Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-23 · Heft 30 (23.7.1861) · p. Seite 425

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 30 (23.7.1861)
Date
1861-07-23
Page
Seite 425 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226256-3226287--19603-3248628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mals an 500 Quadratmeilen^ die Bevölkerung war sehr stark, da es viele dicht bewohnte Städte gab; die Eroberung durch die Römer ging systematisch vor fich, so daß Jerusalem zuletzt daran kam, und vor dem Falle desselben schon ein großer Theil der Juden außer Landes gezogen war. Zu derselbigen Zeit waren außer den zahllosen Scharen der Juden in ganz Asten schon Griechenland, die Inseln des mittelländischen Meeres, Italien, besonders Rom, selbst Spanien, Gallien und ein Theil Deutschlands von jüdischen Colonien bewohnt, welche sicher nicht von Alexandrien aus gegründet worden, sondern wohin die Juden aus Palästina und Syrien gezogen ^aren. Der beste Beweis hierfür liegt darin, daß die alerandrinischen Juden in geistiger Beziehung den übrigen gegenüber standen; sie übersetzten die h. Schrift ins Griechische, bildeten eine alerandrinisch - griechische Literatur, erbauten einen eigenen Tempel, und hielten sich abseits von der mischnisch-talmudischen Entwickelung, die ihren Hauptsitz dauernd in Palästina und Babylon behielt.*) Würden aber die europäischen Israeliten von den alerandrinischen abstammen, so hätte sich deren Geiftesrichtung bei ihnen fortgepstanzt, während das Gegentheil stattfand. Wir haben uns dies vielmehr so zu denken: während die palästinensischen Juden, wie es sich von selbst verstand, in ihren agricolen Verhältnissen verblieben, wie dies auch Josephus nachdrücklich betont, waren die nach Babylon, nach Syrien, nach Aegypten und Europa versetzten, vertriebenen und verzogenen Juden ohne Grundbesitz, ohne großes Vermögen/ nur mit den leichtbeweglichen Gütern versehen, welche sie hatten mitnehmen können. Außer Denen, welche zu Tagelöhnern wurden, waren sie daher von selbst auf den leichteren Erwerb durch Handel angewiesen, zu welchem sie rasch griffen und sich schnell entwickelten. Wir haben hier dieselbe providentielle Operation, wie hinsichtlich des Cultus und der Theologie der Juden. Noch während der Opferdienst in Jerusalem bestand, bildeten sich die Synagoge und das Institut der Lehrhäuser aus, so daß nach dem Falle Jerusalems die Existenz des Judenthums schon ebenso gesichert war, wie die der Juden selbst durch die in der halben Welt schon zerstreuten Gemeinden. Ebenso war; wahrend in Palästina der agricole Mutterstamm noch bestand, schon ein großer Theil der Juden in den übrigen *) Davon weiß freilich Herr Kieffelbach wenig, der S. .22 sagt: „Dort (in Alexandrien) entstanden die Mischna und Gemara, die Grundlagen des späteren Talmud." Ländern zu einem Handelsvolke geworden.— Wie Dem aber auch sei, „lange vor dem Entstehen des Christenthums", sagt der Vers., „gab es bereits in den verschiedensten Städten des Abend - und Morgenlandes kaufmännische Gilden der Israeliten. Von Aegypten aus halten sie so zu sagen mit der einen Hand in Afrika, Arabien, Persien, Indien und China die Spezereien, Baumwollen- und Seidenstoffe.*) Und die Finger ihrer andern Hand faßten über eine Reihe von Niederlassungen auf Candia und den Inseln des ägyptischen Meeres in die Donauthäler, nach Italien, Frankreich und Spanien hinein." (Fortsetzung folgt.) Darf ein Jude adelig werden? Wie die öffentlichen Blätter vermelden, sollen an den König von Preußen gelegentlich seiner bevorstehenden Krönung zahlreiche Gesuche um Nobilisirung gelangt sein, und Fama berichtet, daß auch mehrere von Juden darunter seien. Ein junger, gestnnungstüchtiger Mann sandte uns daher unter obiger Rubrik einen Artikel ein, den wir aber nicht aufzunehmen vermögen, weil er, nach unserer Ansicht, mehrere geschichtliche Jrrthümer enthielt und viel zu extrem war. Aeußern wir uns daher über die gedachte Frage. Der Adel reicht allerdings bis in das graueste Alterthum hinein, und war bei Juden und Aegyptern, bei Griechen und Römern heimisch. Wer kennt nicht die Vorrechte der römischen Parricier, und daß es einen großen Kampf kostete, bevor Heirathen zwischen ihnen und den Plebejern gestattet waren. Die mosaischen Institutionen machen eine Ausnahme davon, und in der That hat es bei den Juden außer dem Priesteradel, der selbst in Palästina nur eine cultuelle Bedeutung hatte, niemals einen Geburtsadel gegeben. Gleichheit der Rechte war und ist das Grundprincip des Judenthums. Von diesem Standpunkte aus muß gefragt werden: ob der Adel mit bestimmten und sich vererbenden factischen Vorrechten verbunden ist oder nicht? Im ersteren Falle ist er durchaus unjüdisch, und ein Jude handelt wider den Geist seiner Religion, wenn er den Adel nachsucht oder annimmt. 3m letzteren Falle, wenn nämlich der Adel zu einer geselligen Bezeichnung herabgekommen und nur noch gesellige Beziehungen bedeutet, wo er *) Der Vers, schreibt den Periplous einem alerandrtnischen Juden zu. so*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.