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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-05-14 · Heft 20 (14.5.1861) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 20 (14.5.1861)
Date
1861-05-14
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Beilage;« Ro. 20. der Allg. Ztg. des Zudenth. Aus dem Hannöverschen. Re Pli k. So eben geht uns eine Festrede zu, welche Herr Landrabbiner Landsberg in Hildesheim in der dortigen Synagoge am vorjährigen Geburtstage'unseres Königs gehalten und nunmehr in der Gerstenberg'schen Buchhandlung daselbst „in Veranlagung' der Angriffe auf die von den Landrabbinern Sr. Maj. dem Könige überreichte Adresse" hat erscheinen lassen, und wahrscheinlich damit „die verehrlichen Gemeinden seines Bezirkes und sämmtliche Freunde der A u frichtigkeit und W a h r h e i t," denen diese Festrede, gewidmet ist, zugleich mit ihr in den Besitz der opera omnia des Autors gelangen, , ist auch die vielbesprochene, wahrlich schon hinreichend bekannte Adresse nochmals mit abgedruckt Wörden. Der Herr Landrabbiner wählte vermuthlich diese Art) den Erfahrenen Angriffen entgegen zu treten, um dem. Publicum, das vielleicht glauben könnte, der Verfasser der Adresse begreife unsre Mt nicht, zu zeigen, daß er dennoch auf der Höhe derselben stehe und wisse, was setzt aus dem Gebiete der Politik Brauch und Sitte sei: wie man nämlich , jetzt in Frankreich in hohen Kreisen durch Broschüren sich zu vertheidigen und semen Gegner,zü)ssekämpfen sucht, so verfährt unser Herr Landrabbiner ebenstW, er Publicirt gleich dem Herzoge von Aumale und dem Prinzen Napoleon eine. Broschüre und sieht schon im Geiste seinen "Widersacher durch dieselbe zermälmt. Doch Sie irren, mein verehrter Herr Landrabbiner, und wenn wir auch nicht die Absicht/haben, 'ihrer Broschüre eine andere entgegen zu stellen, da unsere Muße von. wichtigeren Geschäften in Anspruch genommen wird / so wollen wir Ihnen mit nachfolgenden Zeilen wenigstens den Beweis liefern', wie wenig Sie Ihren Zweck erreicht und uns, die wir nüu Dasäusgesprochen, was man überall in der Residenz wie in der Prövint, wenigstens an allen Orten, an denen wir auf unserer jüngsten Reise geweilt und über die von Ihnen verfertigte Adresse ein Urtherl zu hören Gelegenheit hatten, durch Ihre Festrede und das dieser vorausgehende Vorwort überzeugt haben, daß unser Tadel ein ungerechtfertigter gewesen. In diesem Vorworte theilen Sie die Gründe mit, die Sie bewogen haben, mit dieser kleinen Festrede hervorzutreten, „die keine Ahnung hatte (sie!), daß sie je den rauhen und dornenvollen Pfad der Oeffentlichkeit betreten werde." Also die Festrede hatte keine Ahnung! Uns will es fast scheinen, als gehe es ihr hierin wie ihrem Verfasser, der auch, wie die ofterwähnte Adresse beweist, von gar Manchem keine Ahnung hat, das er hätte ahnen sollen. Sie versichern, Ihre Rede sei, als sie gehalten wurde, mit Liebe und Theilnahme ausgenommen worden, einige „begeisterte" Freunde hätten Sie sogar gebeten, sie der Oeffentlichkeit zu übergeben, allein Sie hätten den Wunsch „wie schon öfter", nicht erfüllt, „ weil Sie von Ihren Arbeiten nicht so eingenommen seien, wie nöthig ist, wenn man damit vor die Oeffentlichkeit treten will," also ein klein wenig eingenommen sind Sie von Ihren Arbeiten doch, was auch, wenn man es sonst nicht wüßte, aus Ihrer Versicherung hinlänglich hervorgeht, daß Siebte Adresse auch jetzt noch trotz der Angriffe um kein Wort anders schreiben würden. Jetzt aber treten Sie „unaufgefordert mit dieser Predigt aus der Vergangenheit vor die Oeffentlichkeit nur um der ungerechten und heftigen Anklagen willen, welche namentlich in der Zeitung des Judenthums gegen die Landrabbiner überhaupt und gegen Sie insbesondere erhoben worden sind." Mit der Angabe dieses Grundes aber sprechen Sie, mein Werthester, entweder eine Unwahrheit oder die ärgste Verurtheilung gegen sich selbst aus. Denn in dem ganzen gegen die Adresse gerichteten Artikel in der Zeit, des Jud. wird auch nicht eine Anklage gegen Sie insbesondere erhoben und wird Ihrer insbesondere überhaupt nur einmal gedacht undzwar an der Stelle, wo Sie als Verfasser jenes unübertrefflichen Machwerks bezeichnet werden.' Nun geben Sie aber selbst mit nicht zu verkennender Selbstbewunderung'zu, daß Sie „die Ehre.haben, der Autor jenes ausgezeichneten Elaborats zu sein" und dennoch finden Sie in dieser Angabe allein „eine ungerechte und heftige Anklage!" Wahrlich, wer darin, daß man ihn als den Verfasser eines politischen Schriftstückes bezeichnet, das in Wirklichkeit von ihm herrührt, eine Anklage und einen Vorwurf findet, dessen politisches Gewissen muß doch wohl nicht so ruhig schlagen, wie Sie uns dies in Rücksicht aus das Ihrige weis machen möchten. Im Verlaufe Ihrer Darstellung suchen Sie uns alsdann, bei dem Publicum damit zu discredrtiren, daß Sie.die Sache so darstellen, als wenn wir Sie einzig und allein deshalb mit Vorwürfen überhäuft hätten, weis wir Ihre Loyalität mißbilligten, in Folge deren Sie sich gedrungen fühlten, den in Ihnen lebenden Gesinnungen der Dankbarkeit gegen den König und dessen Negierung einen Ausdruck zu geben. Das ist aber eine Verdächtigung, deren sich ein auf seine Integrität sich berufender Rabbiner schämen sollte. Wir haben es selbst ausgesprochen, daß wir Juden allen Grund haben, unserer Regierung dankbar zu sein und können Ihnen die Verstcherung geben, daß wir an aufrichtiger Ergebenheit gegen dieselbe Ihnen durchaus nicht nachstehen. Was wir an Ihrem Elaborate auszusetzen hatten?) galt nicht Ihrer Loyalität, sondern etwas ganz Anderem. Wir fanden in der Synagogenordnung keine so bedeutende Schöpfung, daß sie überhaupt zu einer AdresseVeranlassung gab, und wir finden dies nebst anderen urtheilsfähigen Männern noch. War aber eine Adresse einmal nicht zu umgehen, so mußte sie in Worten, die als wahrer Ausdruck der Gefühle der Anhänglichkeit, Treue und Dankbarkeit von Seiten der Unterthanen gegenüber einem milden Herrscher gelten können und keineswegs in einer Sprache abgefaßt sein, wie sie kaum noch von dem tiefsten asiatischen Knechtssinne an Unterwürfigkeit überboten werden kann. Und diese Ueberzeugung haben wir noch. Daß wir aber mit derselben nicht allein stehen, beweist uns zu unserer Freude die seltene Uebereinstimmung in dem verwertenden Urtheile, welches Männer von den verschiedensten politischen Anschauungen über diese Adresse fällen, und nachdem letztere durch die Veröffentlichung in diesen weit verbreiteten Blättern über die

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