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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-06-25 · Heft 26 (25.6.1861) · p. Seite 373

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 26 (25.6.1861)
Date
1861-06-25
Page
Seite 373 (sequence 11)
Language
German
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Daß zu dieftn^sMnm. Anerkennungen, die dem jüdischem Cultus und seinen Bekennern zu Theil geworden, die Predigten' des Rabbinen- und die neue Gebetordnung wesentlich beigetragen haben, darf nicht verkannt werden. Die d r ei Reden, die zum Abschie d e aus d ix al - ten und zur Einweihung der neuen Synagoge in Stuttgart von Kirchenrath Rabbiner Pr. Maier gehalten worden, sind so eben unter dem Titel: „Die Synagoge" im Metzler'schen Verlage erschienen. Diese homiletische Kundgebung ist ein schöne Trilogie. Die erste Rede, am SabbachfAchre den 20. April 1861. beim Abschied aus. der alten Synagoge gehalten, ist ein. schönes /-Lebewohl" an das alte Gotteshaus, und die Tertesworte 2 Mos. 20.: >,An jeglichem Orte, wo man meines Namens gedenken wird, will ich zu Dir kommen und Dich segnen", legen dar, daß nicht der Ort den Menschen, sondern der M e n sch den O rt h e il i g t. Haus,: Merk--- und, Berufs statte, Vergnügungsplatz und Tempel werden durch des Menschen Wandel geheiligt, und dann wird Gott an jeglichem Orte, wo wir seines Namens gedenken, uns. segnen. -— Die zweite Rede bei der Einweihung der neuen Synagoge am Vorabend des Sabbaths Behar den 3. Mai 1861 hat zum Terte Haggai 2, 9.: „Größer wird sein die Ehre dieses zweiten Hauses als die des ersten rc." Der Tert wird zuerst in seiner geschichtlichen Bedeutung behandelt und eine Parallele zwischen Einst und Jetzt gezogen und die Freiheit des Cultus gegen den früheren Druck dankend gerühmt. Die Bestimmung des Hauses, ein Bethaus, in dem das ganze Leben im Lichte der Religion verklärt wird. Ein Friedenshaus, Friede dem Herzen, in der Sündennoth, in der Drangsal des Lebens) Friede d e m Hause, wenn Zwietracht drinnen waltet; es bringt Friede unter Nachbarn und Bürgern, Friede dem N e>b en:m e n sch e n, Friede mit Gott. — Die dritte Rede beim Frühgottesdienst desselben Sabbaths spricht von der rechten Liebe zum Gotteshaus, Tert Psalm 26, 8. Der neue Cultus mit deutschem Gesang und zeitgemäßen Aenderungen in der Gebetordnung wird gerechtfertigt; Heiligung des Sabbaths und Liebe zum Gotteshaus müssen Hand in Haüd gehen, dann wird das Haus Gottes Sitz für die Dauer der Zeiten. Gotteshaus und Lehrhaus'ergänzen sich gegenseitig, die Schule ist der Vorhof der Synagoge, doch nicht das Lernen ist die Hauptsache, sondern die 1khat. — Wir haben hier nur abrupte Gedanken gegeben, und verstümmeln dadurch das herrliche rhetorische Meisterwerk, das von. acht jüdischem. Geiste beseelt, Bibel und jüdische Sentenzen fromm und.sinnig-unterlegt und paraphrasirt. Den rechten Eindruck wird man aus der Schrift selbst gewinnen. .— Herr Kirchenrath Maier, das theologische Mitglied unserer israelitischen Oberkirchenbehörde, sagt eben so schön als wahr: die Schule sei der Vorhofzur Synagoge; warum fehlt aber in Württemberg jede Gelegenheit zur Vorbildung, für das rabbinische Wissen? Sollte in Stuttgart nicht hon Amtswegen dafür gesorgt werden, daß Gymnasiasten, die mosaische Theologie studiren wollen, auch jüdisches Wissen sich aneignen können? — Dem vielbeschäftigten Rabbinen Stuttgarts wird es nicht möglich sein, solchen Unterricht zu ertheilen, aber doch könnte eine passende Persönlichkeit dazu gefunden werden, die aus Mitteln der Königl. Centtalkirchenkasse bezahlt, amtlich verpflichtet würde, täglich jungen Rabbinatscandidaten Unterricht im rabbinischen Wissen zu ertheilen. Wir kennen mehrere Fälle, in welchen jungen Theologie - Cändidaten das Studium aus Mangel an Unterricht in rabbinischem Wissen entleibet wurde und sie es verließen. Ob was damit gedient ist, wenn die Oberkirchenbehörde ihre Rabbinen fertig aus dem Auslande recrutirt, wird die Folge lehren. — Ein weiteres „eeterum oenseo" ist es, daß für unsere israelitischen Volksschulen für gleichmäßige jüdische Schulbücher gesorgt werde. Was hebräische Bibeln betrifft, so wird die hebräische Bibel aus der von Philippen gegründeten Bibelanstalt abzuwartcn sein und wäre nur eine größere Betheiligung von Seiten unsrer Stuttgarter Gemeinde bei der Anstalt*) zu wünschen. Wenn die Bibelanstalt einmal ins Leben getreten ist, wäre vielleicht für die unentgeltliche Verabreichung: von Bibeln an arme Schüler eine jährliche Subvention von Seiten der Königl. Centralkirchenkaffe zu erzielen. Aber eine Calamität ist es mit den Gebetbüchern; da nun die Königl. Oberkirchenbehörde das Maier'sche Gebetbuch approbirt und in Stuttgart eingeführt hat, so ist dasselbe das Gebetbuch der Zukunft für ganz Württemberg. In richtiger Consequenz sollte es nun in den Schulen eingeführt werden, besonders da es zugleich Gesangbuch ist. Wir-wollen eine gleichmäßige Behandlung der israelitischen Schulen, wir wollen wissen, was wir gesetzlich zu leisten ha- *) Vielleicht giebt uns unser sehr geehrter Corresp. an, bei welchem andern, nicht localen, alfö allgemein israelitischen Unternehmen unsere s Glaubensgenossen in Stuttgart sich irgend schon bethestigt haben? Wir unsrerseits haben darüber keine Erfahrung. > Die.Medaction. 26 * * -

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