gleichzeitig wurde dem Oberpräsidium der Provinz Anzeige von diesem Proteste gemacht, mit dem Gesuche ,>das Landrathsamt anzuweisen-, der Stadt und den jüdischen Verordnten das gesetzlich zustehende Wahlrecht unbeschränkt einzuräumen." Das liberale „Bromberger Wochenblatt" und selbst die ministerielle „Posener Ztg." brachten sachgemäße Artikel über diese Wahlbeschränkung. Die Wahl fand jedoch dennoch mit Ausschluß der Juden statt; aber vier, und zwar die gewichtigsten Stadtverordneten traten dem Proteste ihrer jüdischen Collegen bei, und enthielten sich der Wahl, so daß nur eine winzige Minorität, von der wiederum Einer für einen Juden stimmte, die Wahl vollzog, Noch ehe aber das Landrathsamt von dem eigentlichen Wahlacte Kenntniß hatte, erfuhr es bereits aus den öffentlichen Blättern von der Protestation, und erhielt auch schon die Weisung vom Oberprästdium, die Wahl zu annulliren. Das Oberpräsidium erließ gleichzeitig eine Circularverfügung an sämmtliche Landräthe des Inhalts, daß zwar in der ersten Verfügung auf den allgemeinen, die Provinziallandtagswahlen betreffenden Erlaß aus dem Jahre 1854 (der Zeit Westphalens) Bezug genommen, dabei aber nicht vorausgesetzt worden, daß die späteren Rescripte, welche das Wahlrecht der Juden constatiren, unberücksichtigt bleiben würden. Wie wir hören, fand diese Ausschließung in verschiedenen Kreisen der Provinz, aber von den Juden unbemerkt, statt. Es werden nun jetzt, wie in unserem Kreise an mehreren Orten, auch anderswo neue Wahlen geschehen. Neues ist nun durch diese Agitation nicht errungen. Aber wir haben wiederum erfahren, wie nothwendig es sei, daß überall die größte Wachsamkeit herrsche, um jeder Verkümmerung unserer Rechte entgegenzutreten. Hier ist das desfallsige Wächteramt durch unfern Rabbiner, Herrn vr. Friedmann, gut gesichert; kaum hatte derselbe von der geschehenen Ausschließung Kenntniß, und sofort bewirkte er all die gethanen Schritte. In der so eben hier stattgehabten neuen Wahl wurde ein christlicher Bürger zum Wahlmann'und ein Jude (Buchhändler Kallmann) züm Stellvertreter gewählt. Auch in Erin wurde, um gegen die hier geschehene Ausschließung zu demonstriren, ein Jude (der Vorsteher Hirschberg) zum Wahlmann gewählt. — Ich kann diese Corresp'ondenz nicht schließen, ohne noch einem Gefühl Ausdruck zu geben. Es indignirt, wenn der Herr Lehrer Weyl das Bestreben, die jüdisch-confessionelle Schule von der Inspektion der evangelischen Geistlichen zu befreien, förmlich ironisirt. Wenn man bisher unterlassen, seine Ansichten hierüber zu widerlegen, so sollte er die Gründe dieses Schweigens ganz wo anders suchen, als in einer etwaigen Billigung. Sollte es wahr sein, daß die große Mehrzahl der jüdischen Lehrer, wenn sie darüber abzustimmen hätten, sich für die christlichen und gigen jüdische Inspektoren erklären würden, so würde dieses die größte Anklage gegen die Gesinnung der jüdischen Lehrer involviren, zugleich auch eine dringende-Mahnung an die jüdischen Schulvorstände für Bestallung jüdischer Inspektoren, die jedenfalls wirklich inspicirten und nicht blos auf einen einmaligen Besuch durchs ganze Jahr ihre Tätigkeit beschränkten, zu wirken. Allein Rest, der selbst dem Lehrberufe nicht fern steht, und daher die Personen und Verhältnisse genau kennt, kann versichern, daß die große Mehrzahl der tüchtigen Lehrer jene Behauptung als eine sie entschieden verletzende zurückweist. Herrn Weyl's Recenston über die zweite Auflage des von Herrn Joel Nathan für die israelitische Jugend bearbeiteten Kinderfreundes von Preuß und Vetter erkennen wir als verdienstlich an. Auf S. 95. jenes Buches findet sich folgender Satz: „Gott ist der Grund der Schöpfung und der Heiland Jesus Christus der Grund aller Seligkeit."*) Was sagt man wohl zu einer solchen Bearbeitung eines Buches für die jüdische Jugend?! Königsberg, 4. Juli. Die auch in d. Bl. öfter besprochene Frage über die Anstellung von Nichtprotestanten an hiesiger Universität wird nun bald zu einer bestimmten Entscheidung kommen. Das eoncilium generale (Gesammtheit der ordentlichen Professoren) der Universität zu Königsberg hat die Aenderuttg der Statuten in dem Sinne, daß Katholiken und Juden den LehrstuhlTbesteigen dürfen, abgelehnt. *) Wir bemerken, daß schon vor 14 Tagen Herr W. diese Stelle als Ergänzung seiner Recenston uns eingesandt hat. Redaction. 30