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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-09 · Heft 28 (9.7.1861) · p. Seite 401

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 28 (9.7.1861)
Date
1861-07-09
Page
Seite 401 (sequence 9)
Language
German
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401 irr israelitischen Gemeinden übliche Meinungsverschiedenheit auch hier entgegen, laßt sich dennoch in der uneigennützigen Willensfestigkeit unseres neu gewählten Gemeindevorstandes, zu welchem die Herren Moritz Rechnitzer, A. Gottlieb und M. Wiener vorzüglich gezählt werden, das Durchführen desselben zuversichtlich voraussehen. . L—n. Frankreich. Paris, im Juni. Nach der Ver. isr. geht das Central-Consistorium damit um, eine allgemeine Unterstützungskasse für die jüdischen Cultusbeamten, ihre Wittwen und Kinder zu gründen, und soll hierzu eine Subscription veranstaltet werden, zü' welcher jeder Theilnehmer jährlich nur 50 Centimes (4 Sgr.) beisteuern soll. Man setzt voraus, daß die Reichen unter den französischen Israeliten die Anstalten mit bedeutenden Stiftungsfonds versehen werden. — Die Generalversammlung der Alliance israälite universelle hat den 30. Mai Abends stattgefunden. Ungefähr 200 Personen wohnten ihr bei. Herr Carvalho las einen Bericht, nach welchem die Gesellschaft jetzt 7—8000 Frcs. besitzt. Allgemein Interessantes fiel in der Sitzung nicht vor. Gegen Ende derselben entstand eine Discussion über die Organisation des Vereins, die aber ein bestimmtes Resultat nicht hatte, indem das Weitere der provisorischen Commission überlassen wurde. — Der Banquier Bischofsheim hat eine Stiftung gegründet, deren Renten sich auf 15,000 Frcs. belaufen (4000 Thlr.), von denen die Hälfte in Paris, die andere Hälfte in Amsterdam und Frankfurt zur Unterstützung junger Israeliten, die sich den verschiedenen wissenschaftlichen Carrieren widmen, angewandt werden soll. — Eine Mlle. Rouget hat dem Consistorium von Paris für dessen Wohlthätigkeitsanstalten ihr ganzes Vermögen, bestehend in 120,000 Frcs. (32,000 Thlr.) hinterlaffen. Dem israelitischen Hospital in Metz hat ein Protestant dieser Stadt 13,000 Frcs. (3466-/3 Thlr.) vermacht, so wie ein Israelit, der unbekannt bleiben wollte, ihm ein Geschenk von 5000 Frcs. (1333^3 Thlr.) machte. — Der Rabbiner, der am Grabe L l el e w e l s sprach, ist Astruc. — Die „Gazetta des Tribunaux“ in Paris berichtet über folgenden Vorfall, der abermals erweist, wie die katholische Propaganda in Frankreich weder Ungerechtigkeit und Ungesetzlichkeit, noch die Verletzung der natürlichen Bande scheut, um im Dunkel der Klöster ihr Werk zu vollenden. Die Gerichtsbehörde hat in Riom einen Proceß erhoben, der wahrscheinlich eine Berühmtheit erwerben wird, wie die Angelegenheiten Mallet und Mortara. Der Gegenstand der Verfolgung, die persönliche Stellung der Angeklagten, Alles scheint das allgemeine Interesse nicht nur in einem beschränkten Kreise, sondern auch in ganz Frankreich erregen zu müssen. Eine junge Jüdin, Sarah Meyer genannt, war seit ihrer zartesten Kindheit von ihrem Vater, einem Hausirer, einem seiner in Clermont wohnenden Glaubensgenossen, Herrn Estener, anvertraut worden. Als dieser vor zwei Jahren starb, ernannte er zum Testamentsvollstrecker den in Riom wohnenden ..., der die damals fünfzehnjährige Sarah aus einem Motiv, das die öffentliche Meinung noch nicht hat entschleiern können, in seine Familie aufnahm. In diesem Zeitraum erfährt Herr Meyer den Tod des Herrn Estener; er eilt nach Riom, um seine Tochter zurückzufordern; aber Bitten, Drohungen, Alles war zuerst unnütz. Man könnte nicht, sagte man, einem Israeliten ein junges Mädchen wiedergeben, das man zur Abschwörung seines väterlichen Glaubens und Annahme der katholischen Religion vorbereitete. Auch entzieht man, ohne auf die Verzweiflung dieses unglücklichen Vaters zu achten, sein Kind seinen Nachsuchungen, indem man es bald in dieses, bald in jenes Haus, zuletzt aber in eines der Klöster der Stadt versteckt. Aber Herr Meyer war immer wachsam, und seine Anstrengungen waren auf dem Punkte, vom Erfolg gekrönt zu werden, als die frommen Beschützerinnen der jungen Sarah sie in männlicher Kleidung nach Tours abreiftn ließen, von wo sie nach Aurerre geschickt wurde. In dieser Stadt und zwar in einem Kloster fand Herr Meyer nach langen vergeblichen Nachforschungen seine Tochter wieder; jetzt haben sie vereint sich beider Justiz beschwert. Schon sind vier Leute, von denen zwei wenigstens sich der allgemeinen Achtung erfteuen, kurz nacheinander unter der Anklage der Verführung von Unmündigen arretirt worden. Die Untersuchung hat ihren ununterbrochenen Fortgang; es ist wahrscheinlich, daß die Sache vor die nächsten Sitzungen der Geschworenen des Departements Puyde-Döme wird kommen können. 28

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