Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1861)
- Date
- 1861-06-18
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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der Ungarn gelten konnte, während dem sie es zumeist unterlieDn, das für unsere Glaubensgenoffen Günstige zu erwähnen, Alle Jurisdictionen und Municipien äußerten sich sehr günstig für die Gleichstellung der Juden, indem sie es nur dem strengen Festhalten an dem Gesetze, welches die : einzige,Waffe der Nation der faktischen Macht gegenüber ist, zuschrieben, daß die Juden das Wahlrecht nicht ausüben konnten, und den Wunsch aus sprachen, daß der nächste Landtag diesen Fehler unserer, in allem Uebrigen so freisinnigen Gesetze wieder gut machen soll. , Die. hochgestellten Würdenträger, die Beamten, der Klerus und besonders die Journalistik ergriffen immer mit Eifer Partei für unsere gerechte Sache. Was wir vom Landtage in der Emaneipationsfrage zu erwarten haben, beweisen am besten die Reden der Abgeordneten, welche alle vom Geiste der Humanität und des Fortschrittes durchweht sind. Einsender erwähnt nur die die Judenfrage betreffenden Stellen aus den Reden der hervorragendsten Mitglieder des Unterhauses; das Oberhaus, welches seine Sitzungen erst beginnen wird, wird hoffentlich an Freifinnigkeit dem Unterhause in gar Nichts nachstehen. . Franz Deük, die gefeierteste Persönlichkeit'Ungarns, seit Beginn seiner öffentlichen Laufbahn stets ein warmer Fürsprecher der Juden, wünscht in seinem Anträge, daß man ist. der Adresse an den Herrscher, welche die Wünsche der Nation enthalten soll, die Gleichstellung hervorhebe, der hierauf bezügliche Passus in der von ihm beantragten Adresse lautet: „Wir. wollen unser konstitutionelles Leben auf der Basis voller. Rechtsgleichheit entwickeln und sicherstellen. Wir wollen, daß bezüglich des Genusses der bürgerlichen Rechte weder die Religion noch die Nationalität unter den Bürgern des Vaterlandes einen Unterschied begründe." Kolo man Tisza, der Antragsteller derjenigen Partei des Hauses, welche die Wünsche der Nation in einem einfachen Beschlüsse niedergelegt wissen will, sagte: „Zwei Fragen, und vielleicht die zwei wichtigsten, sind in der Motion (Deäkö), wohl nur kurz, aber sehr richtig erwähnt; nämlich die Beruhigung aller, in unserem Vaterlande eristirenden Nationalitäten und Religionsbekenntnisse auf der Basis der vollständigen Rechtsgleichheit, und die Abänderung unserer hiermit in Widerspruch stehenden Gesetze. Rücksichtlich dieser beiden Punkte unterstütze ich die Motion, denn kaum kann etwas wünschenswerther sein, als daß alle Bewohner unseres Vaterlandes sowohl hinsichtlich ihrer Nationalität, als auch hinsichtlich ihrer Religion gleichberechtigt seien, und aus diesen Gründen von der Ausübung keinerlei politischer Rechte ausgeschlossen werden." Ladislaus Szalay: „Es ist nothwendig, die Gesetze vom Jahre 1848,'insofern sie die volle Rechtsgleich? heit der Bürger nicht aussprechen sollten, mit gehöriger Präcision zu ergänzen. Gott hat keine auserwählten Völker mehr; ihm gehört die ganze Menschheit. Er theilt sie nicht so ein, daß die Einen als Antheil die Freiheit erhalten, und die Andern das Joch; daß sich die bürgerliche Eichenkrone um die Schläfe der Einen .windet, und die Stirn der Andern sich zur Erde beuge. — •— Ich bin ferner bereit, die politische Berechtigung so wie der Nationalitäten, so auch aller Confessionen anzuerkennen, und aus jedes Landeskind ohne Unterschied des Glaubens die politischen Rechte auszudehnen." August Trefort: „Im Verlaufe meines Vortrages habe ich erwähnt, daß wir das Princip der Rechtsgleichheit auf die Nationalitäten anwenden müssen, doch müssen wir auch dasselbe aus die Religionen derart ausdehnen, daß im Lande keine Volksclaffe sei, welche aus religiösen Rücksichten von der Ausübung der politischen und bürgerlichen Rechte ausgeschlossen sei, ich verstehe hier die Israeliten." Graf B6la Szschenyi (der würdige Sohn des großen Vaters): „Eine der vielen wesentlichen Fragen ist unstreitig die Judenemancipatton. Innerhalb der Grenzen Ungarns leben ungefähr 400,000 Israeliten; unter ihnen findet sich Intelligenz und Wohlstand in hohem Grade, Faktoren, die man sicherlich nicht außer Berücksichtigung lassen kann. Das Geld beherrscht die Welt, und die Geldmärkte werden durch die Juden beherrscht. Es giebt kein größeres Geldunternehmen, keine finanzielle .-- Krisis, bei denen nicht sie die Hauptfactoren wären. Auf jene Periode in der Geschichte des jüdischen Volksstammes zurückblickend, wo derselbe, nachdem die Legionen des Titus die Mauern Jerusalems zerstört hatten, zerstreut von Jedermann verfolgt wurde, finden, wir, daß den Juden nichts übrig blieb, als ihr Leben durch, den Schacher zu fristen, und aus diesem Kreis konnten sie erst treten, als bei den vorgeschrittenen Nationen die letzten Trümmer ver-. alteter, firer Ideen verwitterten. Ich meinerseits wünsche, die. Juden Ungarns auf freien Fuß gesetzt zu sehen, ich wünsche die Toleranz - vollkommen durchgeführt; denn ich finde es mit dem Princip unserer Verfassung nicht chereinbar, daß was immer für eine Confession vom Genuß der Bürgerrechte ausgeschlossen sei,- ich bin/vielmehr