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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-16 · Heft 29 (16.7.1861) · p. Seite 417

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 29 (16.7.1861)
Date
1861-07-16
Page
Seite 417 (sequence 11)
Language
German
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417 Italien. : Padua, im Juli. (Privatmitth.) Ich weiß nicht, worauf die Behauptung des Corresp. aus Oberitalien in der Nr. 23 der A. Z. des Jud. fußt: daß „die Eristenz unserer Rabbinerschule nicht mehr so gefährdet ist als es früher war." Vielleicht hat diese Aussage der Rechtsspruch des Unterrichtsministeriums veranlaßt, .der den Bescheid der Statthalterei bestätigt,' das Gesuch der mantuaer Gemeinde, um Aufhebung dieser schule zurückweist und sie ferner zur Unterhaltung der Anstalt lnitzusteuern verurtheilt. Aber diese hohe Entscheidung hat die Lage der Sache um Nichts gebessert. Die widerspenstige Gemeinde leistet jetzt einen passiven, hartnäckigen Widerstand. Sie bezahlt nicht und will nicht bezahlen. Die anderen, die Gemeinde von Padua ausgenommen, sind nicht viel besser gesinnt. Bor einer Aufhebung scheuen sie sich zwar, aber sie thun nichts, um die Anstalt aufrecht zu erhalten; im Gegentheil tragen sie nicht wenig bei, um ihren Fall zu beschleunigen. Der obere Verwaltungsrath in Venedig. (Re vis io ne) konnte, das Privilegium fiscale rechtmäßig benutzend, die Mantuaer zur Bezahlung zwingen, aber er zieht vor, die Beamten der-Anstalt darben zu lassen (sie sind seit acht Monaten nicht bezahlt, und es ist keine Aussicht da, daß dieser unerträgliche Zustand so bald aufhöre), als zu diesem kräftigen und unvermeidlichen Mittel zu greifen. Bei so bewandten Umständen kann die Auflösung nicht lange ausbleiben. Vordem inneren Verfalle kann nur eine Grundverbesserung die Schule retten, aber es ist Niemand da, der den Willen, das Wissen und den Eifer dazu besitzt. Die Anstalt leidet an einer Erbsünde: die groben Fehler, die bei ihrer Errichtung begangen worden und die sie zugleich zu untergraben anfingen. Ferrara, im Juni. (A.reh. isr.) Das vaterländische Fest des zweiten Juni war von allen italienischen Israeliten mit dem lebhaftesten Enthusiasmus begangen worden, und namentlich hatte zu Ferrara der Rabbiner eine den Umständen angemessene Rede gehalten, als die schreckliche Nachricht von dem Tode des Grafen Cavour überallhin Bestürzung verbreitete. Es ist unmöglich, die allgemeine Trauer zu beschreiben., Der Großrabbiner von Turin folgte, begleitet von dem Verwaltungsrathe des Tempels, dem Sarge des unsterblichen Patrioten; die israelitische Gemeinde von Livorno hat zehntausend Francs in der Sammlung unterschrieben, die eröffnet ist, um ihm ein Denkmal zu errichten; mehrere Gemeinden versammelten sich in ihren Synagogen, um für seine hochherzige Seele zu beten, und unsere muthigen Glaubensgenossen in Mantua (im österreichischen Italien) hielten zu Ehren des berühmten Verstorbenen einen Trauergottesdienst in ihrer schönen Synagoge ab. Die ferrarischen Juden, die den zweiten Juni mit so vieler Pracht gefeiert hatten, fühlten einen unwiderstehlichen Drang, in der Religion einen Trost für ihren Schmerz zu suchen. Sie vereinigten sich alle in einem ihrer Tempel, der in Trauerschmuck gekleidet warz Leichenkerzen erhellten ihn schwach; ein düsteres Schweigen herrschte in der ganzen Versammlung, die stumm und gebeugt war unter dem Gewichte dieses Nationalunglücks. Der ehrwürdige Rabbiner Askoli hielt eine kurze Rede, die einen tiefen Eindruck hervorbrachte. Nachdem er in wenigen Worten die ausgezeichneten Dienste aufgezählt hatte, die der berühmte Minister seinem Vaterlande leistete, erinnerte er an die Zeichen der Zuneigung, mit denen er die Israeliten überhäufte, die Erkenntlichkeit, die wir ihm schulden, und forderte, indem er hervorhob, daß unsere so tolerante und menschenfreundliche Religion es uns erlaubt, für das Seelenheil aller Menschen zu beten, uns zu stiller Sammlung und zum Gebete für die edle Seele dieses großen Mannes, der den Stolz von Italien ausmachte, auf. Der Vorbetcr sang sodann in rührender Melodie einige Psalmen von David, denen er das Kadisch folgen ließ. Diese religiöse Ceremonie ist ein neues Zeugniß der Toleranz und allgemeinen Menschenliebe, die unseren Glauben auszeichnen. Bei uns sagt man nicht: „Außer der Synagoge kein Heil"; im Gegentheile, die tugendhaften Menschen sind zum ewigen Glücke berufen, welcher auch ihr Glaube sei: abwh nini« fcoin pbn orte tö\ Unser Gott ist kein besonderer ausschließlicher Gott, der im Voraus den größten Theil seiner Geschöpfe zu den ewigen Strafen , verdammet. Er ist der Vater aller Menschen, der unparteiische Richter, der Herr der Barmherzigkeit, der Freund der Tugendhaften, der Beschützer Aller. Leone Ravenna. Aegypten. Aus Kairo wird der „Augsburger Allgemeinen Zeitung" berichtet, „daß die Geistlichkeit der dortigen 29 **

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