Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1861)
- Date
- 1861-05-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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öffentlich zu reden. Ich kenne keine größere Auszeichnung; als eine auf ehrbare Weift erlangte Popularität. Eine solche übersteigt alle Güter und Schätze der Welt. Aber eine Popularität, welche blos durch die Verläugnung oder Verschweigung der innem Ueberzeugung erlangt werden kann, hat in meinen Augen gar keinen Werrh. Wer für seine Popularität seine Ueberzeugung hinopfert und zum Preise derselben den Leidenschaften und Vorurtheilen des Volkes schmeichelt/ steht in meinen Augen nicht höher als derjenige, welcher um Titel und Aemter, Geld und Ordenszeichen sich den Machthabern zum blind gefügigen Werkzeuge verkauft. Ein solcher Volkshöfling kann wohl Popularität besitzen, verdient aber solche um so weniger, und ist nicht würdig, den Namen eines wahrhaften, freien Patrioten zu führen. — „Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, und diese auch bei einem jeden Landtagsdeputirten borausfetzend, theile ich auch die Hoffnung und das Vertrauen, welche Klapka in seinem an die Pariser Blätter gerichteten Briefe mit den Worten ausdrückt: „daß das Abschaffen einiger veralteten, unsre jüdischen Mitbürger vom Genuffe der politischen Rechte ausschließenden Gesetze die erste Aufgabe des am 2. April sich versammelnden Landtages sein wird". Mit diesem edlen verbannten Mitbürger müßte auch ich, müßten wir Alle in unsrer Schande erröthen, wenn nach dem Zusammentritte des Landtages nur ein Patriot gesunden würde, welcher die Vertagung dieser Sache wünschen könnte. — „Ist es noch nöthig, die von Pulßky und Teleki auf diese Fragen bezüglichen Worte hier zu citiren? Ein jeder Leser d. Bl. kennt dieselben. Diese Männer hatten die meiste Gelegenheit, mit der Meinung des Auslandes hierüber bekannt zu werden. Sie konnten es erfahren, was dasselbe von uns erwartet, und was wir zu thun haben, um als eine zur Freiheit reife, der Sympathie und Unterstützung würdige Nation gehalten zu werden. „Ich will in dieser Frage nicht vom Gesichtspunkte der Humanität, der Billigkeit und des ewigen Rechtes reden. Hierüber könnte oder müßte man vielmehr ein ganzes Buch, aber nicht einen kurzen Zeitungsartikel schreiben. — Alles was von diesem Gesichtspunkte hierüber gesagt werden kann, ist schon bis zum Ueberdrusse bei tausend und aber tausend Gelegenheiten in der ganzen Welt und auch in unsrem Vaterlande gesagt worden. Ich will nicht zum Herzen, aber zum Verstände reden, oder vielmehr zu dem nüchtern aufgefaßten Selbstinteresse. Ich wende mich nicht an den größern Theil der Intelligenten, welche mit mir in dieser Frage einverstanden sind, sondern an jene Wenigen, welche in ihrer Befangenheit nicht auf die Stimme der Wahrheit', wohl über.auf den drohenden Ruf der Gefahr zu hören geneigt sind. „Indem ich das Wort Gefahr erwähne, sehe ich wohl einige hartnäckige Gegner der Emancipation höhnend lächeln) aber ich deute die Gefahr nicht dahindaß uns von unfern jüdischen Mitbürgern, sowie von andern Volksstämmen, denen wir die Gerechtigkeit versagen würden, unmittelbare materielle Gefahr droht. Sie würden zwar gegen uns keine Waffen erheben, wenn sie auch fernerhin von den constitutionellen Rechten ausgeschlossen blieben. Aber der jüdische Volksstamm hat noch schärfere,, mächtigere, gefährlichere Waffen, als Schwerter, Bajonette und Kanonen, nämlich: — Geist und — Geld. Sie würden mit vollem Rechte diese beiden mächtigen Waffen im Jnlande wie im Auslande gegen uns benützen, wenn wir uns nicht beeilen würden, die rechtlose politische Stellung ihrer Glaubens- und Stammesgenossen aufhören zu lassen. Wer die französischen und englischen Blätter liest, konnte es bereits wahrnehmen, daß die ausländische Presse als Vertreter und Lenker der öffentlichen Meinung sich gegen uns gewendet und ihren frühern, uns würdigenden, aneifernden und aufmunternden Ton in einen höhnenden, tadelnden und verdammenden verwandelte,/seitdem im Vereine mit den gegen Juden begangenen ärgerlichen Amtsausschreitungen diese uns in Wahrheit beschämende Thatsache zur Kenntniß des Auslandes gelangte/daß jene an Zahl, Intelligenz und Vermögen hervorragende Volksclaffe ihres Glaubens wegen von dem Genüsse solcher politischen Rechte ausgeschlossen ist, an denen selbst der ungebildetste, des Schreibens und Lesens unkundige Landbauer und Handarbeiter Theil nimmt. „Ja, gestehen wir es nur aufrichtig, daß diese hierüber uns ins Gesicht geschleuderten Höhnungen und Anklagen nicht so unbegründet und ungerecht sind, wie wir selbst es glauben und auch Andre glauben Machen wollen. Denn wenn es auch zu entschuldigen ist, daß wir außerhalb der Gesetzgebung unsre Gesetze darum nicht verbessern dürfen, um der Octroyirung nicht Thür und. Thor zu öffnen, so können wir doch dafür, daß unsre Gesetzgebung vom Jahre 1848 die politische Rechtlosigkeit der Juden aufrecht erhielt, keinen genügenden Entschuldigungsgrund finden. Wollten wir zur Vertheidigung unsrer Gesetzgeber uns auf die Antipathie des' Volkes berufen, so leiten wir ja eben damit die Schwere der Anklage vor den Augen Europa's auf das Volk selbst.'