Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1861)
- Date
- 1861-07-02
- Page
- Seite 385 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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385 niß von denselben haben, mir gefälligst Mittheilüngen darüber zu machen. Dr. G. Wolf, Religionslehrer der israelitischen Cultus- Gemeinde in 2^3. Temesvar, im Juni. (PrivatmM^Mittelst Erlasses vom 10. April hat der hochlRl. Königl. ungarische Statthaltereirath dem hiesigen Magistrate die definitive Bestätigung des Directors und Lehrers der hiefigen israelitischen Musterhauptschule A. Kohn und der Claffenlehrer M. Freund, S. Epstein und A. Deutsch von Seiten der hohen Königl. ungarischen Hofkanzlei angezeigt. Es kann dieses Factum den Beweis liefern, daß auch die hohe ungarische Regierung das jüdische Schulwesen nicht ignorirt, und daß die Befürchtungen einerseits und die Hoffnungen andererseits, als sei den fremdländischen Lehrern dasselbe Loos, wie den stemdländischen Beamten in Ungarn beschieden, grundlos sind. Wie sehr übrigens der benannte Lehrkörper das Bestreben hat, sich dieses besondern Wohlwollens würdig zu machen und seinem neuen Vaterlande mit Leib und Seele anzugehören und dessen Interessen nach Möglichkeit zu fördern, mag folgende Mittheilung des hier erscheinenden, trefflich redigirten ungarischen Journals ^Delejtü“ bestätigen. „Indem wir eben von Schulen sprechen (es war von den hier bestehenden evangelischen Schulen die Rede), können wir nicht unterlassen, zu erwähnen, daß die hiesige israelitische Musterhauptschule, welche, wie bekannt, von der ehemaligen Toleranzsteuer von einer Million Gulden Conv.-M.*) gegründet wurde, jetzt den ungarischen Behörden untergeordnet ist. Ihr früherer germanisirender Organismus wird durch die an derselben angestellten Lehrer am praktischesten dadurch umgestaltet, indem sie sich selbst tüchtig in der ungarischen Sprache machen und mit allem Eifer in derselben unterrichten. So, so, meine Herren Eingebürgerten! Auf solche Erscheinungen gestützt, sagten wir einmal, daß der Ungar nie aussterben könne, da die Ankömmlinge nur seine Anzahl vermehren, während die Auswandernden fortwährend treue Söhne des Vaterlandes bleiben, für sein Bestes und für seinen Ruhm wirken." *) Diese Angabe des geehrten Herrn Referenten beruht aus einem Jrrthum. Corresp. Donaufürstenthümer. Brüssel, im Juni. In Paris wurde in diesen Tagen bei Dentu eine Broschüre ausgegeben: Emancipation israelite en Roumanie. Der hier erscheinende Levant läßt sich darüber folgendermaßen aus: „Vor Kurzem erschien bei Dentu in Paris eine sehr interessante Broschüre über die Israeliten der vereinigten Donaufürstenthümer. Sie ist in französischer Sprache von einem rumänischen Israeliten abgefaßt. Sie macht sicherlich der Glaubensgenoffenschaft Ehre, welcher ein so ausgezeichneter Schriftsteller angehört. Hier eine Bemerkung dieser wichtigen Denkschrift: „Nachdem der Autor das Vorurtheil widerlegt hat, das die Juden als verdammte Race verfolgt, und an das Wort von Jesus erinnert: „Vergieb ihnen, mein Vater", citirt er den Ausspruch des großen englischen Staatsmannes/ Herrn D'Jsraelis: „Die christlichen Völker und Staaten sollten den Juden Emancipation bewilligen, nicht obgleich, sondern weil sie Christen sind. Wir Christen, die wir ihnen unsere Religion verdanken, sollten sie verehren, nicht als unsere Brüder, sondern als unsere geistigen Väter." „In Anbetracht des Rechtes stützt sich der Verfasser auf den juridischen Grundsatz, daß jedes Recht einer Pflicht entspricht und umgekehrt. Wie soll man verlangen, daß der Israelit das Vaterland liebt und ihm dient, wenn das Vaterland ihn nicht als Sohn behandelt, sondern ihm die vorzüglichsten Laufbahnen verschließt? „Ist es nicht ein seltsamer Jllogismus, einem ganzen Volksstamme vorzuwerfen, daß er sich nur auf den Handel und das Wechselgeschäft werfe, und ihm die bürgerlichen und staatlichen Rechte zu verweigern, die aus seinen Mitgliedern, wie in andern Landern, Ackerbauer und Beamte machen könnten? „Was die Befürchtung betrifft, daß die Israeliten sich den Boden aneignen würden, so ist geistreich bemerkt, daß dieses Argument im Widerspruche steht mit demjenigen, welches dieselben Leute gegen sie erhoben haben, nämlich daß sie Wucherer seien, indem ein Mensch, der in Geldgeschäften zwanzig Procent gewinnen könnte, sein Capital nicht im Landbesitz immobilisiren würde, der ihm nur fünf Procent bringen könnte. Aber wenn es gerecht ist, anzuerkennen, daß sich Wucher und Betrug nicht allein unter Juden finden, so muß man doch beobachten, daß in Frankreich, England und Italien die 27