Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1861)
- Date
- 1861-07-09
- Page
- Seite 397 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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397 daß die Vergleichspunkte in den Midraschim öfters aus einem Kreise gezogen sind, welcher nicht gut zu dem Pathos unserer Predigten paßt, so zutreffend jene an sich auch sind. Daher hierin Vorsicht! Die beiden vorliegenden Predigten nun machen sich ganz trefflich und ihrem Verfasser Ehre. Unter der Anführung mehrfacher Stellen hat die Behandlung des Schristtertes nicht gelitten und die gesammte Predigt fügt sich harmonisch zusammen. — Hierzu gesellen sich noch einige Casualpredigten. Die Feier der Einweihung der neuen Synagoge zu Trier von Oberrabbiner I. Kahn, Trier 1860. Zweite Aussage. Das Heftchen enthält eine Darstellung, wie der Synagogenbau zu Stande gekommen, so wie eine -Beschreibung der Synagoge, Gedichte, Weihegebete und zwei Einweihungsreden. Die letzteren sind in der, von uns früher schon erwähnten Predigtweise des geschätzten Verfassers, der es versteht, in der einfachsten, populärsten Sprache aufs Schlagendste und Zutreffendste seine Zuhörer zu rühren und zu überzeugen. „Die Bestimmung des Gotteshauses, zur Einweihung der Danziger Synagoge von Rabbiner vr. A. Stein. Danzig, 1859." Wir begegnen hier dem Verfasser als Prediger zum ersten Male, und können nach der vorliegenden Rede ihn nur als einen sehr tüchtigen und gehaltvollen Redner begrüßen. Er führt sein Thema in den drei Sätzen durch: „Das Gotteshaus ist das Beförderungsmittel der Wahrheit, das Befcstigungsmittel der Gerechtigkeit und das Bindemittel der Liebe." — „Oralion delivred on ihe 6lt.1i anniversary of tlie home for jewish widovvs and Orphans: January 8t.Ii, 186.1. By Rev. James K. Gutheini. New-Orleans, 1861." Diese Rede, zur Feier des fünften Stiftungstages des jüdischen Wittwen- und Waisenhauses in New-Orleans, bewegt sich in sehr correctem Englisch und spricht sich über den Segen der Wohlthätigkeit, insbesondere den Charakter der jüdischen aus, die die Verschiedenheit der Glaubensbekenntnisse nicht beachte, wie er mit Vorlesung von Documenten aus den Vorgängen'in Syrien erweist. — „Israels Erinnerungen. Predigt bei der am 8. April 1860 im israelitischen Tempel zu Teschen stattgefundenen Dankesfeicr für die erlangte Besitzfähigkeit, gehalten von S. Fried mann, Teschener Kreisrabbiner. Zum Besten des „Fondes zur Gründung von Stiftungsplätzen für die im letzten italienischen Kriege invalid gewordenen Schlesier" dem Drucke übergeben. Teschen, 1860." Eine in jeder Beziehung trefflich gearbeitete Predigt, von wahrhafter Begeisterung durchströmt, die um so mehr an ihrem Platze war, als der Gegenstand wohl des Tankes und der Freude werth. — Zwei Predigten zum Trauergottesdienste um den König Friedrich Wilhelm IV. von Dr. Jacobson in Marienwerder und fli-. Schwarz in Köln. Beide erweisen auch ihrerseits die schöne'Stufe, welche die jüdische Homiletik erreicht hat. — Magdeburg, 24, Juni. Bei dem Buchhändler Ehrmann in Prag erscheinen nächstens zwei Broschüren, die eine vou R a p o p o r t, die andere von Dr. Kämpf; beide in der Frankel'schen Streitfrage, und in objectiver Weise die Principienfrage erörternd. — Der hebräische Tert des Pentateuchs ist Seitens der israelitischen Bibelanstalt in der Stereotypie vollendet, und die Propheten wurden mit gesteigerten Kräften begonnen. — Herr Senior Sachs in Paris schreibt uns: Unlängst verschied hier einer meiner Freunde, Herr Meschulam Ehrlich aus Lublin, im dreiundvierzigsten Lebensjahre. Ich schreibe Ihnen noch unter dem Eindrücke des tiefsten Schmerzes, denn derselbe war einer der ausgezeichnetsten Gelehrten unserer Zeit. Er besaß eine talmudische Gelehrsamkeit, wie der größte Rabbiner Polens, und eine ausgebreitete Kenntniß alter und neuer Sprachen, und war auch in fast allen eracten Wissenschaften sehr bewandert. Außerdem war er ein scharfer und tiefsinniger Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Archäologie und talmudischen Kritik und Sprachsünde. Er hinterließ viele Schriften, die von seiner Frau veröffentlicht und, wie ich hoffe, mit großem Beifall werden ausgenommen werden. Seine biedere und treue Wittwe will für seine zerstreuten Freunde und Anhänger, so wie auch zu ihrer eigenen Beruhigung alles Mögliche thun, um diese Schriften der Oeffentlichkeit zu übergeben und so dem geliebten Dahingeschiedenen ein bleibendes Monument zu errichte». Er verlebte seine Jahre theils in Breslau, theils hier, unabhängig und nur seiner Wissenschaft ergeben, und zwar in so zurückgezogener Bescheidenheit, daß er erst in zwanzig Jahren etwas von sich zu veröffentlichen gedachte. Leider hat ihn der Tod in seinen besten Jahren überrascht. Er arbeitete noch in den letzten Stunden. — Noch mehr aber als seine Gelehrsamkeit glänzte sein Charakter, der alle Tugenden, Biederkeit und die höchste Moral in sich vereinigte. Die wenigen Auserlesenen feinet Umgebung, die ihn näher kannten, werden gleich mir vom tiefsten Schmerze durchdrungen sein und seinen Namen nie vergessen. Herr Rabbiner Isidor wußte auch diesen Mann zu würdigen; er ließ ihm einen hervorragenden Platz an-