Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1861)
- Date
- 1861-06-18
- Page
- Seite 353 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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der Meinung, daß es ein moralischer Meuchelmord wenn man wen immer seiner politischen Rechte beraubt. Das steht; auch mit unfern christlichen Grundsätzen in Widerspruch, welche auf der liberalsten Grundlage beruhen, und auch für die Christenheit sehe ich eine viel größere Gefahr in den eben nicht christlichen Gefühlen und Thaten, die die ungerechte Verfolgung in Schutz nehmen. Darum , führt nun in unfern Tagen jedes reifere Volk das erhabene Princip der Toleranz auf seiner Fahne. Betrachten wir die Verhältnisse Englands und Belgiens, es giebt dort keinen Zweig der Wissenschaft, der Industrie, der Kunst oder Handelsunternehmungen, wo die Juden nicht in erster Reihe kämpfen. Sie haben längst den Gedanken aufgegeben, daß eine Zeit kommen werde, in der sie in Masse nach Palästina zurückwandern können, jedenfalls aber werden sie dies als gute Bürger ruhig abwarten, gleichwie auch wir Christen auf ein besseres Leben vertrauen und doch mit Interesse am Erdenrund hängen, an desseW Sch ollen uns so viele süße und bittere Erinnerungen fesseln. ,-,Oder vielleicht deshalb ^-schreibt Macaulay in seinem „Civil disabililes ok tl,e je^v8" — vielleicht deshalb soll ein Mensch ausgeschlossen oder für irgend ein Amt weniger befähigt sein, weil, er einen Bart trägt, keinen Schinken.ißt, und statt am Sonntage in der Kirche Sonnabends in der Synagoge inbrünstig betet? Das verstehen wir nicht. ' < ........ „Wo die Hindernisse beseitigt wurden, dort hörten die Juden auf, einen Staat im Staate zu bildem Wir sehen, wie sich die Juden der civilisirten, gebildeten Nationen den Gebräuchen ihrer neuen Heimath anschmiegen. Dies beweisen am besten die statistischen Daten Amerikas, aus welchen hervorgeht, daß nur ein sehr geringer Theil der Nachkommen Moses sich mit Geldmäkelei beschäftigt, während die überwiegende Mehrheit ihr Brot hinter dem Pfluge sucht. Stellen wir die Juden Ungarns auf den Boden der Rechtsgleichheit, und sie werden ungarische Juden sein, und den Fortschritt unserer Heimath eben so sehr am Herzen tragen, wie die Sprossen dieses Landes von reinem scythischen Blute; und eben so wie wir, werden auch.sie für unsere Rechte Achtung und. die unverletzte Anerkennung unserer Grundgesetze fordern. „Wenn die ungarischen Juden bisher gegen.Ungarn keine kindliche Pietät hatten., so geschah dies nur, weil sie als. Stiefkinder behandelt wurden) denn es ist eine anerkannte Thatsache, daß der Stamm oder Glauben der aus was immer für. einem Grunde nach Außen gravitirt, dies wegen der Engherzigkeit der Regierung. im Innern thut. Indem iH daher so frei war, die Aufmerksamkeit des geehrten Dauses schon im Voraus auf die Judenemancipationsfrage zu lenken , - verlange ich nicht/Gnade, sondern Gerechtigkeit. Beseitigen wir Vorurtheile, Antipathie und mit unserer' christlichen Religion unvereinbare Gesinnungen, und thun wir, waö zwischen Menschen und Menschen nur recht und billig ist... .. .." Moriz Jökai: „Ferner-muß ausgesprochen werden, daß die ungarische Nation keine ausschließenden oder einschließenden Rechte hinsichtlich des Classen-, Nationalitäts- oder Religionsunterschiedes anerkennt, daß sie an den Wohlthaten der Constitution Jedermann gleichmäßig betheiligt, denn sie würde es für eine sich selbst rächende Sünde halten, wenn sie erst irgend eine Classe oder Eonfession vom vollständigen Genuß der bürgerlich'en Rechte aüsschließen, und dann von ihnen bürgerliche Tugenden fordern würde, und wenn wir sie, falls sie dabei unfern Wünschen nicht entsprächen, für unser eigenes Verbrechen verürtheilen würden." Baron Friedrich Podmaniczky: „Wenn von Rechtsgleichheit ohne Unterschied der Eonfession die Rede ist, sei hier namentlich der Israeliten gedacht, gegen die wir das Versäumniß der Ahnen gut zu machen haben. Zwar kann man nicht läugnen, daß wir nicht selten gerechte Klagen gegen die in unserem'Lande wohnenden Israeliten hatten erheben können, — aber hatten sie nicht auch gerechte Klagen gegen uns? haben doch wir sie beraubt aller Bürgerrechte, selbst'gezwungen, sich von uns zuseparirm, daß ihre Interessen, ihre Beschäftigung von den unfern abweichende seien. Wir - gerade dürfen nicht intolerant gegen die nichtchristlichen Confessionen sein, da wir es erfahren haben, daß zur Zeit, als in unserem Vaterlande Christen sich gegenseitig in dem Theile, der unter Oesterreichs Sechter stand, verfolgten und jeden Andersgläubigen auf das Blutgerüste schleppten/ zu derselben Zeit in dem unter des Islams Gewalt befindlichen Theile Jedermann nach seinem Glauben unangefochten die Gebete an seinen Gott richten konnte." '-■/ / Außer den bereits Genannten verdienen noch die Herren Bartal, Baron Simonyi, Szentivänyi, Kirälyi, Bezersdy,' Vadnay und -mehrere Andere hervorgehoben zu werden, und muß bemerkt werden, daß sowohl die Adreß^ Partei, als - auch - die Beschlußpartei in diesem Punkte vollkommen einig find. Nach solchen deutlich ausgesprochenen Erklärungen können wir getrost in die Zukunft blicken/ .Zum Schlüsse muß noch erwähnt' werden,'daß in einet