Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-07-02 · Heft 27 (2.7.1861) · p. Seite 384

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 27 (2.7.1861)
Date
1861-07-02
Page
Seite 384 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226256-3226284--19559-3248581
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

384 ten und Länder für sich hätte, sich besonders auf den großen Maimonides stützen, der treu feine, ärztliche Praris übte. . Nur der neue Justizminister ist in seinem Ressort so zärtlich besorgt um das Seelenheil der Juden und appellirt für sie an den Rabbinismus. Warum aber begnügt er sich nicht gleichfalls mit der Geseichte und der Erfahrung? Schon Napoleon I., der das französische Synhedrium berief, hätte ihn der Mühe überheben können, und ein Blick nach dem frommen Holland, wo augenblicklich sogar ein Jude — Dr. Godefroi — Justizminister, also sein College ist, der doch früher daselbst Präsident des israelitischen Conststoriums war, würde ihn vollends beruhigt haben. Und was können die Rabbinen dem Herrn Justizminister antworten? Sie können nur auf den bekannten talmudischen Satz wiederholt Hinweisen, daß „das Staatsgesetz das höchste Gesetz sei" und das Uebrige dem Gewissen des Einzelnen jedesmal überlassen. Die Anfrage also hätte sich der Justizminister v. Bernuth füglich ersparen können, wenn es ihm anders laut der Verfassung mit der Zulassung der Juden zum Richteramte wirklich Ernst ist." — (Wir haben über diesen Gegenstand noch nichts. Thatsächliches erhalten, geben den obigen Artikel, wie er vom „Königsb. Telegr." gebracht ist, über die Sache selbst uns vorläufig noch nicht äußernd. Redaction d. Allg. Ztg. d. Jud.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 19. Juni. (Privatmitth.) In der heutigen Reichstagssitzung sprach Herr Reichsrath Kuranda für die Mühlfeld'schen Anträge bezüglich der Grundrechte und berührte die Handlungen der Regierung. Herr Ri eg er, das Haupt der Czechenpartci, welche mit den Concordatsmannern einen Bund geschloffen haben, rief höhnisch darein: „Handeln", und Kuranda, nicht um eine Antwort verlegen, sprach: „Man kann auch mit Nationalitäten handeln", und das ganze Haus, die Gallerien mit einbegriffen, erdröhnte pon Beifall. Bei solchen Gelegenheiten nimmt man eS wahr, wie unbedeutend der Einfluß der klerikalen und ultramontanen Blatter auf das Publikum ist. — Die hiesige Kreuzzeitung, genannt „Vaterland", ereiferte sich jüngst, daß die Magnaten in Pesth in die Synagoge gingen, um dem Trauergottesdienste für Teleky beizuwohnen. Die gesammte hiesige Presse verlachte sie deshalb, da bekanntlich die kaiserlichen Prinzen den hie^ sigen Tempel besuchten. In den hiesigen Gemeinderath wurde bei den Nachwahlen noch ein Jude gewählt, nämlich Herr Wilhelm Frankl. Es sind demnach drei Juden unter den Vätern der Stadt. Bei dieser Gelegenheit gestatten Sie mir die Anmerkung: es hat sich bei den Neuwahlen für den Gemeinderath eine sehr.herbe Stimmung gegen den ehemaligen Bürgermeister Freiherrn v. Seiller geltend gemacht. Ich muß es jedoch zu seiner Ehre bemerken, daß seine Ansichten über die Verhältnisse der Juden liberal waren, und hat er im Namen der Commune beim Ministerium Bach die Emancipation der Juden sehr warm befürwortet; allerdings wollte er die Juden von Aemtern ausgeschlossen wissen. — Im Interesse der zahlreichen Leser der Judenzeitung, worunter auch Viele sein mögen, die eine Reise nach Wien unternehmen wollen, bemerke ich, daß Herr Ehrmann in der Leopoldstadt ein Hotel errichtet hat, welches an Comfort und Eleganz mit den größten Hotels der Residenz concurrirt. Die Küche ist streng koscher und ist das Etablissement sehr empfehlenöwerth. Wien, 20. Juni. (Privatmitth.) Mit vielem Interesse folgte ich Ihrer Auffassung des „Skandals" in Frankfurt a. M. So sehr jetzt die Aufmerksamkeit hier mannigfach in Anspruch genommen wird, so hat diese Angelegenheit in jüdischen Kreisen große Sensation hervorgebracht, und wird allgemein für Herrn Rabbiner Stein, der zu den hervorragendsten Rabbinen der Jetztzeit gehört, Partei genommen. Die Herren wollen Freiheit, die sie in solcher Weise zu verkümmern verstehen. Den Ministern gegenüber sind diese Herren Vorsteher die Freiheitshelden; aber selber möchten sie die Sclavenpeitsche schwingen. In dem reaktionären Wien, wo das Concordat blühete, hat sich der jüdische Vorstand nie so vergriffen. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht ist Ihr Rath, den Sie Herrn Rabbiner Ehrentheil geben, sehr gut. Herr Ritter v. Schmerling wird, ich zweifle nicht daran, liberal entscheiden. Wien, 17. Juni. Anfrage. In den mährischen Gemeinden bestanden Gemeindestatuten, 310 Paragraphen enthaltend, und deshalb rnupn -"w genannt. Im Interesse einer historischen Forschung wäre cS für mich sehr wichtig, den Inhalt dieser Statuten kennen zu lernen und ersuche ich diejenigen Herren, die nähere Kennt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.