Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1861)
- Date
- 1861-05-21
- Page
- Seite 294 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Jemand in der Türkei Grund und Boden/erwerben kann, ohne Unterthan dieser zu werden. . Jeder Fremde,; meint der Levant, kann sich von der absoluten, unbegrenzten-Freiheit überzeugen, der er:sich: in der Türkei zu erfreuen Habe. Die Organisation der Zidjarets, d. i. der aus den verschiedenen Religionsparteien gemischten Handels-, Civil- und Polizeigerichtshöfe, böten alle wünschenswerthen Bürgschaften, die sich zugleich auf alle christliche Gemeinden, so wie auf die auf dem ottomanischen.Boden geborenen Israeliten ausdehnen. -; Warten wir nun ab, ob diese wichtige Frage, so wie auch wir es wünschen, zu einem günstigen Austrage kommen werde. An die Staatsregierrrug Sr. Kaiserl. Hoheit des Snttans. Niemand in Europa, der den Gang der Angelegenheiten in der Türkei mit urtheilslosem Auge betrachtet, kann die Anstrengungen verkennen, welche die türkische Regierung seit Jahrzehenden macht, um eine gleichartige Behandlung aller ihrer Unterthanen, von welcher Nation und Religion sie auch seien, herzustellen, den Freisinn, mit welchem sie alle Störungen des Friedens zwischen den einzelnen Racen, die ihr weites Staatsgebiet bewohnen, zu beseitigen sucht, und die Aufrichtigkeit, mit welcher sie die außerordentlich großen Hindernisse, die ihv hierbei aus religiösen, ethnischen und historischen Rücksichten hemmend entgegentreten, zu überwinden strebt. Es können bei Vielen Zweifel bestehen, ob es ihr gelingen werde, diese große Aufgabe zu lösen, ob die Schwierigkeiten nicht viel zu. viel eingewurzelt sind, um durch administrative Wirksamkeit behoben werden zu können, und ob man es hier nicht mit einer Natur zu thun habe, die für eine tiefgehende /Umgestaltung. nichtzugänglich, sei? Wie gesagt,-diese. Zweifel können gehegt werden; aber für die erlauchte Gesinnung des türkischen Herrschers und für den redlichen Eifer seiner Regierung sprechen zu viele Thatsachen, als daß je-: der Billigdenkende ihr die volle Anerkennung versagen, möchte, v ■ . * i; ■ ■ ' ■ '•■' J Um so schmerzlicher berührte.uns folgende Correspon-- denz der„Köln. Ztg.^, datirt Konstantinopel, vom 4. Mai. ..Sie beginnt: Gestern (Charfreitag) Abendsdurchzogen außergewöhnlich starke und zahlreiche Patrouillen die hiesigen Straßen. Es ist nun ein Jahr, wo wegen der auf eine griechische Procefsion geworfenen Eierschalen .das Haus - eines Franzosen ungestraft demolirt! wurde. .Man -magetwas Aehnliches fürchten: und ent- : schloffen . sein - rasch einzuschreiten." , Die Korrespondenz I fahrt später fort: „Für das morgende Osterfest' ist.'das i alte Mährchen von Kinderraub, Blutabzapfen und Mord durch: Juden wieder, aufgetischt. Das halbofficielle Journal de Constantinople bringt in seinem heutigen Blatte i die Nachricht: „Die -Polizei hat - vorgestern Abends/, in -Folge gewisser Erkundigungen, die ihr zngekommen, eine Untersuchung in einem Magazin Galata's gehalten und dort den Leichnam eines neugeborenen Kindes gefunden, welches augenscheinlich das Opfer eines Mordes gewesen war. Dieses Kind gehörte einer moldauischen Frau, die in dem Hause wohnt, wo das Magazin ist, und in welchem auch eine jüdisch e Familie logirt. Man sagt, daß; die Mutter die Polizei von dem Verschwinden ihres Kindes in Kenntnis gesetzt hat. Wir geben spater: andere ' Details über .diese mysteriöse Geschichte.^ Jst's erlaubt, so. leichtsinnig Berichte in die Welt zu werfen,; und das gerade zu Ostern der Griechen? Was helfen da-die. Patrouillen?"— ./ Es ist bekannt, daß diese scheußliche Erfindung des christlichen Mittelalters erst 1840 von den. F r a Nz o sen nach Damaskus verpflanzt und seitdem von den G r i e - ch e n mit fanatischer Lust. aufgegriffen und immer wieder erneuert worden ist. Wir erinnern an die-Vorgänge in G a l a tz und in O d e ssa im vorigen Jahre: Vergebens haben nicht blos alle-jüdischen Theologen,, alle, jüdischen Kenner des Judenthums, seiner Geschichte, seiner Literatur- und Gebräuche seit urältester Zeit, sondern auch christ- : liche Theologen-von tieferer Gelehrsamkeit: gegen diesevöl-! lig aus der: Luft gegriffene Beschuldigung protestirt, : und vor Gott und Menschen in entschiedenster Weiseversichert, daß in keiner Zeit und bei keinem Theile der Juden, wo und wie sie auch lebten, auch'nur. die entfernteste- Spur eines' so barbarischen Gebrauches jemals stattgefunden; habe, nirgends auch nur die -leiseste Andeutung, einer solchen Satzung aufzufinden sei, die vielmehr dem ganzen Cha- - rakter unserer Religion- und.unseres Stammes, widerspricht.' . Der rohe Fanatismus bedarf eines Vorwandes zu den feindseligen Verfolgungen, die er ausüben will; der abscheuliche Haß will ein. Mittel der Jntrigue, durch das; er seine Mord -und Raubsucht zu befriedigen vermag; und da mögen -die gewichtigsten Stimmen für die Schuldlosigkeit, zeugen, sie wollen sie nicht hörenum den- Gegenstand ihrer Wuth und den Schein einer Rechtfertigung nicht aus den Händen zu. verlieren/ ' /;