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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-16 · Heft 29 (16.7.1861) · p. Seite 415

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 29 (16.7.1861)
Date
1861-07-16
Page
Seite 415 (sequence 9)
Language
German
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415 Es sind bereits Schritte gethan worden, welche eine Verständigung zwischen Rabbiner Stein und dem' Gemeindevorstande in Aussicht stellen, und hat Letzterer in dieser Hoffnung auch die Fortführung des Rabbinats an Rabbiner Stein provisorisch überlassen. — r. Aus Bayern, Anfangs Juli. tPrivatmitth.) Seitdem die bayerischen Israeliten von dem lange Jahre hindurch gleich einem schweren Alp sie drückendenMätrikelnachweise bei. Ansässigmachungen durch Beschluß der beiden Stände des Reiches befreit worden sind, fühlt sich Alles wie neu geboren, und freudige Hoffnung kehrt schon jetzt in die Herzen derselben ein. Sind wir auch damit noch nicht in den Vollgenuß aller Rechte der übrigen ^Staatsangehörigen gelangt, fehlt uns auch noch Manches zur vollständigen Gleichberechtigung: so ist es eben das freudige Bewußtsein, daß das Fehlende bald Nachfolgen werde, was uns zur Zeit den Mangel desselben weniger empfinden läßN Wird nun vollends die nach einer Erklärung des Ministers im Kammerausschusse als offene Frage betrachtete Anstellungsfähigkeit der Israeliten zu Aemtern bald in einem uns günstigen Sinne gelöst, so haben wir alle Ursache, Mit unserer Lage zufrieden zu sein, und sind unserer Staatsregierung zu hohem Danke verpflichtet.^ Möchten aber auch zur Bestätigung dieses Dankes alle Israeliten des Reiches in Erfüllung ihrer staatlichen Pflichten stets mit einander wetteifern, ohne dabei ihre religiösen Anforderungen außer Acht zu lasM. Erfreulich, ist es, in letzterer Beziehung berichten zu können, daß in manchen Gemeinden sich neues Leben regt. München, als Hauptstadt, eröffnet, wie sich's gebührt, den Reigen. Nach langem Zögern ist endlich das Bedürfniß zum Durchbruch gekommen, einen neuen Prediger in der israelitischen Gemeinde anzustellen. Eine nicht geringe Zahl von Concurrenten soll sich um diese Stelle eingefunden haben. Es sind auch bereits mehrere Berufungen zur Abhaltung von Probepredigten erfolgt, ohne daß man sich bis jetzt übereine bestimmte Persönlichkeit' einigen konnte. Wie überall, so fällt auch hier die Wahl unter so vielen Bewerbern schwer. Dem Vernehmen nach sollen durch die Concurrenten die verschiedensten religiösen Richtungen vertreten sein. Es ist aber als sicher anzunehmen, daß ein dem Fortschritte in des Religion huldigender Bewerber aus der Wahlurne hervorgehen wird, da ein Repräsentant der orthodoren Richtung, obwohl durch reiches Wissen und große Kanzelberedsamkeit hervorragend, seine Supplik in kluger Voraussicht zurückgenommen Haben soll. — Zu den vacanten Rabbinerstellen im diesseitigen Bayern zählt auch das Ortsrabbinät Reckendorf in Unterfranken, das vor Kurzem noch der in Ihren Blättern mehrfach genannte Herr vr. Werner, zur Zeit Districts-Rabbiner in Burgebrach, inne hatte. Die zwar kurze, aber dennoch so gesegnete Wirksamkeit dieses Mannes bleibt seiner Gemeinde ewig unvergeßlich. Es läßt sich daher wohl mit gutem Grund annehmen, daß bei Wiederbesetzung der erledigten Stelle auf einen Mann Rücksicht genommen werden wird, der im Sinne und Geiste seines verdienten Vorgängers zu wirken versteht und die von diesem bereits eingeführten Verbesserungen im Gottesdienste, so wie den-in dortiger Gemeinde herrschenden wahrhaft religiösen Geist zu erhalten und weiter zu führen bestrebt ist. Ewig Schade wäre es, wenn durch die Wahl eines der altorthodoren Schule ungehörigen Mannes alle die bereits liebgewonnenen Reformen dem früher hergebrachten Schlendrian wieder Platz machen müßten. Und daß die Thätigkeit der Männer aus letztgenannter Schule sich am liebsten auf diesem Felde, nämlich im Eifern für die Piutim und gegen die Haarlocken der Brauer ergeht, während sie sich sonst im süßen Nichtsthun gefallen, ist leider eine nur zu bekannte Thatsache. Möge deshalb die dortige Gemeinde mit der erforderlichen Vorsicht bei Aufnahme ihres Rabbiners zu Werke gehen und sich lieber einem benachbarten Rabbinate anschließen, als ihre Zuflucht zu einem Manne nehmen, der in seinem blinden Eifer die bisher daselbst heimisch gewesene Eintracht und Einigkeit in das Gegentheil umzuwandeln vermöchte. Man vertraut dem gesunden Sinn der Reckendorfer, daß siediesem wohlgemeinten Warnungsrufe ihr Ohr nicht verschließen werden! Ludwigöhafen, 24. Jnni. Das von uns aus München besprochene Urtheil in Sachen des Eides more jiidaico in der bayr. Pfalz hat eine weitere Bewegung zur Folge gehabt, wie folg. Corr. der „Pf. Z." von hier berichtet. Die wegen Abschaffung der Eidesform more judaico gestern dahier abgehaltene Versammlung von Israeliten war so zahlreich aus allen Theilen der Pfalz besucht, daß das für dieselbe bestimmte Local im „Hotel Wölf" sich als unzureichend erwies und die mit großer Bereitwilligkeit überlassenen Räumlichkeiten des Casino benutzt werden müßten.! Die Versammlung', welche 29

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