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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-06-11 · Heft 24 (11.6.1861) · p. Seite 342

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 24 (11.6.1861)
Date
1861-06-11
Page
Seite 342 (sequence 8)
Language
German
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dringend zu wünschen fci^ die Commission beantragt da-; her mit überwiegender Stimmenmehrheit wiederholte Ueberweisung an' die Regierung zur Berücksichtigung." - Es geht aus diesem Berichte hervor, daß die bekannte ministerielle Interpretation hinsichtlich des Justizfaches im Begriffe steht, über den Haufen zu fallen, daß dagegen die neue des Cultusministers v. Bethmann-Holl- Weg betreffs des Lehrfaches' noch im vollen Vigor besteht.-' Wir können uns aber nicht denken, daß eine Erj klärUng und Auslegung, die Juden seien zum Lehrfache zulässig, nur nicht wo Director und Lehrer Christen sind, weil dann diese Anstalt christlich-confesstonell sei, d. h. also, die Juden sind zulässig zum Lehrfache, aber von allen Schulen als Lehrer auszuschließen, einen langen Bestand haben könne. Man sieht dieser Interpretation, nachdem die frühere, welche die Juden von den Schulenausschloß, welche stiftungsmäßig und laut Urkunde christlich-confesstonell sind,/an, daß sie als letzte Zuflucht gewählt worden ist. In der „National-Zeitung" ward der Artikel dieser Zeitung über „Stahl und den Judeneid" vollständig abgedruckt. Glogau, 13. Mai. (Privatmitth.) Unserem gelehrten Mitbürger, Herrn Dr. Eduard Munk) ist die Ehre widerfahren, in Anerkennung seiner gediegenen Leistungen auf dem Gebiete der klassischen Literatur den Titel -,Professor" zu erhalten. Wie Herr Salomon - Munk in Paris (ebenfalls ein Glogauer) in der orientalischen Literatür unsterbliche Verdienste hat, so hat Herr; vr. Eduaard Munk (nur dem Namen nach.mit Ersterem verwandt) durch seine Schriften sich einen aus-| gebreiteten Ruf und allgemeine Anerkennung erworben, und seine Schriften gehören zu den gediegensten. Außer mehreren kleineren Arbeiten besitzt die gelehrte Welt: von ihm ein „Handbuch der Metrik der Griechen und Römer", 1834, wovon 1844 in Boston eine englische Uebersetzung erschien, die inden amerikanischen Gelehr-: tenfchulen gebraucht wird. Spater veröffentlichte et seine Geschichte der griechischen Poesie und Prosa (1849, 1850, 2 Bde.), und jetzt ist der dritte Band seiner „Geschichte der römischen Literatur" unter der Presse. Ein besonderes Verdienst erwarb sich Munk noch durch die'Schrift :! „Die natürliche Ordnung der Platonischen Schriften, 1857", worin er eine ganz neue Bahn zum Studium Platos eröffnete. — Früher war M u n k Lehrer an der; lfisrael.) königll Wilhelmsschule in Breslauals dieselbe' einging, kehrte er hierher zurück sund war sieben Jahre am: hiesig en! 1 evangelischen Gymnasium beschäftigt, wo er -in verschiedenen Elasten lehrte und müch anderthalb Jahre in Prima! und Secunda -den. Director vertrat. Jetzt lebt derselbe privatim nur den Studien. Aber eben so wie - seine Gelehrsamkeit ist seine w ah rh afte- Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit zu bewundern, und mit ganzer Seele Jude, ist er eine wahre Zierde der hiesigen Gemeinde. Paderborn, 21. Mai. (K. Z.) Die Grundsteinlegung des jüdischen Waisenhauses für Westphalen und Rheinland hat heute in erhebendster Weise stattgefunden. Auf der Baustätte vor dem Kasseler Thor war ein mit Maien und Blumengewinden, Fahnenuund Teppichen geschmücktes Zelt* errichtet, um die; Festmitglieder und Ehrengäste aufzunehmen.: Diese versammelten sich Morgens 10 Uhr, voran' die Honoratioren der Stadt, im Gefolge die Deputaten aus den jüdischen Gemeinden der beiden Provinzen und viele Menschenfreunde aus allen Confessionen, die mit ihrer Gegenwart den schönen - Gottesdienst der Humanität verherrlichten. Zwölf Waisenkinder, gruppirt: um die edle Gründerin und Vorsteherin desWaisenhauses, Fräulein Fanny Nathan, eröffneten die Feier mit einem rührenden Gesang, den treMche Instrumentalmusik begleitete. Hierauf sprach ein ehrwürdiger Greis, Herr Rabbiner Sutro von Münster, ein G ebet und passende Worte des Dankes an die Wohlthäter des Vereins. Nach ihm bestieg der jüdische Geistliche aus Köln) Hr. Dr. Schwarz, die Tribüne und hielt- Allen vernehmbar, die Festrede. Da sie auf den einstimmigen Wunsch der Zuhörer sofort dem Drucke übergeben wurde,: so dürfen uvir nur auf' sie verweisen, um es erklärlich - zu. finden, wie sie die ganze Versammlung lautlos an die Lippen des Redners fesselte und Geist und Gemüth so mächtig/ ergriffen hat. Nachdem der Vorstand deS Curatoriums die Urkunde über die Stiftung verlas und mit den Ehrengästen Unterzeichnete, geschah die Einsenkung des Grundsteins von dem Baumeister unter frommen Wünschen und kernigen Sprüchen. Toaste auf. Ihre Majestäten den König rznd die Königin,' die Gründerin und übrigen Beförderer und Gönner der Anstalt, und zunächst auf den verehrungswürdigen Herrn, Landrath Grasso, der sich so große Verdienste um sie : erworben hat) beschlossen die Feier. Ohne innige Theilnahme und Freude an dem Gelingen dieses Werkes der Barmherzigkeit ist

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