Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1861)
- Date
- 1861-07-09
- Page
- Seite 403 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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403 zu werden, daß das Cheder nicht mehr den Anforderungen der Zeit genügen kann. Es wäre an der Zeit, inne zu werden, daß die weise Regierung nur unser wahres Wohl erzielt, indem sie jedes Verdienst wohlwollend lohnt, den Fortschritt bereitwillig fördert und sich die geistige Ausbildung der Israeliten ihrer Staaten angelegen sein läßt, b^ önb aicab. A. E. Warschau, 26. Juni. lBresl. Ztg.) Die Harmonie zwischen Polen und Juden hat, wie es scheint, nicht lange gestand gehabt. Bekanntlich fand beim Beginne unsrer Bewegung eine herzliche Verbrüderung statt und die „Kaufmännische Ressource" sowohl als die Zünfte beschlossen einstimmig, alle Juden, die sich um das Vaterland verdient gemacht hätten, in ihre Corporation aufzunehmen. Das hat sich jetzt plötzlich geändert. Es sind nämlich bei Einladung zur Wiedereröffnung der geschlossen gewesenen Ressource von Seiten des Vorstandes die jüdischen Mitglieder übergangen worden und die Zimmerleute haben die Aufnahme eines jungen israelitischen Mannes in ihre Zunft, trotz dem, daß er die besten Zeugnisse aufzuweisen und in Deutschland das Eramen^als Baumeister gemacht hatte, verweigert, und zwar lediglich-aus confessionellen Rücksichten. (Ist dieser Bericht der Wahrheit gemäß, so fällt der Vorwurf wahrlich nicht auf die Seite der Juden; sie haben die Hand genugsam ausgestteckt, man stößt sie aber wieder zurück — dann aber verleumdet man frischweg die Juden, sie seien unpatriotisch! Redact. d. Allg. Ztg. d. Jud.) Nordamerika. New- Jork, Mai. Die Welt hat sich umgewandelt. Der Geist hoher Gesinnung, patriotischer Größe und Kräft ist wiedererwacht, und wie er, gleich einem Sturmwinde das Land durchziehend, überall vor sich her politische Scheidewände niederstürzt und zwanzig Millionen Amerikaner zur vereinten Kraftentfaltung hervorrief, so hat er auch unsere israelitischen Glaubensgenossen nicht als die Letzten gefunden, die mit begeistertem Herzen ihm entgegenjubeln. Hier in der großen Handelsmetropole sind gewiß die Opfer, welche die gewaltige Krisis erfordert, die zahlreichsten und härtesten, und unsere jüdische Geschäftswelt wird schwerer als irgend sonst davon bettoffen. Dennoch ist Begeisterung für die gemeinsame heilige Sache die vorwaltende Stimmung und der Balsamtropfen, der in die tief empfangenen Wunden ttäufelt. Es nöthigt in der That dem Beobachter Bewunderung und Hochachtung ab, zu sehen, wie alle Theile der Bevölkerung in Thaten der Vaterlandsliebe.großartig mit einander, wetteifern und unsere Glaubensgenossen in keiner Weise zurückstehen. Es ist kein Regiment vom Staate New-Aork weggerückt, das nicht viele Juden, Gemeine und Ofsiciere in ihrer Mitte zählt. Das sechste Regiment besteht' fast ausschließlich aus Juden. In allen den zahlreichen Hülfsvereinen, die hier wie durch einen Zauber organisirt ins Dasein getreten, nehmen Juden als Mitglieder, Verwalter und thätige Förderer eine beträchtliche Stellung ein. Eine klare, gründliche Würdigung der höchsten Güter, die durch muthwillige Rebellion jetzt in Frage gestellt sind, ist Allen geläufig, und das Bewußtsein der hohen Pflichten, die für jeden Amerikaner aus dieser Sachlage erwachsen, ein allgemeines. — („Sinai.") Anzeigen. ei der hiesigen Synagogen-Gemeinde ist die Stelle eines Cantors, Schächters und Vorlesers der Lchora vacant, welche schon am 1. September c. besetzt werden kann. In ersterer Beziehung wird verlangt, daß der Bewerber so viel musikalische Kenntnisse besitze, um einen feierlichen Gottesdienst mit Chorgesang-Begleitung einführen und in der Elementarschule im Gesänge mit Erfolg Unterricht ertheilen zu können. Ferner wird verlangt, daß der Bewerber eine kräftige und doch angenehme Stimme habe; eben so, daß derselbe ein guter nböi bsa ist, um namentlich an den in polnisch moderner Weise so vorzubeten, daß die Zuhörer andächtig und erhebend gestimmt norden. Als Schächter wird eine gewisse Fertigkeit und Gewandtheit bedingt, indem die hiesige ntrrraj ziemlich bedeutend ist. Für ein jährliches Einkommen von wenigstens 600 Thlrn. wird garantirt; auch wird eine freie, anständige Amtswohnung gewährt. Qualisicirte Subjecte wollen sich zu der vacanten Stelle in frankirten Zuschriften und -unter Einsendung ihrer Zeugnisse über ihre Qualification, streng religiösen und sittlichen Lebenswandel, so wie eines kurzen Abrisses ihrns Lebensganges, melden. Erst nach Einsendung dieser Schriftstücke wird ermessen werden, ob die betreffenden Bewerber zu einem Probevortrage herberufen werden dürsten. Gnesen, im Juni 1861. Der Synagogen-Gemeinde-Vorstand. Ein geprüfter israel. Lehrer, der zugleich Schvchet und Vorbeter ist, kann bei einem jährlichen Gehalte von 100 28**