Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1861)
- Date
- 1861-07-16
- Page
- Seite 414 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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414 das Erhabenste zu verherrlichen? Dabei hat mau den Vortheil, daß man nicht nöthig hat, sich künstlich zu begeistern; denn was ist es, das so leicht eine natürliche Begeisterung hervorzurufen im Stande wäre, als jener Gedanke! Dazu gehört aber auch ein geläuterter, musikalischer Geschmack, dem das Wesen der geistlichen Musik nicht fremd sein darf; dazu gehört das Studium der besten Kirchenmusiken aller Zeiten; dazu gehört Geläufigkeit in den Regeln der Tonsetzkunst und Sicherheit in Handhabung derselben; denn wie. kann man zu predigen versuchen, wenn man noch nicht im Stande ist, richtig zu sprechen! Was soll man aber zu dem „Schma Jisrael" No. 2. auf der ersten der beiden beregten Seiten sagen? — Schma Jisrael, das erhabenste Wort in unsrer heiligen Lehre, der Angelpunkt, um den sich die Religion Israels dreht, das Kleinod, das uns überall hin begleiten,. um uns sein soll, wenn wir zu Hause, wenn wir auf Reisen sind, das'uns in der Sterbestunde den letzten Trost gewährt; — müssen nicht alle die erhabenen Gefühle, die uns bei diesen Gedanken ergreifen, wiedergegeben werden in den Tönen, die bestimmt sind, sich diesem Terte anzuschmiegen? —: muß das musikalische Gewand , in das sich diese Worte kleiden sollen, nicht edel sein wie das Antlitz selbst, das uns daraus entgegenstrahlt?! Betrachten wir aber die Musik des Mayer-Staab'schen „Schma Jisrael", so ist dieselbe nicht einmal ein alltägliches Kleid, ja, es dient nicht einmal dazu, die Blöße des edlen Leibes zu decken. Ich habe selten eine geistliche Musik gesehen, die weniger enthalten hätte, als diese; es ist ganz unmöglich, mit so vielen Noten weniger, zu sagen, als darin enthalten ist. Dazu kommt noch ein so nichtssagendes Solo. Was beim Chore an Melodie mangelt, läßt sich durch gewählte und eigenthümliche Harmonie ersetzen, so daß das Ganze immer anziehend sein kann. Beim Solo fällt das weg und muß daher durch Melodie fesseln. Lassen wir aber alles Das dahingestellt sein, so vermuthet man doch wenigstens in solchem Werke einen reinen musikalischen Satz, aber auch den sucht man vergebens. Ich wiederhole hier meinen Vergleich von oben: „Wie kann man predigen wollen, wenn man nicht einmal richtig zu sprechen im Stande ist! " Weit entfernt, ein sogenannter Quintenfteffer zu sein, gestehe ich den Quinten sogar ihre Berechtigung in gewissen Fällen zu, — aber solche wie vom dritten zum vierten Tacte zu bringen, in den Oberstimmen liegend und deshalb schlecht klingend, — das wagt nicht einmal, ein Schüler, der erst drei Wochen Unterricht in der Harmonielehre gehabt. — Zudem enthalten die letzten Tacte desselben eine so alltägliche, zum Ueb'erdruß gehörte süßliche Wendung, daß es Einem widerstehen muß, adonai echod danach zu singen. . Etwas besser gehalten ist der Chor von Hecht: ems8 weemunoh auf der zweiten Seite; aber auch hier stellt sich Einem ein so süßlicher, moderner, und deshalb leicht vergänglicher Styl entgegen; auch hier begegnen wir orthographischen Fehlern (Octaven vom sechsten zum siebenten Tacte); auch hier zeigt sich hauptsächlich in den beiden letzten Tacten eine so falsch angebrachte Sentimentalität, — daß man schließlich wünschen muß, es wäre der schlechteste Theil des Werkes zur empfehlenden Probe gewählt worden, weil man dann noch hoffen könnte, daß der andere Theil desselben einen erfreulicheren Eindruck gewähren würde. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 1. Juli. (Privatmitth.) Die eingehende Besprechung, welche Sie in den letzten Nummern Ihrer gesch. Zeitung unserer Rabbinatsangelegenheit widmen, hat in unserer Mitte* die verdiente Beachtung gefunden und eine nicht geringe Sensation gemacht. Ihr ebenso treffendes, als einschneidendes Urtheilüberzeugt jeden Einsichtigen und erzwingt die Zustimmung aller Redlichgesinnten, so daß es jDie ruhige Entwickelung und erwünschte friedliche Lösung unserer Wirrniß fördern muß. Insonderheit verdient hervorgehoben zu werden Ihre scharfe Definition des Begriffes einer jüdischen Gemeindebehörde und die Begrenzung ihres Geschästskreises, was, so zu sagen, den Nagel auf den Kopf trifft. Indessen hat auch die separatistisch orthodore Gemeinde mit ihrem Anhänge in der Nähe und Ferne sich zu ftüh verrathen und> ihr Gelüste, sich der Zügel der Herrschaft zu bemächtigen, an den Tag gelegt; das vorlaute Frohlocken ihrer noblen Organe über den Fall ihres Widersachers, den Sturz aller Reformfteunde darin erblickend, hat auch die Gleichgültigen und Fernstehenden in unserer Gemeinde wach gerufen und zur Abwehr der drohenden-Gefahr aufgestachelt.