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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-09 · Heft 28 (9.7.1861) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 28 (9.7.1861)
Date
1861-07-09
Page
Seite 402 (sequence 10)
Language
German
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403 Großbritannien. London, im Juni. Wenn wir es längst aufgegeben haben, die vielfachen Erfolge jüdischer Persönlichkeiten in der Musik aufzuzählen, so sind dagegen die Malerei, Bildhauerkunst bis jetzt von Juden in ausgezeichneter Weise nur noch in einem geringeren Maße ausgeübr worden, und es wird daher immerhin nützlich sein, hierauf noch dann und wann einen Blick zu werfen. Das Jew. Chron. zählt die Gemälde auf, welche jüdische Künstler zu der gegenwärtigen Kunstausstellung in der Königlichen Akademie geliefert haben, jedoch mit der Bemerkung, daß ihm vielleicht noch einige entgangen sind, von denen es keine Kunde. So lieferte Prof. Hart die „Heilige Elisabeth, Königin von Ungarn, Almosen an die Armen austheilend", die „Dilettanty“; Herr A. Solomon den „Trost" und den „Eingebildeten Kranken"; Herr S. Solomon stellte aus: „Ein junger Musiker am Laubhüttenfest beim Tempeldienst angewendet"; Miß R. Solomon: „Die Arretirung eines Deserteurs"; Herr P. Lerin: „Rouge et noir — das Innere eines deutschen Kursaales"; der ausgezeichnete D. Brandon hat folgende Zeichnungen geliefert: „Grafton Manor House, Worcestershire", „Südwestliche Ansicht eines Rathhauses", so wie endlich die Zeichnung einer neuen Kirche; der Maler Lemon brachte ein Bildniß des Prinzen Ernst von Leiningen. Rußland. Friedrichstadt (Kurland), Mai. (Privatmitth.) Durch ein Rescript an den Vorsteher der Mitau'schen hebräischen Kronsschule ist dem Lehrer, der hebräischen Religion und Sprache an derselben, Herrn R. I. Wunderbar, im vorigen Semester nachstehendes officielle Belobungsschreiben zugckommen. „Ministerium der Volksaufklärung, Dorpat'scher Lehrbezirk rc. rc. Mitau, den 7. December 1860/ No. 207. An den Religionslehrer der hebr. Kronsschule, Herrn R. Wunderbar. Aus dem Berichte des Jnspectors der KronSschulen über die von ihm vollzogene Revision der Schulen des Kurländischen Directorates hat Seine hohe Ercellenz, der Herr Curator ersehen, daß die Mitau'sche hebr. Kronsschule die einzige hebräische Schule ist, welche den Anforderungen völlig entspricht. Auf Grundlage dieses Zeugnisses habe ich den Auftrag, Ew. Wohlgeboren den Dank Seiner hohen Ercellenz, des Herrn Curators für den bewiesenen Eifer zu eröffnen. fgez.) Schulinspector Kuhlberg." Nachdem Herr Wunderbar sein Opus „Biblisch- Talmudische Medicin" beendet hat, geht er damit um, eine „Biblisch-Talmudische Naturgeschichte" herauszugeben, deren Materialien er bereits gesammelt, und nur noch den Stoff zu ordnen hat. Wenn wir gleich in dieser Branche bereits viele vortreffliche Arbeiten besitzen (so z. B. Or. Lewysohn's Zoologie des Talmuds und mehrere andere), so sind wir doch gewiß, daß seine Arbeit keine unnütze sein wird. Der Umstand, daß die hebräischen Kronsschulen in Rußland nicht floriren und den Erwartungen nicht entsprechen, ist meist weniger die Schuld der an diesen Schulen angestellten Lehrer, welche größtentheils ihre Pflicht mit dem größten Eifer, und der strengsten Gewissenhaftigkeit erfüllen, als vielmehr der Zähigkeitder meisten Gemeinden, die ihre Kinder schlechterdings nicht in die Schule schicken wollen und sie lieber den dumpfen Räumen der Chedarim anvertrauen, um da ihren Geist zu ertödten und sie so zu n^b heranzuziehen. So äußerte sich neulich ein blutarmer Schneider, der die Kaffe der rrmn nivbn zur Bezahlung des feiltet hoffnungsvollen Knaben ansprach, auf die Frage, warum er sein Kind nicht in die örtliche Kronsschule schicke, wo er dm Unterricht unentgeltlich genösse und auch den zur Jetztzeit so unentbehrlichen allgemeinen Fächern Rechnung getragen werde: sein vielversprechender Sohn sei in dem Alter, wo es Zeit wäre, ihn zum Jüden heranzubilden. Dabei muß man sich freilich nicht verhehlen, daß hier wieder zumeist die Jntriguen der Melamdim, die durch die Schulen ihre Eristenz gefährdet sehen, nicht zu verkennen sind. — Trotz der höhern Orts letzthin erflossenen Licenz, den Kindern, deren Eltern darum ansuchen, den Religionsunterricht zu erlassen, — der als ein Stein des Anstoßes angesehen ward, wiewohl er in nichts Anderm als in dem Uebersetzen der Bibel, der Gebete, Maimonides und Chaje-Adam besteht, — haben sich nur Wenige der Reichern Herbeigelaffen, ihre Kinder den Schulen anzuvertrauen, indeß die Mehrzahl der Eltern der unbemittelten Claffe angehört, die sich gemeiniglich nur nothgedrungen dazu hergiebt. Während die Christen die Juden um diese zu ihrem Besten errichteten Kronsschulen beneiden, wollen diese ihren Vortheil nicht einsehen. Es wäre wohl an der Zeit, inne

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