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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-06-18 · Heft 25 (18.6.1861) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 25 (18.6.1861)
Date
1861-06-18
Page
Seite 356 (sequence 8)
Language
German
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356 Vegreife ich nicht,, warum es Herrn I. N. genirte, statt des. angeführten. Satzes etwa zu sagen: „Der Samstag vor^Peßach.wird gewöhnlich! Sabbath hagado l gc- NaNNt?^^.^ Äj; ‘ . '} iß.;, „Das erste, zweite; und dritte. Gebpt handeln von den. Wichten gegen Gott." — Was sollman. in der .jüd isch en Schule mit diesem Satze anfangen? > Entspricht er der jüdischenEintheilung der „Zehn Gebote", oder der christlichen? Wie konnte Herr I. N. über diesen Anstoß hinweggehen? — Doch halt! er hat einen Gewährsmann, von dem er sich gewiß nichts träumen läßt, einen Gewährsmann im Schoße der jüdischen Schulliteratur. Herr M. H. Bock, vor etwa 50 Jahren Lehrer und Schriftsteller in Berlin, giebt in seinem Buche “'‘■jb'b (Berlin 1812) den n-iÄV auch die Eintheilung, nach welcher -rb Kjün das zweite, Udr das dritte und. unser nann &b in.das.nennte und das zehnte Gebot getheilt ist. (Auffallend genug!) S. 54, St.. 55. Dieses ganze Gedicht von Claudius Lasirt auf eine christliche Anschauung, und namentlich tritt solche in den Strophen 5. und 6. klar und deutlich hervor. Der Jude kennt nicht den Wunsch: „Laß uns in den Himmel kommen!" — S. 56, St. 58. Von diesem Vuchner'schen Liede gilt ganz dasselbe, was ich von dem vorher erwähnten Gedichte gesagt habe. Der Ausdruck: „Befällt uns Kreuz und Noch", so wie der Wunsch : „daß wir. auf Deinen Namen getrost dahinfahren^ sind der jüdisch en Anschauungsweise ganz fremd.. .. - :,i y , , S. 61, St. 68.- - Das. „mahnende Wortes, das.Herr Dittmar in dem Herzen des Herzogs Leopold widerhallen läßt („Wer da suchet, seineSeele zu erhalten rc,"), ist.neutestamentarisch. S. 82, St. 110. Ein sehr schönes, die Allgegenwart Gottes besingendes Gedicht. Schade, daß selbiges in eimem jüd. Lesebuche fehlen sollte. Nur müßte die 3. Strophe völlig abgeändert werden; denn sie spricht von Glockenklang und Kirchengang und frommem Sang — lauter Dingen, die an sich wohl recht schön sind, für das jüdische Schulkind aber: weiter kein sonderliches Interesse haben. Angemessener wäre es, durch die Schilderung einer „jüdischen Andacht" unfern Kindern hier zu Gemüthe zu führen, daß Gott, der Allgegenwärtige „in Ja ko h s Ze lt e n" weilett S. 85, St. 113. W.er kennt: nicht die Tendenz der allermeisten Gedichte von Paul Gerhard? In dem hier gegebenen („Heimkehr" betitelt)weht uns das S t o ck- Lu-, thert.hum aus jeder Zeile.entgegen.Paul Gerhard gehört überhaupt gar nicht in ein jüdisches Lesebuch hinein. S. 92, St. 121. u. S. 102, St. 129. Zwei fromme Lieder von Knapp, das eine am Morgen, .das andere am Abend (vor dem Schlafengehen) zu singen. Beide gehören in ein christliches Andachts-, nicht aber in ein jüdisches Lesebu ch. Denn wer in diesen' beiden.Gedichten nicht überall den „frommen Augustiners sieht, der sieht entweder gar nichts oder will nichts sehen. — Was, gilt uns Inden die „Garbe, für den^Herrn gebunden, in seinem Tempel aufgestellt?" — und wie sollen wir unfern Kindern den „ Tag der Garben'" erklären? (Etwa als die Zeit der ö*'n7:iirT nr’rm?); Was speciell die No. 129. (S. 102.) anlangt, so gläubte Herr I. N. schon alles ^Mögliche gethan zu! haben, wenner die letzte Strophe weglasse. Warum? Nun, weil in derselben u. A. die Verse Vorkommen: .' „Darum trugst Du meine Strafen, „Darum kämest' Du zu mir, ' .. „Daß die Seele- bis ich sterbe, „Deines Geistes werde voll rc." Aus diesen Worten wird aber Jeder wohl schon schließen könnenvon welchem Geiste die vorangehenden (stehen.gebliebenen);fünf Strophen durchweht, sind. S. 106, St. 132, No. 2. Da das Judenthum, Dank seiner gereinigten Lehre! von einem Teufel rc. gar nichts weiß, so könnte füglich die Erklärung des Sprichworts: „Wenn man den Teufel an die Wand malt, so kommt er", aus einem jüdischen Lehrbuche auch ganz wegbleiben. S. 108, St. 135. u. S. 110, St. 136. Zwei an sich recht hübsche Erzählungen, doch um so weniger für ein Lesebuch geeignet, um so weniger in den Kreis jüdischer Anschauungen hineinpassend, als die e r st e r e von beiden nur die Tendenz hat, zu zeigen, wie das Herz eines rauhen Kriegers in einer Dorfkirche durch Vortrag des Liedes: „Wie schön leuchtet der Morgenstern" — mit guter Orgelbegleitung — butterweich gemacht, — und durch bie letztere nur dargethan werden soll, wie eine.Frau, welche geträumt: „unser lieber Herrgott sei gestorben und die lieben Engelein seienRhm zur Leiche gegangen" — und an diesen, Traum glaubte, — durch die gewandte. Zunge ihres Mannes von ihrem thörichten Wahne gehellt worden. — Dergleichen Geschichten mögen schon ihren Reiz haben für christliche Kinder, und ihre Einwirkung auf deren Gemüth nicht verfehlen^ jüdische Kinder aber lassen sie ganz kalt, oder regen sie höchstens an zu einem sp ö ttischen Lächeln.

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