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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-05-21 · Heft 21 (21.5.1861) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 21 (21.5.1861)
Date
1861-05-21
Page
Seite 295 (sequence 5)
Language
German
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m Schon im Jahre 1848 erklärten sich die Hohe Pforte und der damalige Vicekönig von Aegypten entschieden gegen diese Anschuldigungen ihrer jüdischen Unterthanen und gegen die, blutigen Verfolgungen, die man. darauf angezettelt chatte; trotz, dem Schutze, den der französische Minister Thiers seinem Consul Rattimenton, dem Verfechter,' wenn nicht Urheber des ganzen Handels angedeihen ließ, wurde der ganze Vorgang in das Reich der erbärmlichen Fabel, verwiesen, .wohin er gehört. Nicht minder unterdrückte die türkische Regierung einen ähnlichen Versuch der Grieche»;in Candia, den diese, trotzdem die Grundlosigkeit offenkundig geworden, zur Verfolgung der Juden machten. Wie? ist die Sachlage seitdem anders geworden? Hat die Unschuld der-Juden weniger Anrecht jetzt auf Schutz und Vertheidigung? Sollen die Griechen zu Pöbelaufftänden und Volkswuth, zu denen sie so sehr geneigt sind, recht eigentlich aufgeregt und aufgehetzt werden? Hat die Hohe Pforte Ursache und Veranlassung, diese rohe Menschenmasse zu begünstigen und ihrer Boßhaftigkeit freien Lauf zu lassen? Im Namen der Gerechtigkeit und der Humanität bitten und verlangen wir, daß die Hohe Pforte energisch dagegen einschreite, und durch ein ausdrückliches Gesetz, wie es die russische Regierung gethan, verbiete, solche Anschuldigungen zum Gegenstand einer gerichtlichen Untersuchung zu machen. Wir verlangen fürwahr!. fürunsre Glaubensgenossen keinen Freibrief. Wo bei ihnen irgend eine Spur eines Verbrechens gefunden wird, müssen sie der richterlichen Untersuchung und Aburtheilung anheimfallen. Nur aber die Beschuldigung, aus religiösen Motiven unschuldige Menschen zu morden und ihr Blut zu gebrauchen, soll und muß für immer als eine boßhafte Erfindung des Hasses und als ein Vorwand zur maßlosesten Verfolgung, aus den Acten und aus den öffentlichen Blättern verschwinden, und Derjenige bestraft werden, der sie vorbringt ,und ausstreut. Dann wird es auch unmöglich werden,, daß.man, heimlich Leichen in die Häuser von Juden-schafft, um.sie jenes Actes zu beschuldigen, oder daß man Kinder; entfernt und versteckt,, um ihr Verschwinden den Juden zuzuschreiben. Wir halten uns von der erhabenen! Gerechtigkeit der Hohen Pforte,, durch welche sie auch allein im Stande sein wird, die verschiedenen Racen ihrer Unterthanen-in gegenseitigem Frieden und ihre Leidenschaften im Zäume zu halten, überzeugt, daß sie diesen Vorstellungen eine geneigte Berücksichtigung schenken werde. - Wir ersuchen- -die verehrliche Redaktion des Levant, diese Zeilen in die Spalten ihres geschätzten Blattes aufzunehmen. .■ - ■ ■ Aus Bayern, Mitte Mai. Die Kammer -er Neichsräthe. Eine neue Aera hat für die Israeliten Bayerns begonnen. Eine Schmach, die nun fast ein halbes Jahrhundert auf ihnen gelastet, ist ihnen am 7. h. abgenommen und die verletzte Menschenwürde wieder in ihr Recht eingesetzt worden: : Der> Schlußstein -des Ganzen, die allerhöchste Sanktion, ist uns im Voraus durch den Mund des Herrn Staatsministers des Innern, zugesichert und somit ein Stück Mittelalter glücklich zu Grabe getragen. Bayern, das schon langst unter den constitutionellen Staaten Deutschlands in vorderster Reihe glänzt, hat nun auch in dieser Beziehung den Rostfleck abge-, wischt. Die Debatten in beiden hohen Hausern des Landtags haben das schönste Zeugniß sowohl für die ' Israeliten Bayerns, als. auch für die Herren Redner selbst abgelegt. Die kaum erwähnenswerthe Opposition hätte auch von jüdischen Rednern nicht besser; widerlegt und bekämpft werden können. Es hat sich hier auf's Neue bewährt, was Herr; Reichsräth Graf Giech so treffend ausführte: ,-O: Macht-der Ideen!!. : Ihr-klopfet an, erst leise, leise, dann immer starken; endlich öffnen, sich die Thüren von selbst, -und ihr -nehmet .Platz unter : uns, und wir wundern uns,. daß ihn draußen noch ' schüchtern warten mußtet, l und dass es nicht längst so ' gekommen, wie es am Ende doch. gekommen!". Als vor 12 Jahren die Emancipationsfrage. verhandelt wurde, da stand in vorderster; Reihe' der Opposition das Blatt des katholischen Klerus „der Volksbote" und konnte sich .mit Recht rühmen den größten Theil.'der Gegenadressen mit Hülfe und durch seine Partei veranlaßtzu: haben. Heute stimmte die Geistlichkeit beider hoher Häuser nicht , nur für die Vorlage , sondern - sowohl der Herr Oberconsistorialpräsident v. Harleß, als auch der Herr Erz- . bischof von München-Freising befürworteten, dieselbe warm. Auch der „Volksbote" trat dafür ganz energisch in die Schranken. Hören wir, was derselbe gelegentlich der Verhandlungen der - Kammer der- Reichsräthe. über die Judenfrage bemerkt: „Von allen Seiten wurde (in der! Kammer) anerkannt, daß mit der Aufhebung dieser . Bestimmungen nur ein Act der Gerechtigkeit! und Billigkeit - geübt werde/ wobei auch darauf hingewiesen wurde, daß.

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