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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-06-25 · Heft 26 (25.6.1861) · p. Seite 365

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 26 (25.6.1861)
Date
1861-06-25
Page
Seite 365 (sequence 3)
Language
German
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machen. Möge dies der letzte Fall seiner Art gewesen sein! Bei der Umbildung der israelitischen GemKdyr kömmt es nur zu häufig vor, daß man aus einem Ertrem in das andere verfällt, aus der patriarchalischen Unbestimmtheit und Gesetzlosigkeit in die Steifheit einer vornehm thuenden Bureaukratie und in die Engbrüstigkeit der Vielgejetzgeberei. Beides muß vermieden werden. Wir wollen keine Hierarchie der Rabbinen, aber eben so. wenig Autokratie der Vorstände oder Anarchie der Gemeinde. Wir wollen lebendiges Auffaffen der Gemeindezwecke, thätiges Jneinandergreifen und rasche Verständigung der Gemeindeinstanzen, und die rechte Ordnung. Von gutem Geiste beseelt, kann dies Alles ohne großen Aufwand von Paragraphen und Schreiberwesen leicht bewerkstelligt werden. Wir seien Feinde des Vorurtheils, aber Vorurtheil war nicht blos das Erbtheil der Vater, sondern ist auch Eigenthum des jetzigen Geschlechts, nur daß es zu dem Gegentheil inclinirt von früherer Zeit. In der That müssen wir uns freuen, wenn thatkräftige Männer in die Vorstände'der Gemeinden treten und ihr Amt Hochhalten; aber sie müssen den eigentlichen Zweck der Gemeinde wahrhaft im Auge haben: die Erhaltung der Religion und ihres Einstusses. Hierzu müssen fie auch die Achtung vor Denjenigen fördern, welche sie zur Unterweisung in der Religion und zum Vollzug der Ceremonialien anstellen. Wir bedauern das Schicksal einer so tüchtigen Kraft, wie Stein war, bedauern aber noch mehr, daß er das Opfer eines so kleinlichen Vorurtheils geworden. Gr. Becskerek, im Juni. Die Differenz der. ungarischen Ordinariate mit dem Untekrichtsministerium wegen des Infpectorates der israelitischen Schulen von Seiten des Klerus. Von David Oppenheim, Rabbiner. Wir. haben mehrmals in diesen Blättern und zwar schon vor Jahren die von Seiten des katholischen Klerus geübte ausschließliche Ueberwachung und Inspektion der israelitischen Volksschule, besonders nach Einführung , des allgemein verhaßten Concordates, .als eine arge, schädliche Anomalie bezeichnet, die namentlich in Ungarn, wo nebstbei die vom mittelalterlichen Geiste der Intoleranz strotzende „politische Schulverfassung" in Bausch und Bogen auf einmal eingeführt, um so mehr mit scheelen Augen angesehen wurde, als; hier die Gemeinden stets gewohnt waren, in allen, ihren ,Angelegenheiten sich völlig frei und autonom zu geriren. Der,Gegensatz war zu schreiend, zu gewaltig — und es ist ganz natürlich , daß diese Maßregel, stets die größte Mißbilligung erfuhr. Die Gemeinde, die früher in der Schule nach Willkür schalten und walten konnte, sah sich auf einmal, von einer octroyirten Schulbehörde aus ihrem Besitzthume gänzlich verdrängt,. da weder dem Rabbinen noch dem Vorstande die geringste Einflußnahme auf die Schule gesetzlich eingeräumt war. Die traurigen Folgen dieses Systerns treten nun gegenwärtig in den aufgeregten politisch bewegten Zeiten allzuheftig hervor, und viele wackere Lehrer, ja viele treffliche Schulen find bereits denselben als Opfer gefallen. Druck erzeugt Gegendruck! — und manche Gemeinde glaubt jetzt ihre wiedererlangte Autonomie und Freiheit von dem lästigen Zwange der katholischen Schulbehörde nicht besser kund thun zu können, als indem sie sich auch der Schule ganz und gar. entledigt, und so Alles über den Haufen stürzt! Allein worauf wir hier die Aufmerksamkeit der Leser hauptsächlich lenken wollen, ist die merkwürdige Entdeckung, daß die Ueberwachung der israelitischen Schule durch, die Geistlichkeit auch v on dieser Seite und zwar aus ganz entgegengesetzten Gründen beanstandet und. angegriffen wurde. Es liegt uns hierüber ein wichtiges, erst vor Kurzem zur Oeffentlichkeit gelangtes Aktenstück vor, dem wahrscheinlich interessante weitläufige Verhandlungen vorangegangen, die in den Archiven des Ministeriums des Unterrichts vergraben liegen und schwerlich je zum Vorschein, was gewiß sehr interessant wäre, kommen werden. Wir geben darum das Ministerial-Schreiben, so weit es uns zugänglich, vollständig, da es vielleicht einem Ihrer Mitarbeiter gegönnt sein würde, sich einen Einblick in die Acten zu verschaffen, um die weitern Details mittheilen zu können — und wir unsrerseits.wollen Llos am Schlüsse einige, beleuchtende Anmerkungen daran knüpfen. — Die Lobredner der ausschließlichen katholischen Schulaufsicht in Mähren und Böhmen (für Ungarn hat das ganze Rescript nur noch geschichtlichen Werth) werden sich wohl ferner schämen, so nur ein Fünkchen jüdischen Nationalbewußtseins in ihnen ist, offen und ungescheut noch immer eine solche Anomalie, oder besser gesagt, eine solche Schmach zu vertheidigen. Unser merkwürdiges Aktenstück befindet sich in dem trefflichen kürzlich erschienenen Werke von He lfert: „ Dje österre i chisch e B o l k s sch ule." 3ter Band: System der Volksschule, §. 818, wy 26*

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