Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1861)
- Date
- 1861-07-16
- Page
- Seite 416 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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41« Hrn. Anwalt Frenckel von Kaiserslautern zu ihrem Präsidenten wählte, beschloß. nach gründlicher Discussion einstimmig, von einer Adresse an die Kammern abzusehen, da kein Gesetz der Pfalz zur Ausschwörung eines Eides more juäsieo verpflichte, also auch nicht um Aufhebung eines derartigen Gesetzes petitionirt zu werden brauche. Um jedoch den bei den pfälzischen Gerichten noch herrschenden Usus der Auferlegung solcher Eide zu beseitigen, wählte die Versammlung einen besonderen Ausschuß, dessen freiem Ermessen die Wahl der hiezu zweckdienlich scheinenden gesetzlichen Mittel, und Wege, etwa'Veranlassung eines Caffationsurtheils, überlassen wurde. In diesen Ausschuß wurden gewählt: die HH. Frenckel aus Kaiserslautern, Sim. Levi aus Landau, Karl David aus Speyer, S. Maas aus Frankenthal und Em. Mayer aus Dürkheim. Ein hierauf, gestellter Antrag, eine Reform der inneren und äußeren Cultusverhältniffe, insbesondere auch durch geeignete Vorschläge zur Revision der allerh. Verordnung vom 27. Januar 1854 herbeizuführen, fand ebenfalls ungetheilten Beifall, und es wurde auch zu diesem Zweck ein besonderer, aus neun Mitgliedern bestehender Ausschuß gewählt. Ebenso einmüthig stimmte die Versammlung einem Vorschläge des Hrn. vr. Präger bei, auf die Gründung eines süddeutschen israelitischen Lehrer-Seminars hinzuwirken, nachdem der Antragsteller hervergehoben, daß dieses Project in Baden bereits.in Anregung gebracht und von den israelitischen Glaubensgenossen mehrerer süddeutschen Staaten beifällig ausgenommen worden sei. Preußen. Berlin/ 2. Juli. (Privatmitth.) Se. Maj. der König hat dem Rabbiner S utro in Münster, der vor Kurzem, wie auch in d. Bl. referirt worden, sein ^jähriges Amtsjubiläum gefeiert hat, den rothen Adlerorden vierter Classe verliehen. Die „K. Z." schreibt hierüber: „Die Verleihung des rothen Adler-Ordens an den greisen Ober-Rabbiner Sutro in Münster ist in Preußen die erste Ordens-Verleihung, deren sich ein Rabbiner überhaupt zu erfreuen hat. Weiland König Friedrich Wilhelm III. verlieh grundsätzlich keinem Nicht-Christen einen Orden, und es ist bekannt, daß er den ihm vom Prinzen August von Preußen selbst zum Orden vorgeschlagenen jüdischen Major von der> Artillerie, Burg, nicht deeorirte. Der verewigte König verlieh dagegen Letzterem und zwar an seinem Geburtsfeste (15. Oct.) 1841 den rothen Adler-Orden vierter Classe- und zwar die allgemein landesüblichen Insignien, die-auch spater noch Juden verliehen wurden. Erst 1852 wurde, mittels einer nicht veröffentlichten, an die General-Ordens- Commission gerichteten Cabinets- Ordre die besondere Decoration „für Nicht-Christen" (ein Stern statt des Kreuzeöl eingeführt, deren Abschaffung nunmehr wieder im Werke ist, da man diese abzeichnende Decoration weder im Kirchenstaate noch in Spanien, noch in Rußland oder Griechenland kennt, in welchem letzteren Lande sogar der Erlöser-Orden Mohamedanern Und Juden verliehen wird." — Zu Letzterem bemerken wir, daß es ein Jrrthum ist, wenn man bei dem griechischen „Erlöserorden" an den Stifter der christlichen Religion denkt. Vielmehr ist derselbe zur Erinnerung an die Befreiung Griechenlands gestiftet worden. — Jedenfalls ist diese Ordensverleihung an . einen Rabbiner ein neuer-Fortschritt in Preußen, wenn man sich auch erinnern mag, daß Friedrich Wilhelm III. vielen Juden das eiserne Kreuz aus den Schlachtfeldern verlieh, und nur erst später zur Ausschließung der Juden zurückkehrte. In Deutschland ging übrigens auch hierin Preußen nicht voran, sondern der König von. Württemberg ertheilte vor einigen Jahren dem Rabbiner vr. Maier in Stuttgart zu seinem» 25jährigen Amtsjubiläum einen Orden, Der erste Rabbiner, der decorirt wurde, war Co l o gn a, Großrabbiner von Paris, der die Ehrenlegion erhielt, wie auch sein Nachfolger Ennery und der jetzige, Ullmann. Außerdem sind decorirt: der Großrabbiner von Belgien, vr. Lob, und der 'Oberrabbiner Dr. A. W o l ff in Kopenhagen. Wenn wir dies aufführen, so geschieht es nur, weil es ebenfalls einen Gradmesser der Achtung abgiebt, in welcher das Judenthum bei den resp. Regierungen steht, , Rußland. Mitau, im Juni. (Privatmitth.) Am 21. Mai fand hier in der großen Gemeindesynagoge die erste feierliche Confirmation von 5 . Mädchen statt, _ welche der Herr Rabbiner Salomon Pucher, nachdem er die Confirmandinnen seit October v. I. unterrichtet hatte, mit glänzendem Erfolge vollzog. Sowohl »die Predigt, in welcher der Redner unter Anderem die. Nachtheile der Chedarim nachdrücklich und überzeugend darlegte, als auch. die. Religionsprüfung machten den lebhaftesten Eindruck. I}[ : ...