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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-16 · Heft 29 (16.7.1861) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 29 (16.7.1861)
Date
1861-07-16
Page
Seite 412 (sequence 6)
Language
German
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in Israel und auch nach außen hin sich erworben hat, ist am Morgen des 1. Juli nach kurzem Krankenlager im noch nicht ganz vollendeten 6Osten Lebensjahre verschieden. Was dieser ausgezeichnete Mann für das Allgemeine geleistet und zu welcher Ehre er den deutschen Israeliten gereichte, ist bekannt und anerkannt. Unserer Gemeinde aber war er der Glanz und Schirm seit dem Beginne seines öffentlichen Wirkens, d. h. seit mehr denn 35 Jahren. Das Emancipationswerk der sächsischen Israeliten fand an ihm seit dem Jahre 1831 einen unermüdlichen, vorzüglichen Vorkämpfer in Wort und Schrift. In seinem 30jährigen, fast ununterbrochenen Vorsteheramte wirkte er -rastlos für das geistige, wie für das materielle Wohl der Gemeinde, und die schönsten Vereine, die das intellektuelle, moralische und materielle Wohl fördern, nennen ihn ihren Begründer oder ihren Verbesserer; so namentlich der „Mendelssohnverein" zur Förderung der Wissenschaft, Kunst und Gewerbe bei der israelitischen Jugend; das „Krankenunterstützungs-Institut", der Verein zur Ausstattung armer Bräute u. s. w. Er förderte ganz besonders die Erbauung unserer Synagoge und brachte diesem Werke selbst bedeutende Opfer, und wo immer etwas das Recht und die Ehre unseres Glaubens oder unserer Glaubensgenossen betraf, da entging es ihm gewiß nicht, und er fand keine Ruhe, bis er das Nöthige veranlaßt- Kürz, man kann ihn, der nur für die Gemeinde dachte Md fühlte, deren Haupt und Herz nennen. Aber mit seinen großen Vorzügen für das Allgemeine verband er einen Wohlthätigkeitssinn und ein liebenswürdiges, kindlich reines Gemüth, die am besten Diejenigen ermessen können, welche das Glück hatten, sich zu seinen Freunden oder Angehörigen zählen zu dürfen. Das feierliche Begräbniß fand Mittwoch am 3ten dieses unter regster Theilnahme und Begleitung sämmtlich er Gemeindeglieder und vieler christlichen Mitbürger statte Am Grabe sprachen außer dem Oberrabbiner Dr. Landau der Herr Oberrabbiner Dr. Z. Frankel, Direktor des Rabbiner-Seminars, welcher als langjähriger, intimer Freund von Breslau hergekommen war, Herr vr. Goldschmidt, Prediger in Leipzig, und Herr Dr. G. Wolf aus Wien. Der Verlust unserer verwaisten Gemeinde ist eben soschmerzlich, wie unersetzlich. Sein Andenken aber wird als das eines Gerechten und Edlen im vollsten Sinne segens-. reich unter uns fortleben. L. Vor einer Stunde traf der obige Artikel bei uns ein. Die Nachricht ergriff uns um so schmerzlicherje unerwarteter sie kam, da wir von der Erkrankung oder nur einem Kränkeln des verehrten Hingeschiedenen keine Kunde hatten. Dr. B. Beer war einer unserer ältesten Freunde und Mitarbeiter. Kaum war Anfangs 1834 das erste Heft unseres „Predigt- und Schulmagazins" erschienen, als der Verewigte einen Briefwechsel mit uns anknüpfte, bereits schätzbare Beiträge für diese Monatsschrift lieferte, und seitdem ununterbrochen nicht blos die regste, sondern auch die thätigfte Theilnahme an allen unseren Veröffentlichungen nahm. Sowohl als öffentlicher Charakter, wie als Freund stand uns der Verewigte so nahe und in so hoher Achtung, daß durch seinen Tod die schmerzlichste Lücke bewirkt wird. In einer solchen Stunde den Werth und das Wirken des Verklärten in gerechter und vollständiger Weise zu würdigen, ist unmöglich, und wir behalten uns daher vor, ihm auch in diesen Blättern ein angemessenes Denkmal zu errichten. Dr. Ludwig Philippson. Literarischer Wochenbericht. Cottbus, im Juni. Zwei Notenseiten, oder bescheidene Wünsche zur Veredlung der Synagogenmusik von Emil Breslaur. — Eine Recension über irgend ein Werk der Wissenschaft oder Kunst kann nur dann wahrhaft nutzenbringend sein, wenn der Leser das beurtheilte Werk auch kennt und seine Ansichten darüber mit den in der Recension ausgesprochenen vergleichen kann. Ich will nun heute zwei Notenseiten besprechen aus dem Grunde, weil sich dieselben in den Händen aller Mitleser dieser Zeitung befinden, die deshalb ihre Ansicht darüber mit der meinigen vergleichen können. Es sind dies die beiden Notenblätter, die neulich als Probe der „Synagogengesänge von Mayer und Staab" der A. Z. d. I. als Beilage gegeben wurden. Ich muß gleich gestehen, daß ich aus dem angeführten Werke nur diese beiden Seiten kenne, daß man sich aber nach diesen dennoch ein Urtheil über das ganze Werk wird bilden können, da die Probe eines Werkes, die dasselbe empfehlen soll, doch jedenfalls einen nur wirklich empfehlenswerthen Theil desselben enthalten wird. Vorher jedoch will ich noch einen Blick auf die heutige Synagogenmusik werfen, will zeigen, wie sie ist, wie sie sein soll, um einen besseren Maßstab für das beregte Werk zu haben. In der Einleitung zum kleinen israelitischen Gesang- Luche von Dr. Philippson spricht der Dichter die Erfahrung aus, daß der eigentliche Choral in dem jüdischen Gotteshause nicht Wurzel fassen will

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