Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1861)
- Date
- 1861-05-14
- Page
- Seite 277 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226256-3226277--19441-3248456- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oradea 1× ep/1002404
OCR text
gend darüber hintveggegangen iß. Keines wagt es, dem Herrn. Grafen. Kärolyi irgend, ein, freimstlhigeö, Hort entgegenzusetzen.,.. Herr RabbinerLöw veröffentlichte in den, .größeren, ungarischen. Journalen folgende Erklärung: , „Bei der am 17. d. M. beim Grafen E K. gehaltenen Conferenz habe ich allerdings die.parallel, mit derEmancipation zu geschehende Gründung eines Culturvereins zur Sprache gebracht; in sonstige Motionen ließ ich mich nicht ein." — Ich weiß nicht, was Herr Löw unter dem weitschichtigen Namen Culturverein eigentlich meint, und wie derselbe parallel mit der Emancipation im Zusammenhänge steht? . Der einstige Culturverein in Berlin hatte wahrlich gar keine,. Beziehung zur Emancipationsfrage, und es muß Herrn Löw eine fatsche Reminisccnz zu dieser, ich will nicht sagen, perfiden und verräthcrischen, aber immerhin albernen und thöricbten Motion verleitet haben. Den schmählichen Anträgen des Herrn Grafen Kärolyi wußte Herr Löw nichts Anderes entgegenzustellen, als die Gründung eines Culturvereins?! Was heißt das anders, als damit die Juden in Ungarn aus der tiefen Versunkenheit, der sittlichen Verkommenheit herausgerissen werden und zur politischen Reife, zur Höhe des Magyarismus nach und nach gelangen. Hat Herr Löw mit der parallel mit der Emancipation zu geschehenden G r ü n d u n g eines Culturvereins die Juden in Ungarn nicht gebrandmarkt? Mußre dieses Zugeständniß der Unreife, den Herrn .Grafen nicht überraschen?? — Es ist leider das Traurige, daß die Juden in Ungarn keine einzige bedeutende, einflußreiche Autorität besitzen, die in einer solchen schwierigen Zeit die, Führerschaft und. Leitung übernehmen konnte,, Der Vorstand in Pefth hat sich bisher, dazu nicht als befähigt erwiesen und was von demselben ausgegangenwar eher nachtheilig und schäd- , lich. i Das, Trifolium •. der jüdischen Presse ist theils zu , jung, theils ohne Tendenz. . Durch die Fusion, des „Carmel" .von Meisel mit der „illuftrirten Judenzeitung" ist' das Blatt noch farbloser . und geschmackloser geworden!: Die ungarischen Journale schlagen einen ganz andern Ton! an'., Der reformistische Pen. Chananja ist der Moniteur' von Stuhlweißen bürg, Groß-Wardein und aller, hadern-» den Gemeinden und Vorstände des In- und Auslandes! Der in magyarischer Sprache erscheinende „ungarische Israelit" von, Rockonstein vertritt den Ultramagyarismus,, und ist das Blatt des Vereines Israelit» wag^ar eg^let.! Einfluß upd. Wirkung haben diese Blätter, sich gar nicht verschaffen können — und — Jesaias 9, 15. Ich will Sie. darum verschonen mit den Skandalgeschichten in den Gemeinden, wo Vorsteher und Gegenvorfteher gewählt werden, und sich öffentlich bekämpfen. Sie können fln P. L., ganze Spalten darüber lesen. Die zweite Auflage des Herrn Hirsch in Oesterreich str. Hugenheimer trägt zu diesen heillosen Zuständen in Stuhlweißenbürg sehr viel bei, die einen solchen düstern Schatten auf die Juden in Ungarn werfen. Dr. Gugenheimer hat auf. das dortige Rabbinat resignirt und ließ sich. von einer Fraction der dortigen Gemeinde wiederum wählen. Pariser Arrest. V. Schon wieder lesen wir in Ihrer Zeitung in den Correspondenzen aus Schaulen von einer Blutgeschichte, die unseren unglücklichen Glaubensgenossen imputirt worden. Wann wird man einmal aufhören, die Juden, die das Fleisch waschen und im Salz liegen lassen müssen, um jede Spur Yo.n Blut aus demselben zu entfernen, zu beschuldigen, Christenblut am Ostern zu gebrauchen?! .' Wahrlich, es ist eine Schande, wenn man noch 1861 solche Anschuldigungen für wahr aufnimmt, und noch ein Gouvernement, das Fortschritte, zu machen gedenkt,, und genug getaufte Juden.im Dienste hat, um sich von der Wahrheit zu überzeugen, solche zuläßt! Seit zwei Jahren hatten wir ein Massacre in Galatz, welches bekannt und nicht aufgewärmt zu werden braucht; ein Versuch , ein solches herbeizuführen, wurde von dem russischen Consul in Jerusalem gemacht. Die Geschichte ist aus gewissen Rücksichten verschwiegen worden; heute, da dieser Consul Jerusalem verlassen hat, können wir die Thatsache mittheilen. Zur Osterzeit, wo viele Pilger, nach Jerusalem strömen, kam ein Armenier in eine jüdische Schenke in Jerusalem und hatte sich ein Räuschchen getrunken; .doch war derselbe nüchtern genug, um sich wie leblos auf.den Boden zu werfen. Die Wirthsleute, die. nicht wenig erschraken, da sowohl der Armenier, als auch der Ju!>e. unter russischer" Protection standen, .suchten ihren Gast durch Reibungen u. dgl. ins Le- . ben zurückzurufen, welches endlich gelang. Der Armenier gab aber vor, bestohlen worden zu sein, und nach seiner Aussage Hatte man ihn gebunden, und man wollte ihm Blut ab zapfen- .Der russische Consul nahm dies Alles ernsthaft auf unh leitete die Klage ein, unb der Jude sollte nach Konstantinopel zur Gesandtschaft und von da in das gesegnete Land Sibirien wahrHeinÜch geschickt werhen. Jedoch hatte er zum Verhör Prof. Levyson, der