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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-02 · Heft 27 (2.7.1861) · p. Seite 386

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 27 (2.7.1861)
Date
1861-07-02
Page
Seite 386 (sequence 10)
Language
German
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386 Israeliten nicht zu zahlreiche Ländereien angekaust haben: nicht durch Ausschließung der Juden vorn Bodenbesitz haben die französischen Gesetzgeber die Wiedergeburt ihres Vaterlandes begründet, sondern indem sie den Landleuten gestatteten, Herren des durch sie bebauten Bodens zu werden. „Hier die letzten Reihen der Brochüre, welchen jeder Liberale von jedem Bekenntniß und Volksstamme aus vollem Herzen beistimmen muß. „Wir hegen den Glauben , daß die Rumänen der vereinigten Fürstenthümer es sich zur Ehre anrechnen werden, in die neue Verfassung das große Princip der religiösen, bürgerlichen und staatsbürgerlichen Gleichheit einzuschreiben, welches das erste Zeichen der Freiheit einer Nation und die Gewißheit ihres Fortschrittes und Glückes ist. Wir haben als Pfänder unserer Hoffnungen die offenkundige Sympathie der ausgezeichnetsten Rumänen, und das schöne Wort des Fürsten, dem Gott und der Volkswille die Macht anvertraut haben, und der, fast nach dem Tage seines Regierungsantrittes, einer Deputation antwortete: „Ich will in den vereinigten Donaufürstenthümern keine Christen und keine Juden, sondern nur Rumänen sehen." „Unser einziger Wunsch ist, daß das Gesetz sobald als möglich diesen großen Gedanken verkündet. Und die Rumänen können gewiß sein, daß, sobald das Gesetz keinen Rechtsunterschied zwischen den jüdischen und christlichen Rumänen machen wird, man auch keinen Unterschied in der Erfüllung ihrer Pflichten wird finden können. Man wird in Rumänien, wie in Italien und Frankreich, die Israeliten in Ergebenheit für das Vaterland mit ihren Mitbürgern wetteifern sehen. „Mögen die rumänischen gesetzgebenden Versammlungen also unserer legitimen Forderung Recht anthun, sie werden in uns gute Rumänen finden." Rußland. Kiew, 19. Mai. Mit tiefem Bedauern haben wir Ihnen zu melden, daß der rühmlichst bekannte, auch in diesen Blättern wegen seiner außergewöhnlichen Humanität gegen die Israeliten vielfach erwähnte Curator des Lehrbezirks im Gouvernement Kiew, Herr Dr. v. Pirogow, seine Entlassung genommen und erhalten. Der Grund liegt in Zerwürfnissen mit dem Herrn Minister der Volksaufklärung und gehört nicht hierher. Am 16. April wurde ihm ein glänzendes AbsDiedsdiner gegeben, welchem außer den Professoren der Universität, Lehrer, Studenten, Beamte, Gymnasiasten, - unter Andern auch der Inspektor einer israelitischen Schule, beiwohnten. Dieser Letztere hielt nach andern glänzenden Reden ebenfalls eine Ansprache an den Gefeierten, welche vielen Beifall ernt^AMSärnmtliche Reden sind in einer Broschüre gesanDDMschienen, die auch in Petersburg große Sensation erreget. Wir hoffen, daß Herr v. Pirogoff bald eine andere Verwendung finden werde, und sicherlich wird er dann dieselbe gesegnete Wirksamkeit bethätigen, die ihm in Odessa und hier so große Anerkennung verschafft hat. Nordamerika. Philadelphia im Juni. Die Flucht eines Rabbinen aus politisch-socialen Motiven ist denn doch ein zu charakteristischer Vorgang unserer Zeit, daß wir ihn hier nicht ausführlicher schildern sollten. Der Dr. Einhorn selbst giebt im Juniheste seines „Sinai" eine ausführliche Schilderung, der wir das Wesentliche entnehmen, indem die Wahrhaftigkeit dieses Mannes einem Zweifel auch nicht im Entferntesten unterliegt. Schon beim Beginne der gegenwärtigen politischen Bewegung durchdrang mich das Gefühl, daß die Luft in Baltimore zu schwül geworden für die Männer, welche nach Amerika zogen, um frei sprechen und schreiben zu können. Wahrheiten, die mit der brennenden Sclavenfrage nur in irgend welchem Zusammenhänge stehen, verloren ihre ehemalige Harmlosigkeit und fingen an, gleichviel ob in Schrift oder Wort ausgeprägt, die Gemüther zu erschrecken oder gar geradezu als Verbrechen zu gelten. Die Berührung des Sclaventhums selber in einem, den südlichen Anschauungen nicht entsprechenden Sinne wurde vollends als ein unerhörtes Wagestück betrachtet, das an Tollheit streife. Zu meinem tiefsten Leidwesen sah ich allmählig auch einen Theil meiner Gemeinde von diesem Fieber angesteckt, und zu seiner Ehre muß hervorgehoben werden, daß die dessallsige Angst nicht blos auf die eigene Person, sondern meistens auch auf die des Predigers oder Editors und die Gemeindemitglieder sich bezog. In der That stand von der tödtlichen Feindschaft, die gewisse Personen in genannter Stadt auf mich warfen, das Schlimmste zu befürchten. Ging man doch damals, als die New- Aorker EveningPost unmittelbar nach dem Erscheinen

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